Metro vor der Übernahme: Was passiert mit der Aktie?

Offenbar steht Metro vor der Übernahme. Die Aktie, die Anlegern seit Längerem wenig Freude bereitete, könnte sogar ganz verschwinden. (Foto: M DOGAN / shutterstock.com)

Einkaufen bei der Metro oder im Supermarkt Real macht Spaß, da gibt es alles zum vernünftigen Preis. Derweil ahnen wohl die wenigsten Kunden an der Kasse, dass ein ganz anderer gleich den ganzen Laden kaufen will: Der tschechische Milliardär und Unternehmer Daniel Kretinsky plant die Übernahme von Metro Aktien.

Pakete der Metro-Aktie vor der Übernahme

Die will er sich von der Duisburger Familienholding Haniel besorgen, die bislang 22,5 % an der Metro hält. 7,3 % der Stammaktien sind bereits zugesagt, weitere 15,2 % stehen zur Option. Über seine Investmentgesellschaft EP Global Commerce versucht Kretinsky, zum größten Einzelaktionär aufzusteigen. Doch damit nicht genug. Der Tscheche, der den Stromversorger EPH kontrolliert, das Braunkohlegeschäft von Vattenfall übernommen hat und am Eon-Ableger Uniper interessiert war, bereitet sich auch auf die Übernahme des Pakets von 9,99 % Metro-Aktien vor, die Ceconomy hält.

Ceconomy betreibt die Elektromärkte Media Markt sowie Saturn und ist der Rechtsnachfolger der früheren Metro, die im Sommer 2017 aufgespaltet wurde. Beide Unternehmen sind im Mdax gelistet, wo die Aktien seither über ein Viertel ihres Werts verloren. Zuletzt lief es für die Metro-Aktie etwas besser. Das Unternehmen ist mitten im Umbau und zeigt etwas weniger schlechte Zahlen. Die große Herausforderung ist die zunehmende Konkurrenz im Online Handel.

Das einstige Dickschiff tut sich schwer

Dabei war die Metro Ende der 90er Jahre Europas dominierendes Handelshaus. Das Geschäftsvolumen erreichte die Hälfte von Walmart, der weltweiten Nummer eins. Zur Metro gehörten neben Media Markt und Saturn der Kaufhof, Baumärkte, Discounter, Schuhläden, Reisebüros, Computerketten sowie Immobilien. Später wurde eines nach dem anderen abgestoßen. Die heraufziehenden Probleme für Warenhäuser, die alles anbieten, zeigten sich gerade bei Kaufhof, der über zwei Stationen bei der kanadischen Hudson Bay Company gelandet ist und nun vor der Fusion mit Karstadt steht – Ausgang offen.

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Das einstige Dickschiff Metro wurde auch danach als zu unübersichtlich erachtet und vor einem Jahr eben aufgeteilt, mit dem Kalkül, die einzelnen Geschäftsbereiche gezielter zu optimieren. Auch andere wie Siemens versuchen sich mit Aufgliederungen. Eine Erfolgsgarantie ist das Modell allerdings nicht. Die Metro konnte zumindest ihren Umsatz nach zwei Vorjahresrückgängen wieder leicht steigern. Und die Halbierung der Verluste beim operativen Ergebnis gab ebenfalls Hoffnung auf eine Wende.

Zwischen Fakten und Phantasie

Während die Haniel-Familie keine Lust mehr hat, sich auf eine ungewisse Zukunft einzulassen, will eben Kretinsky das angefangene Werk zum Erfolg führen. Ob es ihm gelingt, ist natürlich reine Spekulation. Keine Spekulation ist, dass er beim gewünschten Zugriff auf das Metro-Aktienpaket von Ceconomy auf 30 % kommt und laut Gesetz den übrigen Anteilseignern ein Übernahmeangebot machen muss. Der nächste Schritt könnte irgendwann dahin gehen, die Metro sogar von der Börse zu nehmen, wie der noch Großaktionär Haniel verlauten ließ. Der Streubesitz liegt übrigens bei 46,75 %.

Zwischen Fakten und Phantasie kommt derweil die Information, dass Haniel durchaus auch seine 25 % an der Konzernmutter Ceconomy zur Verfügung stellen würde. Und die Meldung, dass der chinesische Mischkonzern Fosun nicht mehr wirklich im Bieterrennen sei. Zuvor waren die Chinesen noch als zweiter Interessent gehandelt worden.  Auch wenn Übernahmephantasien der Metro-Aktie neuen Schub verleihen können, so ist Anlegern mit vagen Informationshäppchen wenig geholfen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.