Mieten oder kaufen: Mehr als eine rein finanzielle Entscheidung

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Auch die emotionale Komponente ist bei der Frage ob eher Mieten oder Kaufen entscheidend. Daneben natürlich auch die finanzielle Situation. (Foto: Andrey Popov / shutterstock.com)

Die Mieten steigen, die Bauzinsen sinken – da würde es doch naheliegen eine Immobilie zu kaufen und sein Geld nicht mehr monatlich an den Vermieter zu überweisen, oder? Über die Frage “Mieten oder kaufen?” scheiden sich die Geister. Für die einen gehört ein Eigenheim zum Leben dazu, erst recht wenn man Kinder beziehungsweise Familie hat. Andere wollen flexibel bleiben und sich die enorme finanzielle Belastung eines Hauses nicht aufbürden.

Käufer sind vermögender als Mieter

Dabei gibt es Lebenssituationen, in denen der Kauf von Immobilien durchaus Sinn macht. So haben viele verschiedene Studien gezeigt, dass Hausbesitzer über mehr verfügbares Vermögen verfügen als Mieter. Bis zu fünf Mal höher ist das Nettovermögen von Käufern während der Erwerbszeit und auch in die Rente gehen Käufer mit einem deutlich höheren Vermögen.

Der Grund dafür ist nicht unbedingt, dass Käufer per se finanziell besser situiert sind als Mieter, die sich ein Eigenheim vielleicht gar nicht leisten können. Vielmehr sparen Käufer größere Teile ihre Einkommens als Mieter und bauen so noch mehr zusätzliches Vermögen auf.

Immobilien machen immobil

Dennoch ist ein Hauskauf nicht für jeden das Richtige. So wollen sich manche Menschen gar nicht auf einen Wohnort festlegen, sondern flexibel und mobil bleiben. Wer jetzt schon weiß, dass er in seinem Job häufiger den Wohnort oder vielleicht sogar das Land wechseln wird, tut sich schwerer mit dem Kauf eines Eigenheims als eine Familie, die an einem Ort sesshaft werden möchte.

In Zeiten von steigenden Kaufpreisen und dem immer wieder kursierenden Wort der “Immobilienblase” ist es zudem immer schwerer noch geeignete Immobilien an passenden Standorten zu finden, die nicht gänzlich überteuert sind.

Mieten oder kaufen: Eine Frage des Alters

Häufig ist ein Hauskauf auch für viele Menschen eine Frage des Alters – schließlich ist eine gewisse Menge an Eigenkapital für den Kauf einer Immobilie nötig. Mindestens 20 Prozent des Kaufpreises sollten es sein – je mehr, desto besser. Wer spät von der Uni kommt oder zu Beginn seiner Berufstätigkeit noch kein hohes Gehalt hat, hat möglicherweise noch nicht viel gespart und kann erst spät einen Kaufvertrag unterschreiben.

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Viele Leute haben bei einem Immobilienkauf zudem Sorge vor dem sprichwörtlichen Klotz am Bein, der ihnen weniger finanziellen Spielraum lässt. Wer monatlich festgelegte Kreditraten tilgen muss, kann sich nicht mal so eben eine berufliche Auszeit nehmen. Auch wenn es in der Beziehung kriselt werden der gemeinsame Kreditvertrag und das zusammen finanzierte Haus plötzlich zum Problemfaktor.

Die Vorteile des Immobilienkaufs

Eine Immobilie zu kaufen hat jedoch auch klare Vorteile. Durch die Investition in das Eigenheim findet über die Jahre automatisch ein Kapitalaufbau statt, den Mieter auf andere Weise regeln müssen. Während Käufer durch das Tilgen von Kreditraten ihr Geld jeden Monat von ganz alleine anlegen, müssen Mieter dafür auf Fonds, Aktien oder andere Geldanlageprodukte zurückgreifen – zusätzlich zu ihren Mietzahlungen. Das eigene Haus oder die eigene Wohnung sind ein Vermögenswert, der im Schnitt weniger starken Schwankungen unterliegt als zum Beispiel eine Aktie eines Unternehmens. Diese Art der Kapitalanlage hat für viele Menschen einen hohen Stellenwert.

Da die Mieten für Wohnungen und Häuser in Deutschland in den letzten Jahren sehr stark gestiegen sind, vereinnahmen sie immer mehr Prozent des monatlichen Nettogehalts. Auch die Kaufpreise werden immer höher, sodass hier gefühlt eine Wahl zwischen Not und Elend besteht. Glücklich schätzen kann sich derjenige, der entweder einen hohen Eigenkapitalbetrag in eine Immobilienfinanzierung mit einbringen konnte oder sehr günstig zur Miete wohnt (zum Beispiel aufgrund eines alten Mietvertrags).

Es gibt zwar auch immer noch Regionen in Deutschland, in denen die Preise für Immobilien im Vergleich zu den Großstädten wie München, Hamburg oder Köln noch bezahlbar sind. Dennoch muss sich dies natürlich auch mit der eigenen Lebensplanung verbinden lassen, was nicht immer so einfach ist.

Mieten oder kaufen: Der Lebensplan entscheidet

Eine Empfehlung zum Thema Mieten oder Kaufen zu geben, ist schier unmöglich. Auch wenn die finanzmathematischen Faktoren laut verschiedener Studien für den Kauf sprechen, darf die emotionale Komponente bei diesem Thema nicht unterschätzt werden. Schließlich ist ein Eigenheim für die meisten Menschen die teuerste Anschaffung ihres Lebens und diese will wohl überlegt sein.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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