Minderung bei fehlendem Bautagebuch

Wenn ein Architekt pflichtwidrig kein Bautagebuch führt, ist der Auftraggeber berechtigt das Architektenhonorar zu mindern, stellte das oberste deutsche Zivilgericht im Juli 2011 fest.

Strittig war dies: Ein Architekt legte seinem Auftraggeber eine Honorarrechnung für ein abgeschlossenes Bauvorhaben vor. Der Auftraggeber wendete gegen die Honorarforderung des Architekten unter anderem ein, dieser habe kein Bautagebuch geführt und minderte deshalb das Honorar.

Zu Recht! Der Architekt hat gegen seine Vertragspflichten verstoßen, weil er kein Bautagebuch geführt hat. Deshalb ist sein Werk mangelhaft.

Dem Auftraggeber war es auch nicht zumutbar, dem Architekten eine Frist zur nachträglichen Anfertigung eines Bautagebuchs zu setzen.

Denn ein Bautagebuch kann nachträglich nicht mehr zuverlässig erstellt werden. Der Auftraggeber konnte daher ohne Weiteres das Honorar des Architekten gemäß § 634 des Bürgerlichen Gesetzbuchs (BGB) mindern.

Der Architekt war zwar berechtigt, das Original des Bautagebuchs zu behalten.

Der Auftraggeber konnte jedoch fordern, dass ihm Fotokopien ausgehändigt werden, damit er über die im Bautagebuch dokumentierten Bauarbeiten informiert ist (BGH, Urteil v. 28.07.11, Az. VII ZR 65/10).

12. November 2011

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Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.

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