Mindestlohn: Europa mehrheitlich mit gesetzlichen Regelungen

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Um ein differenziertes Bild zum Thema Mindestlohn in Europa zu bekommen lohnt sich ein genauer Blick über die Grenzen. (Foto: newroadboy / Shutterstock.com)

Die Diskussion um die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns ist derzeit wieder in aller Munde. Oft wird dabei von den Befürwortern eines gesetzlichen Mindestlohns auf das Thema: Mindestlohn in Europa verwiesen.

Um ein differenziertes Bild zum Thema Mindestlohn in Europa zu bekommen lohnt sich ein genauer Blick über die Grenzen.

Situation – Mindestlohn in Europa

In 20 von 27 Europäischen Staaten gibt es mittlerweile einen flächendeckenden, branchenunabhängigen gesetzlichen Mindestlohn.

Die einzigen Länder die über keinen gesetzlichen Mindestlohn verfügen sind Deutschland, Dänemark, Italien, Schweden, Finnland, Österreich und Zypern.

Als Gründe hierfür macht die Bundeszentrale für politische Bildung einen hoher Organisationsgrad von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, sowie eine sehr weit reichende tarifvertragliche Abdeckung in diesen Ländern aus.

Mindestlohn in Europa: Höhe und Ausprägung

Die Höhe der gesetzlichen Mindestlöhne in Europa hängt sehr stark vom jeweiligen Mitgliedsstaat ab. In der Regel haben die “alten” EU-Staaten einen höheren Mindestlohn als die neuen Mitglieder.

Die höchsten Mindestlöhne haben – wie aus dieser Statistik ersichtlich – Luxemburg, Frankreich und die Beneluxstaaten.

Hier finden Sie eine Übersicht zu den gesetzlichen Mindestlöhnen in der Europäischen Union.

Vergleichbarkeit des Mindestlohns in Europa

Der Mindestlohn kann nicht ohne weiteres europaweit verglichen werden.

Die Situation in Deutschland ist im europäischen Vergleich von einem sehr hohen Lohnniveau und starken Arbeitgeber- und Arbeitnehmerverbänden geprägt.

Andere Staaten Europas haben trotz Mindestlohn in vielen Fällen ein durchschnittlich niedrigeres Lohnniveau – auch bei unqualifizierten Arbeitnehmern.

Um eine Vergleichbarkeit zu schaffen muss der Mindestlohn in Europa in Relation zum Durchschnittseinkommen gesetzt werden.

Ein Blick auf die Daten der OECD zeigt, dass die Mindestlöhne in vielen Ländern weit unter den Durchschnittslöhnen liegen.

Ein sehr geringer Mindestlohn wie in einigen europäischen Ländern bringt für Arbeitnehmer meist keine Vorteile mit sich.

In einigen Fällen kann ein Mindestlohn sogar den Durchschnittslohn nach unten drücken.

Ein gutes Beispiel hierfür ist die Pflegebranche in Deutschland:

Volkswirtschaftlich gesehen hat Deutschland de-facto mit dem Arbeitslosengeld II bereits eine Form von Mindestlohn eingeführt hat.

Arbeitnehmer sind in der Regel nicht bereit für einen Lohn zu arbeiten der unterhalb der Entschädigung für die Arbeitslosigkeit liegt.

Mindestlohn den lokalen Gegebenheiten anpassen

Ein europaweiter Vergleich ist nicht der richtige Weg um die Einführung eines Mindestlohns in Deutschland zu analysieren.

Die Unterschiede der lokalen Volkswirtschaften, der Gewerkschaften, der Arbeitgeberverbände und Sozialpolitik in den verschiedenen Staaten machen einen sinnvollen Vergleich unmöglich.

Die Diskussion um einen Mindestlohn in Deutschland muss sich an den lokalen wirtschaftlichen Gegebenheiten orientieren.

Fazit: Mindestlohn in Europa

Populistische Argumentationsweisen durch undifferenzierte Gegenüberstellungen und Stammtischvergleiche sind in der Diskussion zum Mindestlohn fehl am Platz.


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Michael Frei
Von: Michael Frei. Über den Autor

Der Autor beschäftigt sich seit 8 Jahren intensiv mit den Kapitalmärkten. Michael Frei ist studierter Ökonom und im Finanzsektor tätig. Mit seinem Wissen hilft er den Lesern von GeVestor wirtschaftliche Zusammenhänge besser zu verstehen.