Mit dem MACD auf Trend-Suche

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An den Aktienmärkten ist weltweit die traditionelle Ruhe „zwischen den Jahren“ eingekehrt. Ich möchte diese letzten beiden Handelstage im alten […] (Foto: Zadorozhnyi Viktor / Shutterstock.com)

An den Aktienmärkten ist weltweit die traditionelle Ruhe „zwischen den Jahren“ eingekehrt.

Ich möchte diese letzten beiden Handelstage im alten Jahr dazu nutzen, Ihnen den Indikator MACD (englische Abkürzung für: Moving Average Conversion Diversion) einmal etwas näherzubringen.

Zudem erfahren Sie in einem weiteren Beitrag noch von einer anderen Anwendungs-Möglichkeit, um den Indikator sinnvoll zu nutzen.

Ruhe „zwischen den Jahren“ – Tradition?

Doch lassen Sie mich vorab noch kurz erläutern, warum die Ruhe „zwischen den Jahren“ eine Tradition ist:

Die Vermögens-Verwalter und Fondsmanager richten ab Ende November stets ihre Portfolios für den im Januar des neuen Jahres anstehenden Rechenschafts-Bericht an ihre Kunden her, um ein möglichst positives Bild ihrer Tätigkeit abliefern zu können:

So werden die Verlierer-Positionen weitgehend eliminiert und durch die Gewinner des „alten“ Jahres ersetzt, soweit sie sich noch nicht im Portfolio befinden.

Das Ganze ist vergleichbar mit einer Schönheits-Operation: kostet viel Geld, bringt keine Änderung des Ergebnisses, aber wirkt optisch besser.

Zudem nutzen die Marktteilnehmer die vielen Feiertage für einen verlängerten Kurzurlaub.

Und diese Kurzurlaube fallen in diesem Jahr noch deutlich „arbeitnehmerfreundlicher“ als in den letzten 2 Jahren.

Die nachfolgende Grafik des S&P 500 dokumentiert das Gesagte (Portfolio-Bereinigung; Marktruhe) anhand der Umsätze (blaue Vertikalen; pinkfarbener Pfeil):

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S&P 500: Ruhe „zwischen den Jahren“ – Umsätze gehen stark zurück

Was verbirgt sich hinter dem MACD?

Falls Sie mit der Funktionsweise des MACD noch nicht vertraut sind, hier ein kurzer Einstieg:

Der Entwickler des Indikators heißt Gerald Appel. Appel hat den MACD zwar schon in den 1960er-Jahren entwickelt. Popularität erlangte er jedoch erst in den späten 1970ern.

Die Bezeichnung Moving Average steht für Gleitende Durchschnitte – Ihnen vermutlich besser bekannt als Tagelinien.

Das Wort „Gleitend“ bezieht sich darauf, dass mit jedem weiteren Handelstag ein neuer Kurs in die Durchschnitts-Berechnung einbezogen wird und der erste im Berechnungs-Zeitraum herausfällt.

Convergence ist das englische Wort für Konvergenz (konvergieren = sich aufeinander zu bewegen, zusammenlaufen).

Divergence heißt übersetzt Divergenz und stellt das exakte Gegenteil dar: (divergieren = sich voneinander weg bewegen, auseinanderlaufen).

Beim MACD geht es mithin um das Zusammen- und Auseinanderlaufen Gleitender Durchschnitte.

MACD: Vielseitiger Indikator

Aktien und Indizes bewegen sich in Trends.

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Das heißt: Für eine mehr oder weniger lange Zeitspanne überwiegt entweder die Nachfrage das Angebot (Aufwärtstrend) oder umgekehrt (Abwärtstrend).

Hin und wieder gibt es auch Seitwärts-Bewegungen:

Im Jahr 2015 beispielsweise pendelten die US-Aktien-Indizes von Anfang Februar bis Mitte August in einer ungewohnt engen Handelsspanne von nur wenigen Prozentpunkten.

Während solcher Seitwärts-Phasen befinden sich die Marktkräfte, also Angebot und Nachfrage, weitgehend im Gleichgewicht.

Bei allen genannten Trend-Varianten ergibt sich indes eine Problematik:

In einem t(r)endierenden Markt liefern Ihnen Trendfolge-Indikatoren (z. B. Tagelinien) ansprechende Analyse-Ergebnisse.

In Seitwärts-Phasen sollten Sie indes besser Oszillatoren (beispielsweise Stochastik) einsetzen.

Das Tolle am MACD ist: Er funktioniert in beiden Marktsituationen prima, kombiniert er doch die Vorzüge von Trendfolge-Indikatoren und Oszillatoren miteinander.

So funktioniert der MACD

Solange Kurs und MACD synchron laufen, ist der Aufwärtstrend intakt. Laufen Kurs und MACD hingegen richtungstechnisch auseinander, dann ist Gefahr in Verzug.

Es reicht völlig aus, wenn Sie sich beim MACD 2 Punkte einprägen:

Kreuzt die MACD-Linie (grüne Linie im Chart) die sogenannte Trigger-Linie (Auslöser-Linie; rot), wird ein Kauf- oder Verkaufs-Signal ausgelöst.

Wird die Trigger-Linie überwunden, entsteht ein Kaufsignal. Wird sie unterboten, generiert der MACD ein Verkaufs-Signal.

Daraus folgt: Bei Betrachtung eines Kursverlaufes mit Hilfe des MACD befindet sich eine Aktie oder ein Index stets entweder in einem Kauf- oder in einem Verkaufs-Signal.

Prima Signale für den S&P 500

Schauen wir uns das beim S&P 500 einmal an:

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S&P 500: Auf- und Abwärtstrends mit dem MACD erkennen

Die grünen Vertikalen zeigen Beispiele für Kaufsignale, die roten stehen für Verkaufs-Signale. Hin und wieder liegen MACD-Linie und Trigger sehr eng beieinander:

Falls Sie sich bzgl. der Überkreuzung nicht ganz sicher sind, hilft Ihnen der Blick auf das Histogramm (grüne und rote Balken):

Sie messen den Abstand zwischen den beiden Linien – ein Wechsel vom negativen in den positiven Bereich (oder umgekehrt) belegt dann ein Signal.


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Andreas Sommer
Von: Andreas Sommer. Über den Autor

Andreas Sommer ist ein absoluter Börsen-Profi. Der gelernte Bankkaufmann war 10 Jahre als Wertpapierberater bei einer großen deutschen Bank tätig.