Mit Kanada geht es bergauf – das spüren auch Privatanleger

Während Donald Trump mit seiner Unberechenbarkeit für politische sowie wirtschaftliche Verwerfungen sorgt und die Zukunft Europas unklar ist, suchen viele Zuflucht in einem Land, das mit seinem Bekenntnis zum Freihandel als Hort von Liberalität und Zuverlässigkeit entdeckt wird: Kanada bietet in Sachen Geldanlage neue Potenziale, teils als eine Alternative zu den USA.

Außerdem steht der kleine, große Nachbar im Norden weniger im Visier des neuen Präsidenten. Auch betreffen die Ankündigungen, die Verträge zu Nafta aufzukündigen, in erster Linie Mexiko. Im Gegenteil: Kanada scheint von der neuen Linie Washingtons zu profitieren.

Kanada: Geldanlage mit unerwarteter Entwicklung

So konnte sich der Leitindex S&P/TSX seit der Veröffentlichung der US-Wahlergebnisse um ganze 18% verbessern. Mit diesem besten Ergebnis seit 2009 kletterte die Börse von Toronto auf einen Spitzenrang. Für beträchtliche Mittelzuflüsse sorgte zudem der billiger gewordene Kanada-Dollar.

Auch gab das OPEC-Abkommen Ende 2016 Impulse. Der Leitindex beinhaltet etliche große Rohstoff- und Energieunternehmen. Obendrein werden die Ölförderer durch Trumps Ankündigung beflügelt, die von Obama abgelehnte Keystone-XL-Pipeline wiederzubeleben. Die soll Öl aus den Ölsandvorkommen in Alberta zu den Raffinerien in den USA befördern.

Beim genauen Hinsehen zeigt sich, dass der Index im Energiebereich mit einem Plus von 38% an erster Stelle liegt. Der der eigens berechnete „Material“-Index, der die übrigen Rohstoffkonzerne listet, konnte um 32% zulegen. Der Industrie-Index verzeichnete 23% und Finanztitel kamen auf 21%. Der beste Einzelwert war die Aktie des Bergbauunternehmens Teck Resources. Der Zuwachs: ganze 422%. Ein Jahr zuvor noch mussten Anleger Dividendenkürzungen verkraften.

Profiteur der neuen US-Wirtschaftspolitik

Kanada selbst sieht sich auch für die nähere Zukunft gut aufgestellt. Trump hin oder her, die bilateralen Handelsbeziehungen sind für beide Seiten produktiv. So ist das Land der führende Exportmarkt für 37 US-Bundesstaaten, von dem gut 9 Mio. amerikanische Arbeitsplätze abhängen.

Für Abschottungen und Reibereien wie mit Mexiko sind die beiden Wirtschaften zu sehr miteinander verwoben und voneinander abhängig. Das bedeutet auch, dass ein zu erwartender Auftrieb der US-Wirtschaft durch die angekündigten Investitionsprogramme sich auch auf die kanadische Wirtschaft positiv auswirken dürfte.

Die jüngste Entwicklung ist vor allem auch eine Kehrtwende eines Abwärtstrends, der nach einer vorangegangenen Boomphase 2015 eingesetzt hatte. Zu den Ursachen gehörte der anhaltend niedrige Ölpreis sowie der generell flaue Rohstoffmarkt. Positive Impulse erhofft man sich zudem vom Freihandelsabkommen Ceta mit der EU, das nach langen Querelen Ende letzten Jahres zustande kam.

Wirtschaftsbeziehung zu Deutschland

Ceta ist nicht zuletzt für Deutschland wichtig, das mit gut 800 Unternehmen vertreten ist. Etliche wie Siemens, Daimler, K+S oder SAP produzieren vor Ort und profitieren von einem Angebot gut ausgebildeter Fachkräfte. Umgekehrt ist hierzulande der Flug- und Schienenfahrzeugbauer Bombardier eines der größten Unternehmen, das seine Zentrale für den Schienenbereich von Montreal nach Berlin verlegt hat.

Direktinvestitionen in verschiedenen Bereichen wie Automobil, Luft- und Raumfahrt, Bio- oder Nanotechnologie werden mit teils äußerst attraktiven Steuervergünstigungen gefördert. Insgesamt versucht Kanada, dessen Wirtschaftsbeziehungen zu 80% über die USA laufen, seinen Außenhandel breit zu diversifizieren. Aus deutscher Sicht wird Kanada über Ceta nun umso interessanter als von einer Wiederbelebung von TTIP mit den USA nicht mehr zu rechnen ist.

Über einen Mangel an Attraktivität braucht sich das Land derzeit keine Sorgen zu machen. Seit der Wahl Trumps haben etliche US-Amerikaner Anträge auf Einbürgerung oder Daueraufenthalt gestellt. Die Universitäten verzeichnen einen nie gesehenen Ansturm. Teilweise überlegen auch US-Firmen, die ihre internationalen Handelsbeziehungen gefährdet sehen, einen Umzug.

Mit diesem Bild sind Aktien aus Kanada als Geldanlage überlegenswert. Über ETFs lassen sich die Index-Wertentwicklungen einfach und günstig nachvollziehen. Immobilien indes sind bereits überteuert. Und Sparzinsen liegen nicht über 2%.

3. Februar 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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