Mit Macron könnte Frankreich Deutschland wirtschaftlich überholen

LVMH Symbolbild Louis Vitton Laden RED_shutterstock_197901746_TonyF3112

Wer in Frankreich investieren will, hat einen Markt mit viel Potenzial vor sich. Macrons Reformpläne hängen noch von den Parlamentswahlen ab (Foto: TonyF3112 / shutterstock.com)

Nach einer spannenden Wahl hat sich in Frankreich letztlich die Vernunft durchgesetzt. Emmanuel Macron ist neuer Präsident. Anders als seine Rechtsaußen-Rivalin Marine Le Pen ist er ausgesprochen europafreundlich und mit einem ambitionierten Programm angetreten, um das Land wirtschaftlich wieder auf die Beine zu bringen und wettbewerbsfähig zu machen.

Aufholpotenzial: Jetzt in Frankreich investieren

Lohnt es sich, jetzt in Frankreich zu investieren? Welche Chancen bietet der Aktienmarkt? Immerhin ist das Potenzial der zweitgrößten Volkswirtschaft im Euroland enorm. Der Leitindex CAC 40, der seit Jahren hinter dem Dax herhinkt, legte schon seit Jahresanfang stärker zu und machte vor dem zweiten Wahlgang einen Sprung um über 7% – auf den höchsten Stand seit Ende 2007.

Seitdem geht es auf hohem Niveau eher seitwärts. Wer in Aktien Frankreichs investieren will, muss sich auf eine andere Dynamik einstellen als etwa in den USA. Macron ist nicht Trump. Auch wenn er die Märkte stützen wird, für weitere Euphorie ist einstweilen wenig Luft. Ob es am Monat Mai liegt, in dem man nach alter Börsenweisheit verkaufen soll, sei dahingestellt.

Auf jeden Fall wurde sein Sieg bereits zuvor eingepreist. Anders als bei Trump war er keine Überraschung, die einen plötzlichen Hype auslöste. Eine Konsolidierung ist völlig normal. Viele machen erst einmal Kasse – und warten auf die kommenden Parlamentswahlen im Juni. Dann nämlich wird sich erst zeigen, wieviel politische Unterstützung Macron für seine Vorhaben erhält.

Parlamentswahlen werden entscheidend sein

Die sozialliberale Ausrichtung des ehemaligen Finanzministers und Investmentbankers stößt in dem gespaltenen Land mit seiner hohen Arbeitslosenquote schon jetzt auf verbreiteten Widerstand. Dass Privatisierungen, der massive Abbau des aufgeblähten Beamtenapparats und Reformen im Sozialsystem die Gewerkschaften auf den Plan rufen ist die eine Sache.

Eine andere ist, dass Marine Le Pen, die immerhin mit 33,9% abschnitt, alles daransetzt, ihm die Mehrheit der 535 Sitze im Parlament streitig zu machen. Es ist zwar nicht sehr wahrscheinlich, doch sollte es ihr gelingen, 40 Plätze zu gewinnen, wäre Macron blockiert. Das Ergebnis: Stillstand. Frankreich käme erneut nicht vom Fleck, was den allgemeinen Verdruss befeuern und einer erneuten Kandidatur Le Pens in fünf Jahren in die Hände spielen würde.

Louis Vuitton Handtasche RED – shutterstock_389751781 andersphoto

Glamour verkauft sichKonjunkturdelle und Eurokrise hin oder her – edler Schmuck, exquisite Mode und teure Accessoires bleiben auch in Krisenzeiten gefragt, und zwar weltweit. › mehr lesen

Wahrscheinlicher ist, dass Macron eine Mehrheit erhält. Einiges wird er dann umsetzen können. Selbst die moderate Gewerkschaft CFDT erkennt die Notwendigkeit von Reformen und hat Unterstützung signalisiert. Gerade für kleinere und mittlere Unternehmen will Macron, durch den Abbau enormer Kosten und ausufernder Bürokratie, die Schaffung neuer Arbeitsplätze erleichtern.

Ambitionierte Reformpläne

Wer in Frankreich investieren will, könnte sich dann auf die Nebenwerte im CAC Small konzentrieren. Steigt erst einmal die Konsumbereitschaft durch geplante, niedrigere Lohnsteuern werden auch andere Titel nachgezogen. Schon jetzt sind vor allem Luxusgüterhersteller wie LVMH oder Hermès bestens aufgestellt. Zudem macht sich Macron für eine Pauschalsteuer von 30% auf Kapitaleinkünfte stark, was die Märkte zusätzlich beflügeln dürfte.

Und: Nach seinem Willen soll Frankreich investieren, und zwar verstärkt in Erneuerbare Energien. Dafür ist ein Abbau der hohen Staatsanteile an großen Unternehmen geplant. Renault etwa könnte dann seine teilweise blockierten Kooperationen mit Nissan intensivieren. Und in einigen Branchen kann das zu Konsolidierungen und neuen Anlegerchancen führen.

Gelingt es Macron, Reformen auf den Weg zu bringen, die in ihrer Ambition an die von Kanzler Helmut Schröder erinnern, könnte Frankreich durchaus Deutschland überholen. Das Potenzial ist jedenfalls vorhanden. Nicht zuletzt verfügt Frankreich über eine hervorragende Infrastruktur, einen hochkompetenten öffentlichen Dienst sowie die höchste Geburtenrate in Europa.

Selbst wenn Macron nur die Hälfte seiner Pläne umsetzen kann, werden sie ausreichen, dem Land einen kräftigen Schub zu verpassen. Die Chancen stehen nicht schlecht. Wer will, kann sich zeitig positionieren und etwa einen ETF auf den CAC 40 kaufen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.