MobiCoin: Darum testet Daimler eine eigene Kryptowährung

Daimler startet ersten Testballon mit der Blockchain und einer eigener Kryptowährung - Was steckt dahinter? (Foto: Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com)

Immer mehr Firmen erkennen das Potenzial der Blockchain und setzen dabei auf eine eigene Kryptowährung – so auch der Stuttgarter Autobauer Daimler, der einen ersten Testballon gestartet hat.

Pünktlich zum diesjährigen Mobile World Congress (MWC) in Barcelona präsentierte Daimler sein Blockchain-Projekt mit der eigenen Kryptowährung MobiCoin. Ziel des Projekts: Mercedes-Fahrer sollen für umweltfreundliches bzw. vorausschauendes Fahren belohnt werden – mit der Kryptowährung MobiCoin.

Daimler und der MobiCoin – Was steckt hinter dem Blockchain-Projekt?

Im Rahmen der Testphase, die von Mitte Februar bis Mitte Mai läuft, können zunächst 500 Mercedes-Fahrer teilnehmen und um den besten Eco-Score kämpfen. MobiCoins erhält der Fahrer immer dann gutgeschrieben, wenn dieser besonders umweltschonend fährt. Damit ist gemeint, dass vorausschauendes Fahren (frühes Schalten, Vermeidung von häufigen Beschleunigungs- und Bremsorgien) durch MobiCoins belohnt werden.

Um mitzumachen, müssen sich Mercedes-Fahrer lediglich mit ihrem Fahrzeug anmelden und die entsprechende App installieren, auf der dann der erreichte „Eco-Score“ einsehbar ist. Die Fahrer, welche die meisten MobiCoins in den letzten Monaten gesammelt haben, können Preise wie zum Beispiel Eintrittskarten für ein DTM-Rennen oder für das MercedesCup-Finale gewinnen.

MobiCoin – die Kryptowährung unter der Lupe

Testteilnehmer und auch Anleger müssen wissen, dass es sich beim MobiCoin zwar um eine Kryptowährung handelt, die jedoch anders als der Bitcoin oder Ethereum an keiner Kryptobörse gehandelt wird. Noch steht nicht fest, ob die Teilnehmer jemals MobiCoins in andere Kryptowährungen (Bitcoin etc.) oder Papiergeld (Euro, US-Dollar) tauschen können. Noch handelt es sich lediglich um einen Test.

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Verläuft die Testphase erfolgreich, könnte Daimler das Projekt weiterführen bzw. auf alle Mercedes-Fahrer ausbauen und später vielleicht sogar den MobiCoin an einer der vielen Kryptobörsen notieren lassen. Doch was springt für Daimler dabei heraus?

Daimler kann mit dem MobiCoin ein Bonus- und Treueprogramm umsetzen und damit Mercedes-Kunden langfristig an sich binden. Außerdem kann Daimler so indirekt für ein positives Image (ökologisches Fahren) rund um seine Marke sorgen.

Fazit: Daimler testet erste Anwendungsbereiche für die Blockchain

Die Blockchain ist für Daimler gleich in vielfacher Hinsicht interessant. Zum einen kann Daimler dadurch ein Treueprogramm umsetzen, zum anderen lässt sich die Blockchain auch in der Lieferkette hervorragend einsetzen, wenn es zum Beispiel um die Nachverfolgung von Bauteilen geht. Hierdurch könnte Daimler zum Beispiel sicherstellen, dass keine Teile oder Software nachträglich manipuliert wurden.

Auch beim Autonomen Fahren könnte die Blockchain und Kryptowährungen künftig eine wichtige Rolle spielen, wenn es um die Bezahlung von Dienstleistungen (Maut, Ladestrom etc.) geht. Daimler sammelt hier schon mal wichtige Erfahrungspunkte.

Kurzum: Kurzfristig gesehen dürfte der MobiCoin zunächst keine großen Auswirkungen auf Daimler und die Kursentwicklung der Aktie haben. Dennoch zeigen die verschiedenen Blockchain-Experimente der Autohersteller, dass die gesamte Branche vor einem grundlegenden Umbruch steht. Nur jene Autohersteller, die sich früh genug auf den Wandel vorbereiten, werden letztendlich später auch zu den Gewinnern zählen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands