Mode-Aktien: tendenziell launisch und spekulativ

Mode-Aktien sind ein schwieriges Feld. Mal geht es auf, mal extrem ab. Nach massiver Flurbereinigung schaffen nicht alle den Turnaround. (Foto: Arcansel / shutterstock.com)

Kleider machen Leute und Mode ist immer im Trend. Für Aktionäre aber gilt dies nur noch eingeschränkt. Waren vor etwa acht Jahren Mode-Aktien von Hugo Boss oder Gerry Weber der Renner, kam 2015 die große Flurbereinigung.

Bis auf wenige Ausnahmen rauschten die Kurse der Branche auf breiter Front in den Keller.

Erst angesagt, dann weg vom Fenster

Zwar ist das Modebewusstsein mit angesagten Marken ausgeprägt wie nie. Doch zum einen war die Textilbranche schon immer schwieriger als es die gefragten Labels vermuten lassen. Hinzu kommt, dass Mode-Aktien massiv unter dem zunehmenden Online-Handel leiden. Suchmaschinen im Internet schaffen totale Preistransparenz. Die einstigen Margen lassen sich so kaum mehr halten.

Die Präsenz in Ladengeschäften nimmt mit deren Verschwinden ab. In Nordamerika etwa macht eine Shopping-Mall nach der anderen zu. Im Kampf um Marktanteile, wo es meist darum geht, die Illusion von Individualität zu bedienen, musste sogar das vor wenigen Jahren total angesagte US-Unternehmen American Apparel im Herbst 2016 die Segel streichen – und verschwand vom Kurszettel.

Der immer schnellere und härtere Wettbewerb lässt auch die junge Marke Abercombie & Fitch ums Überleben kämpfen. Im Sommer letzten Jahres fiel der Kurs der Mode-Aktie auf einen historischen Tiefstand. Ein geplanter Investoreneinstieg war gescheitert. Seitdem versucht das Unternehmen, sich aus eigener Kraft aus dem Sumpf zu ziehen – und etliche Anleger hoffen auf eine Renaissance.

Radikal sparen und umbauen

Substanziell besser begründet ist die Hoffnung auf den Turnaround des eher biederen deutschen Unternehmens Adler. Die drastischen Sparpläne scheinen seit letztem Jahr zu greifen. Nach dem dramatischen Absturz der Aktie von gut 14 € auf unter 5 € zeigt sich eine zaghafte Erholung.

Deutlich besser konnte sich Tom Tailor erholen. Mit einem chinesischen Großinvestor, frischem Management verstärkter Online-Präsenz und zuletzt einer Kapitalerhöhung um 60 Mio. € gelang es, die Anleger vom neuen Konzept zu überzeugen. Das Papier konnte seit Juli 2017 von 3,2 € auf über 10 € zulegen.

Etwas besser noch sieht es beim Hugo Boss aus. Der im Mdax gelistete Herrenausstatter Hugo Boss aus. Zum leichten Plus von Umsatz und Gewinn tragen vor allem die USA und China bei. Nach gerade mal 48 € Mitte 2016 wurden wieder mehr als 71 € erreicht. Doch auch hier sollte man neue Kursziele mit Vorsicht genießen.

Gerry Weber wiederum ist seit Jahren ungebrochen auf Talfahrt und kämpft mit Umsatzrückgängen. Ebenso H&M. Die Schweden versuchen, immer neue Märkte weltweit zu erschließen, kommen aber mit hohen Preisnachlässen zu keinen vernünftigen Konzernergebnissen. Der Turnaround lässt auf sich warten. GAP aus den USA jedenfalls scheint kurz davor zu stehen. Auch Ralph Lauren ist endlich wieder in der Gewinnzone.

Solide Mode-Aktien

Eine Ausnahme ist Moncler aus Italien. Die unveränderte Konzentration aus hochwertige Textilien zahlt sich aus. Seit dem ohnehin weniger spektakulären Kurssturz von 2015 zog die Aktie um gut 110 % an. Bei Moncler sind die meisten Analysten positiv gestimmt.

Solide und stabil zeigt sich Inditex aus Spanien. Die Mutter vieler Marken wie Zara ist eines der größten Textilkonzerne weltweit und kann seit Jahren dem allgemeinen Negativtrend widerstehen. Zuletzt war der Umsatz auf 23,2 Mrd. € und der Überschuss auf 3,16 Mrd. € gestiegen. Die Aktie behauptet sich im EuroStoxx 50 bei über 26 € – mit leichten Zuwächsen.

Insgesamt sind Mode-Aktien ein schwieriges Feld. Sie zeigen schon traditionell außergewöhnliche Kurssprünge. Mal geht es auf, mal ab. Das wird wohl auch so bleiben. Wer jetzt auf einen günstigen Einstieg spekuliert, sollte sich die Zahlen und die Entwicklung ganz genau ansehen.

Etwas einfacher ist die Sache bei Adidas und Puma. Je nach Definition können auch die Sportartikel-Konzerne zur die Modebranche zählen. Adidas, der Favorit im Dax zeigt sich unverändert im grünen Bereich. Die letzten drei Jahre konnte das Papier über 186 % zulegen. Immerhin grob die Hälfte brachte die Aktie von Puma. Hier winkt eine satte einmalige Dividende von 12,50 €. Die reguläre Zahlung pro Aktie belief sich für 2017 auf 0,75 €.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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