Momo Aktie – Chinas Tinder startet durch

Dating-Apps erfreuen sich großer Beliebtheit, als einer der Hauptprofiteure gilt die chinesische Momo Aktie. (Foto: Denys Prykhodov / Shutterstock.com)

Die Dating-App Tinder gilt inzwischen als eine der erfolgreichsten Apps überhaupt. Im September 2012 auf den Markt gebracht, zählt die mobile Anwendung (App) inzwischen mehr als 46 Millionen Mitglieder weltweit. 5 % der gesamten Einwohner Australiens sollen inzwischen ein Tinder-Profil haben.

Zum Verständnis: Tinder ist eine App für das Smartphone bzw. Tablet, die flirtfreudige Nutzer zusammenbringt. Inzwischen hat Tinder mehr als acht Milliarden Treffen arrangiert und soll für über 300 Heiratsanträge verantwortlich sein.

Die App gehört zum Unternehmen Match Group, das neben Tinder noch zahlreiche andere Apps (PlentyOfFish, Meetic etc.) betreibt. Nicht zuletzt dank Tinder, kann sich die Performance der Match-Aktie durchaus sehen lassen, allein in den letzten 12 Monaten legte die Aktie um mehr als 180 % zu.

Ein ähnliches Konzept verfolgt inzwischen auch die chinesische Momo, dessen Aktie seit Jahresbeginn bereits um mehr als 50 % zugelegt hat. Aufgrund des ähnlichen Konzepts wird Momo oft auch als „Chinas Tinder“ bezeichnet. Doch was steckt wirklich hinter dem Unternehmen und welche Chancen bzw. Risiken ergeben sich für Anleger?

Momo Aktie – Was steckt hinter dem Unternehmen?

Bei Momo handelt es sich um ein in Peking ansässiges Social Media Unternehmen, das bislang eine App betreibt, über die sich Menschen treffen können. Ergänzt wird die Plattform durch Live-Musik und andere Entertainment-Inhalte, die auf der Momo-Plattform zur Verfügung stehen. Die Mobile App ist sowohl für das iPhone als auch für Android-Telefone und Windows-Plattformen verfügbar.

Das Jahr 2017 beendete Momo mit 99,1 Millionen aktiven Nutzern, ein Zuwachs von 22 % gegenüber dem Vorjahr. Allein im Abschlussquartal konnte das Unternehmen 4,7 Millionen neue Nutzer für seine Plattform hinzugewinnen.

Den Großteil seiner Einnahmen (85 %) erzielt Momo durch Live-Videoservices, für die das Unternehmen 4,3 Millionen zahlende Kunden verzeichnete. Der Umsatz dieser Sparte kletterte im Schlussquartal auf 328 Mio. US-$, bei einem Gesamtumsatz von 386,4 Mio. US-$. Der Jahresumsatz erreichte in 2017 1,32 Mrd. US-$, ein Zuwachs von 138 %. Momo ist bereits profitabel, unter dem Strich stand in 2017 ein bereinigter Nettogewinn von 368,2 Mio. US-$ zu Buche – ein Zuwachs von 108 % gegenüber 2016.

Übernahme von Tantan – Warum sich Momo auf den Dating-Markt konzentriert

Im Februar gab Momo für über 600 Mio. US-$  sowie 5,3 Millionen Klasse-A-Aktien die Übernahme von Tantan bekannt, der Zukauf soll im zweiten Quartal 2018 zum Abschluss kommen.

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Dazu müssen Anleger wissen, dass Tantan Chinas führende Dating-App ist. Laut Tantan tummeln sich auf der eigenen Dating-App rund 60 Millionen validierte Nutzer, wobei 6 Millionen Tantan-Nutzer täglich aktiv sind.

Tantan finanziert sich vor allem durch Mitgliedergebühren, wobei für VIP-Mitglieder zusätzliche Funktionen zur Verfügung stehen, ähnlich wie es bei Tinder Plus der Fall ist. Zudem will Tantan auch außerhalb von China wachsen. Tantan-Chef Wang Yu denkt hier vor allem an eine Expansion in Asien, insbesondere nach Indien und in südostasiatische Länder.

Markt für Online-Dating bleibt ein Wachstumsmarkt

Laut Angaben der Marktforscher aus dem Hause Pew Research Center ist der Markt für Online-Datingservices in den vergangenen Jahren stetig gewachsen. Im Jahr 2016 hat der Markt ein Volumen von 2,2 Mrd. US-Dollar erreicht, allein in China wurden mit derartigen Services bereits in 2016 rund 1,6 Mrd. US-$ umgesetzt.

Die Marktforscher gehen davon aus, dass dieser Markt auch in den nächsten fünf Jahren um rund 100 Mio. US-$ jährlich wachsen wird.

Fazit: Momo ist mehr als nur eine Dating-App

Momo gilt nach der Übernahme von Tantan als der führende Anbieter von Dating-Services in China und dürfte damit zu den Nutznießern des weltweiten Booms bei Dating-Portalen gehören.

Momo ist allerdings mehr als nur eine Dating-App. Das Unternehmen bereitet neue Video- und Audioprodukte wie zum Beispiel Momo Radio vor. Auch soziale Spiele für die Plattform sind in Planung, wodurch sich Momo unabhängiger vom bisherigen Geschäft mit Live-Videos machen will.

Die anstehenden Investitionen könnten die Gewinnentwicklung bei Momo kurzfristig belasten, dennoch sollten Anleger die Aktie von Momo und auch den Tinder-Mutterkonzern Match Group weiter im Auge behalten. Beide Unternehmen haben bereits bewiesen, dass sie in einem wachstumsstarken Markt Geld verdienen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands