MoneyGram Aktie übt den Befreiungsschlag

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Nachdem der Fintech-Star Ripple eingestiegen ist, befindet sich die MoneyGram Aktie im Aufwind. Ist noch mehr für Anleger drin? (Foto: chrisdorney / shutterstock.com)

Die MoneyGram Aktie konnte sich nach dem Ende der Finanzkrise nicht mehr richtig erholen. Wurden die Aktien des weltweit zweitgrößten Bargeldtransferdienstes in 2007 noch bei weit über 200 US-$ gehandelt, fiel das Papier im Sommer dieses Jahres auf ein Rekordtief bei unter 1,50 US-$.

Beobachter hatten den Western Union Konkurrenten schon abgeschrieben, doch dann kam die Wende. Der Fintech-Star Ripple hat sich im Sommer bei MoneyGram für 30 Mio. US-$ für 4,10 US-$ je Aktie eingekauft und sich damit 8 % bis 10 % der Anteile an MoneyGram gesichert. Seit Jahresbeginn liegt die MoneyGram Aktie um etwa 125 % im Plus. Steht die MoneyGram Aktie damit vor der Trendwende?

MoneyGram Aktie – Das steckt hinter dem Unternehmen

MoneyGram wurde ursprünglich bereits im Jahr 1940 gegründet. Die Gesellschaft entstand letztendlich durch die Fusion von Travelers Express und Integrated Payment Systems. MoneyGram ist die weltweite Nr. 2 hinter Western Union, wenn es um Geldüberweisungen ins Ausland (Remmittance Market) angeht. MoneyGram hält etwa einen Marktanteil von 5 % in diesem Markt.

Hierfür betreibt MoneyGram 350.000 Niederlassungen und 22.000 Zahlungskorridore in mehr als 200 Ländern weltweit. Gastarbeiter können MoneyGram zum Beispiel dazu nutzen, um ihren Familien im Heimatland Bargeld zukommen zu lassen. Online-Überweisungen sind in der Regel relativ günstig, erfolgt eine Bargeld-Auszahlung in einer der MoneyGram-Niederlassungen, müssen Kunden mit erheblichen Gebühren (5 bis 10 %) rechnen. 84 % der Überweisungen erfolgen bei MoneyGram in Cash (Bargeld), 16 % als digitale Überweisungen.

Laut Angaben der Weltbank wurden im Jahr 2018 weltweit 689 Mrd. US-$ Geldüberweisungen ins Ausland abgewickelt. Indien war dabei der größte Empfänger-Markt (79 Mrd. US-$), gefolgt von China (67 Mrd. US-$) und Mexiko (36 Mrd. US-$).

Partnerschaft mit Visa

Erst jüngst schloss MoneyGram eine Partnerschaft mit dem Kreditkartennetz-Betreiber Visa. Ab sofort können MoneyGram-Kunden auch Geld über das Debitkarten-System Visa Direct senden. Visa Direct erlaubt Zahlungen an über 1 Mrd. Karten weltweit.

Der Debitkarten-Service kostet 1,99 US-$ pro Einzahlung und erlaubt Kunden den Geldtransfer von einem Bankkonto auf eine verknüpfte Visa Debitkarte und zwar auch außerhalb von Banköffnungszeiten. Derzeit steht der Service nur US-Kunden zur Verfügung. Visa und MoneyGram wollen den Dienst aber auch in anderen Märkten außerhalb der USA anbieten.

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Die Probleme der Zahlungsindustrie

Anbieter wie Western Union aber auch MoneyGram litten in den letzten Jahren unter dem Strukturwandel der Branche. Neue Fintech-Unternehmen wie PayPal haben Zahlungen ins Ausland deutlich vereinfacht. Zudem können PayPal & Co diese Dienstleistungen zum Bruchteil der Kosten anbieten als MoneyGram & Co.

Das Problem der Branche ist, dass sowohl MoneyGram als auch Western Union Geld in der jeweiligen Landeswährung vorhalten müssen. Das bedeutet, beide Firmen müssen Geld vorstrecken, was dazu führt, dass beide Firmen mit einem negativ arbeitenden Kapital zu kämpfen haben.

Hier kommt Ripple ins Spiel. Durch die Partnerschaft mit Ripple und dessen xRapid-Plattform entfallen für MoneyGram diese Kapitalkosten. MoneyGram ist damit in der Lage Echzeit-Überweisungen mittels der Kryptowährung XRP durchzuführen, ohne Vorfinanzierungskosten zu haben. Die Überweisungen sind damit nicht nur günstiger, sondern auch deutlich schneller (Bestätigungszeit zwischen 3 und 4 Sekunden).

Fazit: MoneyGram reagiert auf den Strukturwandel, die Aktie profitiert

MoneyGram hat durch die Partnerschaft mit Ripple auf den Strukturwandel in der Branche reagiert. Das Unternehmen kann durch die Nutzung von Ripple-Produkten (xRapid, Kryptowährung XRP) deutliche Effizienzverbesserungen erzielen.

Diese Verbesserungen sind jedoch bereits im jüngsten Kursanstieg eingepreist. Ob sich MoneyGram auf Dauer gegen PayPal und andere Fintech-Spezialisten behaupten kann, wird sich erst in der Zukunft zeigen.

In jedem Fall dürfte der weltweite Auslandsüberweisungsmarkt in den nächsten Jahren weiter stark wachsen. Der Trend geht auch hier in Richtung Digitalisierung. Laut Zion Market Research dürfte der digitale Zahlungsmarkt von 1,9 Mrd. US-$ in 2018 auf 8,6 Mrd. US-$ im Jahr 2025 wachsen.

MoneyGram könnte von diesem Trend profitieren, hat das Unternehmen zuletzt die Weichen für die Digitalisierung mit der Ripple-Partnerschaft und einer neuen Mobile App gestellt. Dennoch sollten Anleger bedenken, dass der Turnaround bei MoneyGram noch nicht abgeschlossen ist, sondern erst am Anfang steht. Die MoneyGram Aktie ist daher nur für spekulativ orientierte Anleger interessant.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands