MTU Aktie: Boom in der Luftfahrt bringt Schub ins Depot

Die MTU-Aktie profitiert vom Boom in der Luftfahrt. Der Triebwerksbauer wird auch für den geplanten europäischen Kampfjet zuliefern. (Foto: Sergey Kohl / shutterstock.com)

Donald Trump mag den deutschen Unternehmen Sorgen bereiten, doch es gibt welche, die von seinem Kurs profitieren. Eines ist MTU. Hat sich die Aktie ohnehin prächtig entwickelt, kann es dem Münchener Triebwerkshersteller nur recht sein, wenn sich die Europäer auf eigene Stärken besinnen und ihre Verteidigung koordinieren müssen. Auf die Amerikaner scheint derzeit wenig Verlass.

MTU Aktie: ein Dauerbrenner

Und wenn etwa Deutschland den US-Kampfjet F-35 von Lockheed Martin anschaffen würde, um die Luftwaffe auf Vordermann zu bringen, hätten die Amerikaner die Hoheit über die im Flugzeug anfallenden Daten. Alles deutet darauf hin, dass stattdessen Airbus mit Dassault neue Jets entwickelt. MTU Aero Engines, so der volle Name, wird als Zulieferer im Boot sein.

Damit bleibt die MTU-Aktie auch für vorsichtige Anleger langfristig interessant. Das politisch gewollte Verteidigungsprojekt steckt erst in den Anfängen, serienreif wird es nicht vor 2035 sein. Dann aber zahlen sich die entsprechenden Anfangsinvestitionen aus.

Doch schon bisher läuft es rund bei MTU. Die Aktie, die über 10 Jahre 511 % zulegen konnte, brachte auch auf Jahressicht über 30 %. Dass es viel zu tun gibt, zeigt schon die Entwicklung beim Personal. Wurden bereits zu Jahresbeginn 200 neue Mitarbeiter eingestellt, sind nun erneut 500 nötig.

Gleich ob Airbus, Boeing oder McDonnel Douglas, MTU sorgt über Kooperationen nahezu überall in der Luftfahrt für Auftrieb. Turbinen werden in traditionell enger Zusammenarbeit etwa mit Rolls-Royce, Pratt & Whitney, General Electric und anderen hergestellt. Die Münchner liefern zentrale Module sowie Komponenten und sind auch bei der Wartung weltweit im Einsatz. In der Zivilsparte sind auch Industriegasturbinen Teil des Programms.

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Zweistelliges Wachstum

Im militärischen Bereich werden über Beteiligungen an den jeweiligen Firmen Turbinen für den Eurocopter Tiger, den A400M, den Tornado sowie den Eurofighter hergestellt. Rein in Deutschland ist MTU Systempartner der Bundeswehr bzw. Luftwaffe. Bis hier eine neue Flugzeuggeneration zum Einsatz kommt, wird noch einige Zeit vergehen.

Deshalb wird in der Militärsparte für 2018 ein weitgehend stagnierender Umsatz erwartet. Anders im zivilen Seriengeschäft, wo ein Umsatzplus von gut 30 % angepeilt wird. Etwa ein Drittel so stark dürfte der Bereich Wartung und Ersatzteile zulegen.

Mit der weltweit steigenden Zahl an Flugzeugen geht MTU die Arbeit nicht aus. Bereits in den vergangenen Jahren legten die Erlöse zweistellig zu. Die Dividende seit 2015 in gleicher Größenordnung – zuletzt um über 21 % auf 2,30 Euro pro Aktie.

Eine weniger kalkulierbare Größe ist das Verhältnis von Euro zum Dollar. Schließlich wird der Löwenanteil der Geschäfte auf Dollarbasis abgewickelt. Etwas Druck scheint aber von anderer Seite zu kommen: Ein weiterhin steigender Ölpreis dürfte mit der Luftfahrt zugleich Zulieferer wie MTU belasten. Mit dessen nahezu unentbehrlicher Stellung jedoch ist dies, zumindest auf mittlere Sicht, kein wirkliches Hindernis für die Aktie von MTU.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.