Nach langer Durststrecke: Sony erwartet höchsten operativen Gewinn

Telefone, Fernseher, Kameras, Computer oder die Playstation für Spiele – in Sachen Unterhaltung und Kommunikation ist kaum eine andere Marke so präsent wie Sony. Die Aktie des nach Hitachi und Panasonic drittgrößten japanischen Elektronikkonzerns bescherte ihren Anlegern in den letzten Jahren im Vergleich die mit Abstand größeren Zuwächse.

Sony-Aktie: Halten hat sich ausgezahlt

Auf Fünfjahressicht legte die Sony-Aktie im Frankfurter Handel um fast 269 % zu, und damit zugleich wesentlich stärker als etwa Samsung, das in vielen Bereichen Konkurrenz ist. Kostet die Sony-Aktie heute gut 34 €, war sie etwa Ende 2012 für nur 7,5 € zu haben. Zugreifen am Tiefpunkt hat sich gelohnt. Nur eben bedurfte es einer guten Portion Zuversicht.

Es war die Zeit dramatischer Einbrüche. Lag schon zuvor der Nettoverlust bei über 259 Mrd. Yen, waren es 2012 sogar 456,6 Mrd. Yen im Minus. Auch die Folgejahre brachten erhebliche Verluste, wenn auch nicht ganz so dramatisch. 2015 fiel sogar die Dividende aus. Der Riesenkonzern war dabei, sich komplett zu sanieren. Ab Mitte desselben Jahres gab die Aktie erneut kräftig nach. Zwei große Erbeben nacheinander hatten zu Produktionsausfällen geführt.

Seit 2016 geht es jedoch wieder bergauf. Bei etwas geringeren Umsätzen in Höhe von 8,1 Bio. Yen (61,3 Mrd. €) betrug der Nettogewinn ca. 147,8 Mrd. Yen. Im abgelaufenen Geschäftsjahr war es zwar nur halb so viel, doch für 2018 werden sogar 255 Mrd. Yen erwartet. Der ein operative Gewinn wird mit über 542 Mrd. Yen angegeben – der höchste Wert in 20 Jahren.

Sensoren, Handys und Playstation als Gewinnbringer

Die Film-Sparte liegt in der Verlustzone, wozu die Marketing-Ausgaben für den neuen Film „Spider Man“ beitragen. Doch die Hollywood Studios von Sony werden derzeit saniert. Während des Umbaus der lange verlustreichen Elektroniksparte mussten die im Konzern produzierten Sensoren für Smartphone-Kameras das Geschäft stützen. Nach einer Abkühlung am Markt kommt wieder Schwung auf. Bereits im Schlussquartal des abgelaufenen Jahres konnte der Umsatz um 36 % zulegen. Sony ist führender Lieferant in dem Bereich.

Aber auch bei eigenen Smartphones läuft es wieder rund. Vor allem zahlt sich der Fokus aufs obere Preissegment aus. Der operative Gewinn sprang von 400 Mio. Yen auf ganze 3,6 Mrd. Yen. Zentraler Gewinnbringer bleibt das Spielgeschäft, vor allem mit der Playstation 4. Das operative Ergebnis ist mit 22,5 Mrd. Yen über vier Mal so hoch, wie im Jahr zuvor. Leichte Absatzrückgänge im laufenden Jahr sind da zu verschmerzen.

Premium-Segment und digitales Heim

Und nun geht Sony in die Offensive bei Digitalkameras, die mehr können als solche, die in Smartphones eingebaut sind. Die neue RXO ist extrem leicht, bringt aber Bestleistungen und ist bruchsicher und wasserdicht. Gerade in Deutschland gibt es nach Konzernangaben die meisten Käufer für derartige Produkte.

Die Konzentration auf den Premium-Markt zeigt sich auch bei TV-Geräten. Der ebenfalls auf der Internationalen Funkausstellung (IFA) in Berlin vorgestellte OLED-Fernseher „Bravia A1“ verteilt den Klang über die gesamte Bildfläche von 77 Zoll. Sony gilt als Pionier der OLED-Technologie, mit der Bildschirme ohne Hintergrundbeleuchtung auskommen und deshalb extrem dünn sind. War die Technologie mit Leuchtdioden lange zu aufwendig und teuer, scheint nun ihre Zeit gekommen.

Ein weiterer Zukunftstrend, auf den Sony setzt, ist die digitale Vernetzung in Haus und Wohnung. Dazu gehört der neue 360-Grad-Lautpsrecher, der inklusive Mikrofon und Rechner mit dem Sprachassistenten von Google bestückt ist und allerlei Befehle ausführt – vom Informationsabruf bis zur Steuerung von Heizung oder Lichtanlage. Hier will Sony den Mitanbietern Amazon mit Echo und Apple mit Siri Konkurrenz machen.

Als nächsten Schritt hat Sony Chef Hirai bereits Synergien im Bereich Playstation und ihrer neue VR-Brille angekündigt. Inhalte mit virtueller Realität sollen passend in den eigenen Hollywood-Studios produziert werden – exklusiv für die Playstation.

Alles in allem trägt der Umbau bei Sony bereits Früchte, und der Konzern stellt die Weichen für die digitale Zukunft. Positiv hat sich das derweil auf die Dividendenrendite der Sony-Aktie ausgewirkt. Sie ist kräftig auf 0,81 % gestiegen. Und mit einem KGV von 16 ist sie gut bewertet.

12. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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