Nachhaltigkeit: Diese Dax-Konzerne haben leicht die Nase vorn

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Die Suche nach nachhaltigen Dax-Konzernen gestaltet sich als schwierig. In verschiedenen Rankings können derzeit Münchner Rück, SAP oder Henkel punkten. (Foto: create jobs 51 / Shutterstock.com)

Früher hieß es: Geld kennt keine Moral. Heute bemüht man sich zumindest, den gestiegenen ethischen Ansprüchen nach „westlichem“ Gesellschaftsverständnis gerecht zu werden. So achtet beispielsweise der Norwegische Staatsfonds schon länger auf nachhaltige Investments. Andere institutionelle Investoren schließen sich dem an. Auch unter deutschen Anlegern gewinnt dieses Kriterium zunehmend an Bedeutung. Nur, was sind denn etwa nachhaltige Dax-Konzerne?

Nachhaltigkeit ist gefragt, aber welche?

Immerhin hat sich schon der Begriff Nachhaltigkeit im Laufe der Zeit geändert. Ursprünglich bezeichnete er ein Wirtschaften, bei dem nicht mehr verbraucht wird, als künftig wieder bereitgestellt werden kann, nachwachsen kann sozusagen. Auf diese nüchterne Betrachtung folgten später ökologische und danach verschiedene soziale bzw. ethische Kriterien. Ressourcenschonung ist nur eine Sache.

Ebenso wichtig sind menschenwürdige Beschäftigungsverhältnisse nach gängigen Ordnungsvorstellungen. Das heißt etwa keine Kinderarbeit, geschlechtliche Gleichberechtigung, keine Korruption und anderes mehr. Orientiert man sich am Investitionsverhalten großer amerikanischer Fonds, so sind vor allem Waffen, Tabak oder Pornografie typische Tabubereiche. Mittlerweile ist angeblich rund ein Viertel aller weltweiten Anlagegelder nach verschiedenen nachhaltigen Kriterien investiert. Die Hälfte davon wiederum in Europa, womit man wieder aufs Thema nachhaltige Dax-Konzerne zusteuert.

Verkürzt gesagt geht es um umweltbezogene und soziale Verantwortung. Nachhaltige Konzerne im Dax sowie anderen Indizes dokumentieren dies in separaten Nachhaltigkeitsberichten, die den Bilanzen beigelegt werden. Der maßgebliche Reportingstandard nennt sich GRI, was für Global Reporting Initiative steht. Auf dieser Basis sind börsennotierte Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern seit Verabschiedung des Gesetzes zur Umsetzung der CSR Richtlinie 2017 gezwungen, ihre „nichtfinanziellen“ Engagements bzw. Selbstverpflichtungen darzulegen.

Gesetzliche Pflicht zur Darlegung „nichtfinanzieller“ Engagements

Wirklich transparent und griffig erscheint jedoch schon das Gesetz selbst nicht. So wird auf den offiziellen Publikationen nicht mal das Kürzel CSR erklärt, das im Englischen für Corporate Social Responsibility steht. Auch Unternehmensberater scheinen davon auszugehen, dass dies jeder kennt. Zumindest wird damit nun auch ein Unternehmen wie Fresenius mit der Tochter Medical Care zur Darstellung gezwungen. Die beiden haben sich der zuvor freiwilligen Darstellung nicht angeschlossen.

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Die bis zu 43 Unteraspekte in Sachen Nachhaltigkeit können übrigens der Übersichtlichkeit halber in einige Themenfelder komprimiert werden. Diese schlanke Version wird gerne genutzt. Allerdings geht einer Studie zufolge bereits die Hälfte der Unternehmen in der Dax-Familie dazu über, die erweiterte Version anzubieten: Die SDGs (Sustainable Development Goals) der Vereinten Nationen, die im Detail weit über das Regelwerk von GRI hinausgehen. Damit will man den gestiegenen Erwartungen der Investoren entgegenkommen.

Kaum nachhaltige Dax-Konzerne im internationalen Ranking

Nun sagt aber das Ganze noch nicht viel darüber aus, ob ein Dax-Konzern auch vom Markt als nachhaltig bewertet wird. Der viel beachtete Fachverlag für Ökologie ISS Oekom etwa veröffentlichte unlängst die besten Nachhaltigkeits-Unternehmen im Bereich Software und IT. Neben Microsoft und IBM befindet sich der Dax-Konzern SAP unter den ersten drei. In der Bewertung spielten unter anderem auch Arbeitsplatzsicherheit, Mitarbeiterwohlbefinden oder Inklusion eine Rolle.

Die aufs Thema spezialisierte Unternehmensberatung Kirchhoff wiederum sieht bei deutschen Konzernen Verbesserungsbedarf und hat als Orientierung einen Index erstellt, den „Good Company Ranking Index“. In deren Berechnung hat der Nachhaltigkeitsindex  auf zehn Jahre rückgerechnet um 40 Prozentpunkte besser abgeschnitten als der Dax. Im Index wird nach Nachhaltigkeitskriterien gewichtet. Damit liegt etwa Siemens hinter Henkel, das sich in der Sache anscheinend stark engagiert.

Dass Nachhaltigkeit mehr Performance bringt, ist international längst bekannt. Doch einen Dax-Nachhaltigkeitsindex mit Investmentmöglichkeit über Zertifikate oder ETF gibt es bislang nicht. In der Sache wird nur Internationales angeboten. Zum Beispiel der Solactive Global Sustainability Performance-Index. Die 20 Titel werden halbjährlich nach bestimmten Kriterien ausgewählt. Allerdings ist die Münchner Rück der einzige deutsche Vertreter. Selbst Oekom-Sieger SAP kommt nicht darin vor. Fazit: So sinnvoll Nachhaltigkeit auch ist, die Kriterien dafür sind umfangreich, uneinheitlich und oft wenig transparent. Ethik und Moral lassen sich zumindest bislang nur bedingt in Zahlen messen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.