Netflix Aktie auf Rekordkurs – neue EU-Richtlinie im Blick

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Netflix wächst vor allem im Ausland. Und die Netflix-Aktie bewegt sich derweil weiter auf Rekordniveau. (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

Auch wenn Netflix zuletzt seine Filme vom Cannes Filmfestival zurückzog, können sich der amerikanische Streaming-Anbieter und seine Anleger freuen.

Das erste Quartal 2018 konnte Netflix mit 125 Millionen Abonnenten weltweit beenden – ein neuer Rekord, die Erwartungen wurden wieder einmal übertroffen. Allein im jüngsten Quartal kamen 7,41 Millionen neue Kunden dazu, 50 % mehr als im Vorjahr.

Netflix-Aktie nach starken Kundenzuwachs auf Rekordkurs

Längst ist Netflix global aufgestellt. 50 Prozent des Umsatzes (3,7 Mrd. US-$ im ersten Quartal) kommt inzwischen aus dem Ausland, mehr als die Hälfte der Kunden (55 %) kommt aus Übersee und das internationale Kundenwachstum scheint sich weiter zu beschleunigen. Dies freut natürlich auch Anleger, denn der Kurs der Netflix-Aktie hat auf Jahressicht bereits um rund 100 % zugelegt und marschiert Richtung neues Rekordhoch, das im April bei über 330 US-Dollar lag.

Insbesondere in Europa scheint der Zuspruch zu Netflix ungebrochen. Die spanische Thriller-Serie „La Casa de Papel“ war zuletzt die am meisten gesehene, nicht englischsprachige TV-Serie bei Netflix. Zählte Netflix in Europa per Ende 2016 noch 19,7 Mio. Netflix-Abonnenten, dürfte die Zahl der europäischen Kunden bis zum Jahr 2022 die Marke von 32 Millionen Kunden überschreiten, glauben Marktforscher.

Werbung war gestern, Abo ist heute

Das Abo-Geschäftsmodell von Netflix setzt sich nicht nur in den USA, sondern auch in Europa immer mehr durch. Der Grund ist, dass sich insbesondere junge Menschen nicht mehr vorschreiben lassen wollen, was sie wann und wo zu sehen haben. Das jüngere Publikum ist lieber sein eigener Programmdirektor.

Gleichzeitig sind immer mehr junge Menschen genervt von der TV-Werbung, zumal die Abstände zwischen den Werbeblöcken immer kürzer werden (20 Minuten). Laxere Regeln beim Productplacement und die Erlaubnis, schnelle Spots auch während des Spielfilms zu zeigen, tun ihr Übriges, um die Zuschauerschar in die Arme von Netflix & Co zu treiben.

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Netflix reagiert auf neue EU-Richtlinie

Doch nicht nur die Abstände der Werbeblöcke reguliert die EU, auch wollen die Bürokraten in Brüssel Streaming-Anbieter weitere Vorschriften machen. Noch in diesem Jahr tritt voraussichtlich eine EU-Richtlinie in Kraft, die Netflix & Co vorschreibt, dass 30 % der Streaming-Inhalte auch auf dem europäischen Kontinent produziert werden müssen.

Um dieses Ziel zu erreichen, will Netflix-Chef Reed Hastings im nächsten Jahr 1,2 Mrd. US-$ für europäische Inhalte ausgeben, in 2020 sollen diese Ausgaben noch weiter steigen. Damit soll der Anteil an europäischen Produktionen am Streaming-Angebot von derzeit 20 % in 3 Jahren auf dann 30 % steigen.

Fazit: Netflix investiert weiter im großen Stil in Original-Inhalte

Der Vorstoß in Europa zeigt, dass Netflix nicht müde wird, im großen Stil in eigene Inhalte zu investieren. Allein in diesem Jahr steigt das Budget für Film- und TV-Inhalte auf 8,0 Mrd. US-$ – durch dieses Geld sollen nicht weniger als 700 neue TV-Serien- und Filmprojekte in 2018 entstehen, so Netflix-Finanzchef David Wells.

Damit wird deutlich, dass kleine und lokale Streaming-Anbieter immer weniger mit dem großen Platzhirsch Netflix konkurrieren können, wenn es um den Erwerb und die Produktion von Inhalten geht.

Ein Ende der Wachstumsstory von Netflix scheint damit vorerst nicht in Sicht. Vielmehr dürfte sich die Konzentrationswelle auch im Streaming-Bereich fortsetzen und schlussendlich 1 bis 2 Anbieter hervorbringen, die diesen Markt beherrschen. Netflix-Anleger wird’s freuen, denn damit scheint dem weiteren Wachstum in den kommenden Jahren nicht mehr viel im Weg zu stehen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands