Netflix-Aktie – Ende der Erfolgsstory?

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Die Netflix-Aktie stand zuletzt unter Druck. Steigende Schulden und ein negativer Cashflow sorgen für Sorgenfalten bei Anlegern. (Foto: Harry Wedzinga / shutterstock.com)

Netflix konnte im jüngsten Quartal zwar starke Zahlen vorlegen, dennoch waren viele Investoren nicht zufrieden. Nach anfänglicher Kurserholung setzte ein Abverkauf der Netflix-Aktie ein. Notierte die Netflix-Aktie zur Jahresmitte noch bei über 400 US-$, taumelte das Papier zuletzt in Richtung der 300-Dollar-Marke.

Dabei konnte Netflix zunächst durchaus überzeugen, denn die Zahl der Netflix-Abonnenten kletterte um weitere 7 Mio. Kunden auf über 137 Mio. Abonnenten. Der Umsatz zog um weitere 36 % auf 4,0 Mrd. US-$ an. Die Gewinnerwartungen der Analysten (68 US-Cent je Aktie) wurden mit 89 US-Cent je Anteil spürbar übertroffen.

Netflix-Aktie: Ende der Erfolgsstory?

Etliche Anleger fürchten dennoch das Ende der jahrelangen Erfolgsstory bei Netflix. Zwar kann der Online-Streaming-Anbieter nach wie vor ein starkes Kundenwachstum vorweisen, allerdings bleiben die steigenden Schulden (ca. 12 Mrd. US-$) und der negative Cashflow die Achillesferse von Netflix.

Der freie Cashflow summierte sich im jüngsten Quartal auf minus 859 Mio. US-$ – ein neuer Negativrekord. Der freie Cashflow zeigt an, wie viel Geld tatsächlich im Unternehmen hängen bleibt. Und an dieser Stelle ist derzeit wenig Entspannung in Sicht. Denn Netflix-Chef Reed Hastings will weiter kräftig investieren.

Netflix rüstet sich für den Wettbewerb mit Disney

Nach 8 Mrd. US-$ in 2018, sollen die Content-Ausgaben (Ausgaben für TV-Inhalte) auch in 2019 kräftig steigen. Analysten schätzen das Content-Budget von Netflix im nächsten Jahr auf rund 10 Mrd. US-$.

Daher erwartet das Netflix-Management, dass sich der negative freie Cashflow auch im Jahr 2019 zwischen minus 3 Mrd. und minus 4 Mrd. US-$ bewegen wird – auf demselben Niveau wie 2018.

Das aggressive Investitionsvorhaben kommt nicht von ungefähr. Nicht nur, dass sich Netflix gegen den aufstrebenden Video-Dienst von Amazon (Amazon Prime Video) behaupten muss, auch Walt Disney will im nächsten Jahr mit einem eigenen Video-Streaming-Dienst in den Ring steigen.

Disney+ soll im Jahr 2019 starten und Kunden vor allem den Zugang zu Disney-, Marvel- und Star-Wars-Filmen bieten. Im Gegenzug wird Walt Disney seine Inhalte im nächsten Jahr von der Netflix-Plattform nehmen.

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Die nächsten 100 Mio. Kunden sollen aus Indien kommen

Um den Wettbewerbswettlauf mit Disney zu gewinnen, setzt Netflix nicht nur weiter auf Original-Serien, sondern verstärkt auch auf lokale Inhalte. Große Hoffnungen setzt Netflix dabei auf den indischen Markt, wo man seit 2 Jahren am Start ist.

Im Juli gelang Netflix hier mit der Veröffentlichung des Thrillers „Sacred Games“ mit Bollywood-Schauspieler Saif Ali Khan ein Achtungserfolg. Netflix-Chef Reed Hastings verwies auf die 1,4 Mrd. Einwohner in Indien – ein gigantischer neuer Markt für den Streaming-Anbieter. Hier hofft Netflix auf die nächsten 100 Mio. Abonnenten. Diese werden aber nicht über Nacht kommen, warnt Netflix-Finanzchef David Wells. Tatsächlich dürfte Netflix in Indien derzeit rund 0,5 Mio. Kunden zählen, schätzen die Marktforscher bei IHS Market.

Fazit: Noch kein Ende der Erfolgsstory bei Netflix in Sicht

Auch wenn viele Investoren die aktuelle Bilanz von Netflix kritisch sehen: Ein Ende der Erfolgsstory von Netflix ist derzeit nicht in Sicht. Vielmehr dürfte der Streaming-Anbieter auch in den nächsten Jahren weiter kräftig wachsen.

Tatsächlich bietet insbesondere der indische Markt für Netflix viel Potenzial. Marktforscher aus dem Hause Media Partners Asia gehen davon aus, dass der indische Online-Videomarkt von 700 Mio. Dollar in 2018 auf 2,4 Mrd. US-$ in 2023 wachsen wird.

Um von diesem Wachstum zu profitieren, muss Netflix weiter investieren. So ist es wenig überraschend, dass Netflix erst vor wenigen Tagen 17 neue Original-Produktionen für Asien vorgestellt hat. Die TV-Serien und Filme sollen in Japan, Taiwan, Thailand, Indien und Südkorea produziert werden.

Die aggressive Investitionsstrategie von Netflix hat sich in den vergangenen 5 Jahren als richtig erwiesen und die Netflix-Aktie um über 1.000 % steigen lassen. Dennoch ist dies natürlich kein Garant, dass diese Strategie auch künftig funktioniert.

Zumindest aber die Analysten aus dem Rating-Haus Moody`s glauben, dass die Strategie von Netflix aufgehen wird. Trotz steigender Schulden hob die Rating-Agentur das Kredit-Rating von Netflix im Frühjahr 2018 von Ba3 auf B1 an. Bei Moody`s glaubt man, dass Netflix bis 2022 einen positiven Cashflow erwirtschaften wird.

Dennoch müssen sich Anleger auf einen weiter volatilen Netflix-Aktienkurs einstellen, zumal noch nicht klar ist, wann Netflix genau einen positiven Cashflow erwirtschaften kann und wie die Kunden auf das Konkurrenzangebot von Disney im nächsten Jahr reagieren.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands