Netflix: Preiserhöhung führt zu Kurssprung – doch warum?

Netflix Logo RED_shutterstock_1054927745_Kaspars Grinvalds

Die Netflix-Aktie zog zuletzt kräftig an. Anleger jubeln über die Preiserhöhung, die Netflix mehr Spielraum verschafft. (Foto: Kaspars Grinvalds / shutterstock.com)

Die Netflix-Aktie gehörte am Vortag mit einem Kurssprung von rund 6,5 % zu den Hauptgewinnern an der Technologiebörse Nasdaq. Ursächlich für den massiven Preissprung dürfte die Ankündigung von Netflix sein, die Abo-Preise für Kunden in Amerika zwischen 13 und 18 % erhöhen zu wollen.

Dadurch wird das monatliche Netflix-Abo zwar teurer, gleichzeitig kann Netflix damit seine steigenden Kosten etwas abfedern, wodurch unter dem Strich höhere Gewinne winken.

Netflix erhöht die Preise – das müssen Anleger und Kunden wissen

Mit sofortiger Wirkung steigen die Preise für US-Kunden und zwar in allen 3 angebotenen Tarifen. Der Basistarif in den USA kostet künftig 1 US-$ mehr – statt 8 künftig 9 US-$ im Monat. Der populäre HD-Tarif schlägt künftig mit monatlichen Kosten von 13 US-$ zu Buche, statt bislang 11 US-$. Die Preise für den 4K-Premium-Tarif, in dessen Rahmen Netflix-Abonnenten Filme und Serien mit 4K-Auflösung genießen können, steigt von 14 auf 16 US-$.

Die Preise steigen damit für US-Kunden zwischen 13 und 18 %, die größte Preiserhöhung seit dem Start des Streaming-Dienstes vor 12 Jahren. Die neuen Preise gelten zunächst für Neukunden, Bestandskunden werden in den nächsten 3 Monaten schrittweise in die das neue Preismodell überführt.

Neue Preise auch in Deutschland getestet

Die Preise gelten zunächst hauptsächlich für US-Kunden von Netflix, doch auch in anderen Ländern wie in Deutschland und in Lateinamerika (Mexiko, Brasilien etc.) und der Karibik testet Netflix ebenfalls das neue Preismodell.

Anleger und Kunden können damit rechnen, dass Netflix auch in anderen Ländern auf lange Sicht höhere Preise einführen wird.

Netflix-Aktie mit Kurssprung – die Gründe

Wie bereits zuvor erwähnt, erleichtern die Preiserhöhungen die Finanzierung des umfangreichen Inhaltsangebots von Netflix. Ursprünglich wollte Netflix im Jahr 2018 rund 8 Mrd. US-$ für Inhalte ausgeben. Die tatsächlichen Ausgaben für Filme und Serien dürften sich nach Berechnungen des The Economist jedoch bereits im Jahr 2018 auf 12 bis 13 Mrd. US-$ summiert haben.

Netflix RED – shutterstock_1051516433

Ist die Netflix-Aktie jetzt ein Schnäppchenkauf?Einer der großen Kursgewinner des laufenden Börsenjahres hat inzwischen -16% von seinem Allzeithoch verloren. › mehr lesen

Auch im laufenden Jahr 2019 dürfte sich das Content-Budget auf einem ähnlich hohen Niveau bewegen bzw. sogar weiter leicht steigen. Um diese Kosten zu decken, waren zuletzt Preiserhöhungen unvermeidlich.

Dafür erhalten Netflix-Kunden aber auch einen Gegenwert. Für 2019 sind 90 Filme geplant, zudem sind nicht weniger als 700 neue Original bzw. lizenzierte TV-Serien vorgesehen. Dies ist besonders wichtig, da mehr als 90 % der Netflix-Kunden regelmäßig Original-Programme auf Netflix sehen, die anderswo nicht zu bekommen sind.

Fazit: Netflix rüstet sich für den schärferen Wettbewerb

Mit den jüngsten Preiserhöhungen rüstet sich Netflix für den schärferen Wettbewerb in der Branche, nachdem auch andere Anbieter wie Disney in diesem Jahr mit einem eigenen Streaming-Angebot an den Start gehen wollen. Gleichzeitig verschafft sich Netflix dadurch mehr Handlungsspielraum.

Für viele Netflix-Kunden dürfte es keine große Rolle spielen, ob das monatliche Abo 1 oder 2 US-$ teurer ist. Netflix bietet inzwischen ein umfangreiches Inhaltsangebot bestehend aus vielen Original-Serien und lizenzierten Inhalten, wodurch sich trotz der jüngsten Preiserhöhung das Abo-Wachstum wohl weiter fortsetzen wird.

Finanziell dürfte Netflix im Zuge der Preiserhöhung besser aufgestellt sein, wenngleich Anleger auch in den nächsten Jahren weiter mit einem negativen Cashflow rechnen müssen. Auch müssen Anleger damit rechnen, dass Netflix seine Ausgaben für Serienproduktionen auch in den nächsten Jahren weiter hochfahren wird. Die Analysten bei Goldman Sachs schätzen, dass Netflix im Jahr 2022 bis zu 22,5 Mrd. US-$ für Inhalte (Filme, TV-Serien) ausgeben wird.

Nach dem jüngsten Kurssprung sind bereits viele positive Nachrichten im aktuellen Kurs eingepreist, daher wäre eine kurzfristige Konsolidierung im Netflix-Aktien keine große Überraschung. Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Netflix auch im vierten Quartal 2018 mehr Kunden gewinnen konnte als erwartet – sonst hätte sich das Management nicht für eine so deutliche Preiserhöhung entschieden.

Unter dem Strich bleibt die Netflix-Aktie ein sehr interessanter Wert für spekulativ orientierte Anleger, die vom Internet-TV-Boom profitieren wollen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands