Netto Cashflow: So liquide ist ein Unternehmen

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Der Netto Cashflow gibt an, wie viel liquide Geldmittel ein Unternehmen hat. Für Anleger ist die Kennzahl wichtig für die Unternehemsanalyse. (Foto: dominic8 / Shutterstock.com)

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Im Rahmen einer Unternehmensanalyse gibt der Cashflow Auskunft über die tatsächlichen Gewinne, die ein Unternehmen aus seiner Geschäftstätigkeit heraus erwirtschaftet hat. In diesem Zusammenhang macht der Cashflow eine Aussage darüber, wie weit ein Unternehmen Investitionen tätigen kann, ohne dafür auf Fremdkapital zurückgreifen zu müssen.

Auch wie viel Geld für die Ausschüttung einer Dividende an die Aktionäre vorhanden ist oder wie viele Mittel zur Schuldentilgung dem Unternehmen zur Verfügung stehen, kann durch den Cashflow ausgedrückt werden. Er ist eine Maßgröße für die Innenfinanzierungskraft eines Unternehmens.

Brutto und Netto Cashflow

Es gibt verschiedene Arten des Cashflows. Einer davon ist der Brutto Cashflow. Seine Berechnung ist verhältnismäßig simpel. Hierfür wird der Jahresüberschuss, beziehungsweise der Fehlbetrag von langfristigen Rückstellungen und eventuellen Rücklagepositionen berechnet.

Der Netto Cashflow – auch Net Cashflow genannt – ist eine um Finanzierungskosten, Rücklageveränderungen und Steuerzahlungen bereinigte Kennzahl. Diese Kennzahl gibt an, wie viel Geld ein Unternehmen in Umlauf bringt. Ermittelt wird der Netto Cashflow häufig für eine Liquiditätsanalyse.

Netto Cashflow: Kennzahl für Liquiditätsanalyse

Der Netto Cashflow zeigt, wie viel Geld ein Unternehmen nach laufender Geschäftstätigkeit unterm Strich erwirtschaftet hat. Um nun den Wert des Unternehmens zu bestimmen, werden die künftigen Cashflows auf einen aktuellen Wert abgezinst. Dieses Diskontieren gibt dem Verfahren seinen Namen: Discounted Cashflow-Modell.

Gundsätzlich ist der Cashflow eine Kennzahl, die mehr über ein Unternehmen aussagt als der reine Bilanzgewinn. Er zeigt das, was nach Einnahmen und Ausgaben unterm Strich übrig bleibt. Und das steht für die Ertragskraft eines Unternehmens.

Weder Cashflow noch Netto Cashflow entsprechen dem Bilanzgewinn. Während zum Beispiel Abschreibungen den Gewinn mindern, wirken sie sich aber nicht auf den reinen Zahlungsstrom aus. Eine Bilanz kann durch einige Faktoren wie auch durch Rückstellung beeinflusst und beschönigt werden.

Die Berechnung des Cashflows hingegen ist eindeutig und nicht manipulierbar. Anhand der verbuchten Zahlen in der Gewinn- und Verlustrechnung lässt sich der Cashflow mit der indirekten Methode berechnen. Diese wird üblicherweise angewendet.

Interpretation: Was das Ergebnis der Berechnung aussagt

Da bei der Berechnung des Cash Flow nur die wirklichen Zahlungsströme betrachtet  bzw. zahlungsunwirksame Vorgänge ausgeschlossen werden, zeigt das Ergebnis an, was tatsächlich an Geld am Ende des Geschäftsjahres im Unternehmen erwirtschaftet wurde. Man nennt dies auch die Innenfinanzierung.

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Aufgrund des Cash Flow lässt sich erkennen, inwieweit ein Unternehmen in der Lage ist, Kredite zurückzuzahlen oder auch Neuanschaffungen ohne die Aufnahme von Fremdkapital zu finanzieren.

Netto Cashflow: Berechnung zeigt Veränderungen im Detail

Der Brutto Cashflow ist im weiteren Sinne umfassender, denn er enthält auch zahlungsunwirksame Änderungen. Anders beim Netto Cashflow. Er bezieht sich rein auf zahlungswirksame Ein- und Auszahlungen.

Der Netto Cashflow berechnet sich als die tatsächliche Veränderung der liquiden Mittel, sprich Geld. Bei seiner Berechnung werden alle Zahlungsströme aus operativer Geschäftstätigkeit, dem Investitions- und Finanzierungsgeschehen berücksichtigt. In anderen Worten: Der Netto Cashflow ist die Summe der Cashflows aus operativem Geschäft, Investitionstätigkeit und Finanzierungen.

Der Brutto Cashflow verdeutlicht lediglich die Veränderungen des Finanzmittelbestands. Der Netto Cashflow hingegen zeigt die Differenz zwischen vorhandenen Finanzmitteln und Finanzschulden. Und die ist für die Beurteilung eines Unternehmens wesentlich aussagekräftiger.

Der Netto Cashflow ist aussagekräftiger für die Beurteilung von Unternehmen

Mit der Berechnung des Netto Cashflows können Aktionäre, aber auch Banken, das Potenzial der Innenfinanzierung exakt erkennen. Der Netto Cashflow gibt Antwort auf die Frage, ob und inwieweit das Unternehmen Geld zur Dividendenausschüttung oder zum strategischen Ausbau hat.

Reicht der Netto Cashflow nicht für den weiteren Ausbau des Unternehmens, muss eventuell mehr Fremdkapital aufgenommen werden. Übersteigt dieser Finanzbedarf den Bestand an verfügbarem Geld, so wird der Netto Cashflow negativ. In Bezug auf Fremdkapitalgeber geht es zudem um die Frage, ob und wie ein Unternehmen Kapital zurückführen kann.

Dabei spielt nicht nur die absolute Kredithöhe eine Rolle, sondern auch, wie viele Jahre zur Abzahlung eines Kredits benötigt werden. Hier gibt der Netto Cashflow Auskunft. Und zwar in der Form, dass bei der Berechnung das Fremdkapital durch den Net-Cashflow dividiert wird. Das Ergebnis ist die Anzahl der Jahre.

Sinkt im Laufe der Zeit der Netto Cashflow im Verhältnis zum Fremdkapital, so verlängert sich die Zeit der Rückzahlung. Aus Sicht des Unternehmens würde sich dann die Frage stellen, ob eine Reduzierung des Anlage- bzw. Umlaufvermögens nötig ist, um Fremdkapital abzubauen.


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David Gerginov
Von: David Gerginov. Über den Autor

David Gerginov publizierte unter anderem zum Thema Schuldenbremse und beschäftigt sich heute mit allen Fragen rund um Wirtschaft, Politik und Finanzen.