Neue Kryptowährung Bitcoin Cash – Was steckt dahinter?

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Seit August gibt es mit Bitcoin Cash eine neue Kryptowährung. Doch was ist der Unterschied zum Bitcoin? (Foto: Valeri Potapova / Shutterstock.com)

Am 1. August kam es auf der Bitcoin-Blockchain zu einer Abspaltung aus der die neue Kryptowährung Bitcoin Cash hervorging. Bei vielen Anlegern löste dieser Vorgang Diskussionen aus, ob derartige Abspaltungen wirklich sinnvoll sind oder eher zur Konfusion unter Anlegern beitragen.

Denn viele Krypto-Neulinge stellten sich dabei die Frage, welche Blockchain nun eigentlich den wahren Bitcoin repräsentiert. Doch dazu zunächst ein Blick auf die neue Kryptowährung Bitcoin Cash.

Warum Bitcoin Cash?

Zunächst stellt sich die Frage, warum die Entwickler das Projekt überhaupt gestartet haben. Hintergrund ist die anhaltende Skalierungsdebatte im Bitcoin-Universum. Zuletzt konnten auf der Bitcoin Blockchain nur etwa 7 Transaktionen in der Sekunde verarbeitet werden. Das Bitcoin-Netz stieß damit schnell an seine Grenzen.

Zum Vergleich: Das Kreditkartenunternehmen Visa wickelt im Schnitt 150 Millionen Transaktionen pro Tag ab, was in etwa 1.700 Transaktionen pro Sekunde entspricht. Theoretisch ist Visa in der Lage, maximal rund 24.000 Transaktionen pro Sekunde abzuwickeln, was im Weihnachtstrubel oft hilfreich ist.

Die Engpässe auf der Bitcoin-Blockchain führten in den letzten Monaten dazu, dass zeitweise mehr als 100.000 Bitcoin-Transaktionen auf ihre Bestätigung warten mussten. Diese Skalierungsprobleme haben wiederum zu steigenden Transaktionskosten im Bitcoin-Netz geführt. Genau diese Probleme wollen die Entwickler mit Bitcoin Cash angehen.

Bitcoin vs. Bitcoin Cash: Das sind die Unterschiede?

Während das Kern-Entwicklerteam von Bitcoin Core diese Skalierungsprobleme durch SegWit (Segregated Witness) und das Lightning Network lösen will, setzen die Bitcoin Cash Entwickler auf einen anderen Ansatz: größere Blöcke.

Dies bedeutet: Während der klassische Bitcoin die Blockgröße von 1 Megabyte (MB) beibehalten hat und stattdessen mit SegWit die Transaktionssignaturen ausgelagert hat, um mehr Transaktionen in einem Block unterzubringen, setzt Bitcoin Cash auf größere Blöcke (8MB). Damit stellt sich stark vereinfacht folgendes Bild dar:

  • Bitcoin: SegWit aktiviert + Blockgröße 1MB = 12 bis 14 Transaktionen pro Sekunde
  • Bitcoin Cash: kein SegWit + Blockgröße 8MB = 36 bis 56 Transaktionen pro Sekunde
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Durch die größeren Blöcke erhoffen sich die Entwickler hinter Bitcoin Cash nicht nur geringere Transaktionskosten, sondern auch eine höhere Effizienz und schnellere Bestätigungen der Transaktionen.

Das sind die Pläne für 2018

Um mehr Stabilität in das Netzwerk zu bringen, haben die Entwickler hinter Bitcoin Cash im November eine weitere Anpassung (Implementierung von mathematischen Formeln) vorgenommen, um die Blockintervalle zu stabilisieren. Gleichzeitig kündigten die Entwickler hinter Bitcoin Cash weitere Änderungen für 2018 an.

Demnach sollen sowohl am 15. Mai und am 15. November 2018 zwei weitere Anpassungen folgen, bei denen jeweils die Blockgröße weiter angehoben werden soll. Zudem soll eine effizientere Anordnung der Transaktionen folgen, die es ermöglicht, Transaktionen noch schneller abzuwickeln. Ferner planen die Entwickler den Schwierigkeitsalgorithmus (Difficulty Adjustment) beim „Schürfen“ der Kryptowährung weiter zu optimieren.

Fazit: Bitcoin Cash wird den Bitcoin eher nicht ablösen

Zwar ist Bitcoin Cash mit einer Marktkapitalisierung von über 22 Mrd. US-$ inzwischen die drittgrößte Kryptowährung am Markt, die Vormachtstellung des Bitcoins (Marktkapitalisierung ca. 250 Mrd. US-$) wird Bitcoin Cash aller Voraussicht nach aber nicht gefährden können.

Der Grund: Bitcoin Cash löst die Skalierungsprobleme der Bitcoin-Blockchain nur kurzfristig, zudem bringen größere Blöcke auch Nachteile mit sich. So wird die Blockchain viel schneller sehr viel größer, damit steigen auch die Hardware-Anforderungen.

Das Entwicklerteam hinter Bitcoin Core strebt hingegen eine langfristige Lösung des Skalierungsproblems mithilfe des Lightning Networks an. Dies bedeutet: Nicht mehr jede Transaktion soll auf der Blockchain eingetragen werden, wodurch das Bitcoin-Netz entlastet und deutlich effizienter und auch schneller werden (Theorie: 1 Million Transaktionen pro Sekunde) soll.

Anleger sollten generell beachten, dass es sich bei Investments in Kryptowährungen stets um ein Hochrisikoinvestment handelt. Hohe Kursgewinne gehören ebenso zur Tagesordnung wie hohe Verluste.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands