Neue Zinspolitik der US-Notenbank: Das sind die Nutznießer

Nach wie vor läuft es rund an den Aktienmärkten. Die Weltwirtschaft präsentiert sich in guter Verfassung und die starken Rahmendaten werden zunehmend als nachhaltig beurteilt. Nicht nur der Dow Jones und der S&P 500 eilen von einem Rekord zum nächsten. Auch der Dax sowie der globale Index MSCI World erklimmen neue Höhen.

Zinspolitik der Fed mit Folgen 

Der nun seit Ende der Finanzkrise anhaltende Aufwärtstrend ist eine der Folgen der Zinspolitik der Fed. Die US-Notenbank hatte damals ihre Anleihekäufe ausgeweitet und die Zinsen drastisch gesenkt. Nach dem Ende des Quantitative Easing wurden sie vorsichtig angehoben. Die Fed-Chefin Janet Yellen bemühte sich, Irritationen und Schwankungen an den Märkten zu vermeiden.

Zehnjährige US-Staatsanleihen bringen derzeit bis zu 2,2 % Rendite, was moderat ist und noch keine Konkurrenz zu Aktien darstellt. Auch hielt sich die Stärke des US-Dollars bisher in Grenzen. Davon profitieren nicht zuletzt Länder, die auf Dollarbasis verschuldet sind. Nun aber steigt der Druck. Die robuste Konjunktur erfordert es, dass weitere Anhebungen in der Zinspolitik der Fed folgen. Der nächste Schritt ist im Dezember geplant.

Bei der Rückkehr zur geldpolitischen Normalisierung ist die Fed der EZB ein gutes Stück voraus. Doch das bislang behutsame Vorgehen könnte in eine entschlossenere Gangart übergehen, wenn die Fed-Chefin Anfang 2018 abgelöst wird. Schon jetzt zeigt die Unklarheit über ihre Nachfolge und die weitere Zinspolitik der Fed Folgen: Der Dollar legte nach jüngsten Personalspekulationen kräftig zu.

Wer wird neuer Notenbank-Chef?

In der engeren Auswahl sind: der Ex-Fed-Banker Kevin Warsh, der Wirtschaftsberater Gary Cohn, Fed-Direktor Jerome Powell und der Wirtschaftsprofessor John Taylor. Während etwa Cohn zugunsten einer starken Konjunktur etwas mehr Inflation in Kauf nehmen dürfte, gilt Warsh als Verfechter einer straffen Geldpolitik und hoher Leitzinsen.

Im letzteren Fall hätte eine striktere Zinspolitik der Fed zur Folge, dass Geld aus den Aktienmärkten abgezogen wird. Dem wiederum könnten neue Wirtschaftsimpulse entgegenwirken, die sich eventuell durch Trumps Steuerreform ergeben. Allerdings sind weder der genaue Zeitpunkt noch die Finanzierung des Projektes geklärt.

US-Banken profitieren

Bei aller Unsicherheit ist mit höheren Zinsen und einem stärkeren Dollar zu rechnen. Von steigenden Zinsen wird der Bankensektor profitieren. US-Banken sind ohnehin bereits auf Erfolgskurs. Die Zahlen zum dritten Quartal des Jahres übertrafen alle Prognosen. Aktien von JP Morgan oder Bank of America legten zuletzt kräftig zu.

Papiere von Deutsche Bank und Commerzbank indes treten wieder mehr oder weniger auf der Stelle. Die deutschen Kreditinstitute sehen sich gegenüber amerikanischen Banken im Nachteil und pochen erneut auf eine Zinsanhebung durch die EZB. Dass die auf sich warten lässt, kommt eher der europäischen Exportwirtschaft zugute. Ein stärkerer Dollar gegenüber der Gemeinschaftswährung wird für weiteren Auftrieb sorgen.

Der Effekt dürfte die Aktien exportstarker Konzerne zumindest dann stützen, wenn die Vorgaben der US-Börsen aufgrund steigender Mittelabflüsse in höher verzinste Anleihen schwächer werden. Sollte indes die Zinspolitik der Fed überraschend weniger strikt verlaufen, wäre bei einer steigenden Inflation wieder Gold mehr gefragt.

2. November 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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