Neuer Chef: Das ändert sich bald bei Daimler

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Der künftige Daimler-Chef Ola Källenius setzt für den anstehenden Konzernumbau auf mehr Entschlussfreude, Neugier und Schnelligkeit. (Foto: Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com)

Dass Autohersteller verschiedene Marken im Portfolio haben, ist bekannt. Bei Daimler allerdings ist der bisherige Chef selbst eine Marke. Wie kaum ein anderer sticht Dieter Zetsche schon als Erscheinung hervor: Weißer Schnauzbart, Turnschuhe, Jeans, Jackett und offenes Hemd – Zetsche gibt sich als moderner Macher, der schon mal im T-Shirt mit dem markigen Aufdruck „Do Epic Shit!“ auftritt.

Källenius löst im Mai Daimler-Chef Zetsche ab

Den Slogan, „etwas geiles, großartiges“ machen zu wollen dürfte der künftige Daimler-Chef eher in konventionellerer Wortwahl formulieren. Ola Källenius, ein zum Schwaben gewordener Schwede, mag es lieber souverän, höflich und unspektakulär. Auf Anhieb wirkt er stets freundlich aber weniger verschmitzt und unterscheidet sich von seinen Vorgängern dadurch, dass er kein Ingenieur ist.

Källenius hat in Stockholm und St. Gallen BWL studiert und ist seit rund 20 Jahren bei Daimler groß geworden. Nach der Vertriebsleitung von Mercedes Cars ist er seit Januar 2017 für Forschung und Entwicklung der Autosparte verantwortlich. Ab Mai nächsten Jahres wird der 49-Jährige Zetsches Nachfolger. Der bisherige Daimler-Chef wiederum wird mit seinen 65 Jahren bis 2021 eine Zwangspause einlegen, um dann in den Aufsichtsrat zu wechseln.

Als der anstehende Wechsel Ende September bekannt wurde, gab der Aktienkurs um gut 2 % nach. Immerhin war es Zetsche, der ab 2007 den angerosteten Mercedes Stern wieder aufpolierte, als BMW an Daimler vorbeigezogen war. Er beendete die verunglückte Fusion mit Chrysler, führte den Konzern aus der Flaute der Finanzkrise, eroberte neue Käuferschichten und brachte ihn 2016 wieder an die Weltspitze der Premium-Hersteller.

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Der Mann für den Konzernumbau

Nun geht es darum, das gesamte Unternehmen von Grund auf umzubauen und in drei selbständige Einheiten aufzuteilen: PKW und Vans, LKW und Busse sowie Finanzdienstleistungen. Derartige Aufgliederungen kommen bei Investoren derzeit an. Siemens ist gerade dabei. Mit dem Umbau soll  sich der Konzern wendiger und besser auf die Veränderungen der gesamten Autobranche anpassen. Und Källenius soll hier von Anfang an das Ruder übernehmen.

Dies ist schon eine Weile bekannt, weshalb es innerhalb des Konzerns zahlreiche geäußerte Einschätzungen zu seinen Qualitäten gibt. Zunächst hat sich der Nicht-Ingenieur in der Belegschaft einen guten Ruf und Wertschätzung erarbeitet. Er gilt als freundlich im Ton, fair im Umgang, aber hart in der Sache. Zugleich ist er entscheidungsfreudig und setzt Ideen blitzschnell um. Zur neuen Konzernstruktur passt, dass er auf viel Eigenverantwortung der Mitarbeiter setzt.

Schneller, wendiger, risikofreudiger

Was dem Top-Manager bislang fehlt, sind nachweisliche Erfolge und Duftmarken etwa durch Sanierungen, Sparprogramme oder irgendwelche Rekorde. Dafür hat er kürzlich eine „neue Führungskultur“ angekündigt. Es gelte, bei Entscheidungen das Rationale und Emotionale zu verbinden. Bauchgefühle haben seiner Meinung nach aber immer noch ihren Stellenwert. Ganz einfach weil reines Fachwissen immer kurzlebiger werde.

Entscheidender seien künftig schnelle Entscheidungen, um nicht von äußeren Entwicklungen getrieben zu werden. Hierbei lasse sich nicht immer alles bis ins haarkleine Detail vorausberechnen. Zum Strukturwandel-Programm des Konzerns gehöre außerdem, für mehr Diversität, Neugier, Offenheit und Wagemut zu sorgen. Für den Umbau dürfte der künftige Daimler-Chef der Richtige sein. Mit dem Projekt kann er aus dem Schatten seines Vorgängers treten. Zetsche hat seine Aufgaben soweit erledigt.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.