New York: Immobiliencrash im Luxusbereich

Nun hat New York einen Immobiliencrash im Luxussegment. Selbst Superreiche agieren vorsichtiger. Auch der allgemeine Markt ist am Höhepunkt. (Foto: Stephan Guarch / Shutterstock.com)

Irgendwo nimmt jede Krise ihren Anfang. Gerade bei Immobilien geht der bange Blick schon länger nach China, wo die Preise vollkommen überhitzt sind. Und in London geben sie in den Unwägbarkeiten des Brexit spürbar nach.

In den USA indes schien der Markt intakt. Doch es zeigen sich erste Risse in der Fassade: In New York blieb erstmals seit langem ein Käufer auf seiner Luxuswohnung sitzen. Und das im Hochhaus „One57“, das als Milliardärsgebäude schlechthin gilt.

Immobiliencrash im New Yorker Nobelsegment

Hier ist der Immobilienhandel üblicherweise kein Problem. Steht New York vorm Immobiliencrash? Immerhin: Das 22,5 Mio. US-$-Apartment wird nun zwangsversteigert. Dabei ist die Summe für lokale Verhältnisse nicht sonderlich hoch. Was sich da abspielt ist nicht zwingend der Vorbote einer rasch zusammenfallenden Blase wie etwa in der Subprime Krise im Jahr 2007.

Die hatte bekanntlich zum Zusammenbruch geführt und die letzte Finanzkrise nach sich gezogen. Die Folgen hielten ungefähr bis 2012 an. Danach erholte sich der Immobiliensektor. Viel eher ist es eine Konsolidierung in einem überdrehten Markt im Luxussegment. Ein Immobiliencrash im New York der oberen Finanz-Etagen. Der Abstieg begann schon Mitte letzten Jahres.

Bis dahin kaufte der Geldadel aus aller Welt in der Wolkenkratzer-Metropole Apartments für horrende Summen – meist zwei und oft dreistellige Millionenbeträge. Sie waren Statussymbole oder dienten als Geldanlage. Genutzt wurden sie eher selten. Doch dann war der Hype vorbei.

Das Geld sitzt nicht mehr so locker

Zum einen, weil aufgrund der lang anhaltenden Nachfrage das Angebot immer größer wurde. Zum anderen, weil Superreiche aus verschiedenen Weltregionen plötzlich vorsichtiger mit ihrem Geld umgingen. Zum Beispiel Käufer aus arabischen und anderen Ländern, denen der Ölpreisverfall zusetze.

Chinesen wiederum bekamen die schärferen Ausfuhrkontrollen für Kapital zu spüren; Peking versuchte den massiven Geldabfluss zu stoppen. Und schließlich war der US-Regierung der Kauf teuerer Wohnungen über anonyme Firmen ein Dorn im Auge, weshalb sie das Geldwäschegesetz verschärfte.

Die Anbieter erkannten das Problem und halbierten einfach die Preise, indem sie schlicht die Wohnungen halbierten. Doch selbst die standen zum Teil über hundert Tage im Katalog. Zeit, in der kein Geld fließt. Darunter waren auch Objekte im sonst begehrten „One57“. Oder an der Nobeladresse 432 Park Avenue, in einem der höchsten Wohnhäuser der Welt.

In der Folge gaben die Preise noch weiter nach. Alternativ wurden die Apartments, wenn möglich, erneut verkleinert. Größe, Preis und Zeit, hatten lange keine Rolle gespielt und wurden nun zu den Hauptfaktoren am Markt. Die eingangs genannte Zwangsversteigerung für ein Objekt, das für etwas über 20 Mio. US-$ keinen Käufer findet, ist ein neuer Meilenstein im Geschäft. Die Abwärtsspirale dreht sich schneller.

Weniger Hauseigentümer, weniger Konsum

Der Immobiliencrash in New York spiegelt zwar vorwiegend die veränderten Verhältnisse im Luxusgeschäft wieder. Doch scheint auch der reguläre Markt in den USA mittlerweile überdreht. Bereits letztes Jahr lagen die Preise für Privatimmobilien schon über dem Rekordstand von 2006, also vor der großen Krise.

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Deshalb entscheiden sich immer mehr Amerikaner, eine Bleibe zu mieten. Immer mehr davon werden von Großinvestoren wie etwa Blackstone gekauft. Entsprechend sank die Quote der Eigenheimbesitzer von einst 69 % auf 63 %. Und damit der Anteil von Konsumenten, die auch mal mehr Geld für Anschaffungen ausgeben, weil der Wert ihrer Immobilie als Rücklage steigt.

Noch sorgt die extrem gute Arbeitsmarktlage in den USA für ausgewogene Verhältnisse. Doch als Anleger sollte man auf der Hut sein. Seit März ist der Binnenkonsum überraschend zurückgegangen. Und der spielt mit einem Anteil von 2/3 am Bruttoinlandsprodukt eine erhebliche Rolle in der US-Wirtschaft.

Zuletzt hatte die Notenbank Fed die Zinsen auf bis zu 1,25 % erhöht und weitere Schritte angekündigt. Geld wird also teurer, was sich auf den Konsum und den Immobilienmarkt auswirken dürfte.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.