Niedrigzinsphase macht´s möglich: Strafzinsen ab dem ersten Euro

Die Online-Wertpapierhandelsbank Flatex verlangt als erstes Geldinstitut in Deutschland Strafzinsen für sämtliche Kundenguthaben. (Foto: Vytautas Kielaitis / Shutterstock.com)

Mario Draghi hat jüngst jegliche Hoffnung auf eine baldige Zinswende im Keim erstickt. Auf der Sitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) im Januar 2017, verkündete der Währungshüter Nummer 1 der Gemeinschaft, dass man den Leitzins wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,00 % belasse. Wenn Banken überschüssiges Kapital bei der EZB parken, müssen diese dafür nach wie vor sogar 0,4 % Strafzinsen zahlen.

Da die Nullzinspolitik erheblich belastet, waren manche Geldinstitute auch in der Vergangenheit bereits dazu übergegangen, diese 0,4 % Strafzinsen an Kunden mit besonders hohen Einlagen weiter zu geben. Doch geht eine Online-Wertpapierhandelsbank noch einen Schritt weiter.

Flatex verlangt Strafzinsen ab dem ersten Euro

Die Online-Wertpapierhandelsbank Flatex ist eine Tochtergesellschaft des Finanzdienstleisters Fintech Group. Das Unternehmen hat zum 15. März 2017 einen Negativzins von 0,4 % für alle Kunden eingeführt – unabhängig davon, in welcher Höhe die Einlagen bei Flatex betragen. Wie die Bank mitgeteilt hat, seien die Kunden umgehend schriftlich informiert worden.

Flatex sei bei Einlagen von über 1 Mrd. € gezwungen, die Kosten der Politik der EZB an die Kunden weiter zu geben. Unter diesen Aspekten verursache dies bei einem Guthaben eines Klienten von 10.000 € Kosten in Höhe von 10 €. Flatex wolle bei der Einforderung des Negativzinses von versteckten Gebühren absehen und darüber hinaus den Kunden über Partnerbanken Alternativen wie Fonds oder Festgelder anbieten.

Flatex hält auch noch höhere Strafzinsen für möglich. Sollte die EZB nachlegen, werde man ebenfalls den Negativzins steigern müssen. Im umgekehrten Fall werde man die Klienten allerdings auch nur  einen niedrigeren Negativzins fordern, wenn die Zentralbank ihren Strafzins reduzieren sollte.


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Die Fintech-Tochter mit etwa 180.000 Kunden ist deutlich kleiner als Wettbewerber wie Ing-Diba oder Comdirect. Diese verlautbarten jedoch, sie hätten keine Pläne für die Einführung von Negativzinsen auf Einlagen ab dem ersten Euro.

Ende der Niedrigzinsphase noch nicht in Sicht

Auch wenn sich, wie die EZB selbst zugibt, die Vorzeichen deutlich aufgehellt hätten, ist ein Ende der Niedrigzinsphase noch nicht abzusehen. Die Geldschwemme zeige Wirkung: Die Inflation steige in die Nähe der Zielmarke und damit sei das Deflationsrisiko gebannt.

Dennoch bremste Draghi auf der jüngsten Sitzung der EZB die berechtigten Hoffnungen auf die Zinswende. Nach wie vor werde das Wirtschaftswachstum auf dem Gebiet des Euroraums durch fehlende Strukturreformen behindert. Somit wäre es durchaus denkbar, dass neben der Flatex noch weitere Institute alle Guthaben ihrer Kunden mit Strafzinsen belegen könnten.

Als erste deutsche Bank hat Flatex Strafzinsen in Höhe von 0,4 % für sämtliche Einlagen ihrer Kunden eingeführt. Als Hintergrund wird die Politik des billigen Geldes der EZB genannt. Ob und wann sich diese ändert, darüber kann zurzeit nur spekuliert werden.

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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