Noratis Aktie mit mäßigem Börsengang

Die Wohnungsnot ist groß, die Preise für Immobilien und Mieten steigen – im Grunde ein günstiges Umfeld für Renditen im Wohnbereich. Nutzen wollte dies der Wohnimmobilien-Entwickler Noratis. Die Aktie ist seit 30. Juni im Scale Segment für kleine und mittlere Unternehmen an der Deutschen Börse, Frankfurt notiert.

Nicht weit davon, in Eschborn, hat das aufstrebende Unternehmen seinen Sitz. Das Geschäftsmodell: Noratis kauft Bestandsimmobilien, möbelt sie auf und verkauft sie mit höherer Qualität weiter: teils als komplette Wohnblocks oder ganze Häuser an institutionelle Investoren, teils als Wohnungen für Mieter, Selbstnutzer oder Anleger.

Noratis Aktie überzeugt nicht

Aktienanleger allerdings scheinen vom Konzept nicht durchgehend überzeugt. Der Börsenstart war eher enttäuschend. Die Ernüchterung begann schon mit dem Ausgabepreis. Die schon lange angegebene Spanne zwischen 18,75 € und 22,75 € reduzierte sich zuletzt auf die Bodenlatte.

Grund war die mangelnde Nachfrage. Von insgesamt 2 Mio. Aktien ließen sich lediglich 920.000 bei Investoren platzieren. Danach brachten die Altaktionäre weitere 80.000 Papiere bei ihnen unter. Und zwar über eine Greenshoe-Option, die es ermöglicht, ein zusätzliches Volumen zu platzieren.

18,75 € war dann der erste Kurs am ersten Handelstag und lag exakt auf Höhe des Ausgabepreises. Im Laufe des Tages rutschte er um bis zu 10 % ab und notierte am Ende bei 17,35 %. Bis heute gab die Noratis-Aktie um fast 5 % nach.

Profitabler Nischenanbieter

Insgesamt befinden sich nun 31,5 % der Anteile im Streubesitz. Rund 45,5 Mio. € brachte der Aktienverkauf – ein kleiner und bescheidener Börsengang. Das Geld soll in den Ankauf weiterer und größerer Immobilien gesteckt werden, für die das bisherige Eigenkapital nicht ausreichte. Allerdings vergehen branchentypisch zwischen drei und vier Jahre bis sie Gewinne abwerfen.

Gut die Hälfte seiner Jahresüberschüsse will Noratis als Dividende ausschütten. Der betrug zuletzt 4,2 Mio. € gegenüber 1,1 Mio. € von 2015. Eine beachtliche Steigerung, die wesentlich über der beim Umsatz liegt. Er stieg von 23,8 Mio. € auf 44,6 Mio. €. Auch wurde der Cashflow von Minus 39,3 Mio. € auf 18,7 Mio € verbessert. Den Zahlen nach arbeitet Noratis profitabel.

Und das liegt im spezifischen Geschäftsmodell begründet, was eher eine Nische in der Branche abdeckt: Noratis konzentriert sich auf weniger bevorzugte Lagen abseits der Metropolen. In mittleren und kleineren Städten mit Potenzial werden Objekte zum neun- bis 14-fachen der Jahreskaltmiete gekauft, während die etablierten Platzhirsche in Frankfurt oder Hamburg mindestens das 20-fache hinlegen. Seit 2014 wurden 14 Entwicklungsprojekte mit über 1.300 Wohneinheiten durchgezogen.

Börsenstart bevor die Zinsen steigen

Damit versteht sich das Unternehmen auch nicht als Konkurrenz zu den Immobilienkonzernen, die im Dax oder Mdax gelistet sind, wie Deutsche Wohnen, LEG Immobilien oder Vonovia. Noratis ist ein Nischenanbieter, der mit seinen hohen Renditen aber zugleich ein höheres Risiko fährt. Zum einen wird der aktuelle Boom früher oder später nachlassen. Zum anderen wird es bei den noch extrem niedrigen Zinsen nicht bleiben.

Und steigende Kapitalmarktzinsen verderben Geschäft und Kurse von Immobilienunternehmen. Deshalb sind nicht nur andere potenzielle Börsenanwärter zögerlich und bevorzugen Kapital von Finanzinvestoren. Auch die Anleger geben sich mit Blick auf bereits gestiegene Zinsen vorsichtig.


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11. Juli 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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