Nordkoreas Raketen schrecken Börsen nicht

Mitte September war es wieder soweit: Über die Bildschirme flimmerte der jüngste Start einer nordkoreanischen Mittelstreckenrakete. Und wieder sah man Bilder von Kim Jong Uns zufriedenem Gesicht, der sich unter dem beflissenen Applaus seiner Offiziere über die Reichweite des Geschosses freut. Mit nun 3.700 Kilometern wäre ein atomarer Schlag auf die US-Militärbasis auf Guam möglich. Die Provokationen des Diktators laufen bereits seit Juli.

Krise in Korea drückt Aktien nur kurzfristig

Und welche Auswirkungen hat die anhaltende Krise in Korea auf Aktien? Normalerweise wäre beim Extremszenario eines Konflikts, der aus dem Ruder läuft, ein Einbruch der Märkte mit massiver Flucht in sichere Häfen wie Gold zu erwarten. Doch bisher hat die Korea-Krise auf Aktien im Dax oder Dow Jones nur wenig Einfluss.

Der Dax ist die letzten drei Monate marginal im Minus und erholt sich seit Ende August. Der Dow Jones zeigt ebenfalls nach oben, mit einem Plus von 4,25 % im selben Zeitraum. Selbst japanische Aktien zeigen sich weitgehend unbeeindruckt. Der Nikkei legte sogar leicht zu.

Einen nennenswerten Absturz gab es lediglich am 7. August, als der Krieg der Worte eskalierte. Donald Trump hatte auf die anhaltenden Provokationen aus Pjöngjang hin mit Vergeltung gedroht, mit „Feuer und Zorn“, wie er es nannte. Woraufhin Kim Jong Un mit einem Präventivschlag drohte. Innerhalb weniger Tage schickte die neue Korea-Krise die Aktien zunächst auf Talfahrt.

Von Trumps starken Worten und den Gefahren für Nordkoreas Wirtschaft durch UN-Sanktionen und einem Öl-Embargo zeigte sich das Regime jedoch unbeeindruckt. Ebenso unbeeindruckt ging es dann an den Börsen weiter. Selbst ein weiterer Raketentest, der es Ende August auf 2.700 Kilometer brachte und der Test einer mutmaßlichen Wasserstoffbombe verursachten nur noch leichte Schreckreaktionen.

Druck und Diplomatie statt Krieg

Auch der südkoreanische Leitindex Kospi erholt sich spätestens seit dem 6. September kräftig. Entscheidend war hier wohl das Bekenntnis von Südkoreas Präsident Moon Jae, es werde keinen Krieg mit dem Norden geben. Man setzte auf diplomatische Mittel, die USA ebenfalls. Moon Jae ersparte es Trump, kleinlaut zurückzurudern. Tatsächlich sind aus Washington seither weniger gereizte Reaktionen zu hören.

Umso aufgedrehter läuft die nordkoreanische Propaganda, die etwa Japans Existenz ebenso infrage stellt wie den UN-Sicherheitsrat, der „ein Werkzeug des Teufels“ sei. Damit macht sich Pjöngjang aber auch in Peking und Moskau keine Freunde. Ebenso wenig mit dem jüngsten, eingangs erwähnten Raketentest.

Dabei hat er es in sich. Er zeigt, dass Nordkorea in der Lage ist, Amerika direkt anzugreifen. Dass es gelingt, entsprechend kompakte atomare Sprengsätze zu transportieren, ist zwar nicht ausgemacht. Doch Kim Jon Un will eines: Er kann zum Erstschlag ausholen, an der Macht bleiben und sein Erpressungspotenzial mit Interkontinentalraketen erhöhen. Für die USA sind damit die Chancen auf einen Präventivkrieg gegen Null gesunken.

Goldpreis mit Zwischenhoch

Was nun nahe liegt, ist eine Politik wie vormals im Kalten Krieg: Abschreckung und warten bis sich Nordkorea wirtschaftlich selbst erledigt. Die Besonnenheit der Aktienmärkte zeigt sich parallel am Goldpreis. Nach dem Auftrieb seit Juli gibt er mit Anfang des Monats wieder deutlich nach. Das Zwischenhoch war zudem der Dollarschwäche geschuldet.

Stattdessen hat die Korea-Krise Aktien der Rüstungsbranche beflügelt. Bei Raytheon oder Northrop Grumman waren die Sprünge nach dem 7. August, als die Indizes nachgaben, deutlich. Mittlerweile hat sie die Lage wieder normalisiert. Während sich Raytheon hält, gaben Papiere von Northrop Grumman spürbar nach.

Insgesamt hat sich einmal mehr gezeigt, dass politische Börsen kurze Beine haben. Wer hier die Chance zum günstigen Wiedereinstieg nutzen wollte, musste sich schon sehr beeilen. Abgesehen davon war das Potenzial nicht gerade berauschend. Die jüngste Börsenschwäche fällt typischerweise in die Monate August und September. Der Oktober indes kann wieder Auftrieb geben.

19. September 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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