Norwegens Staatsfonds knackt 1-Billion-Dollar-Marke

Neuer Höchststand beim norwegischen Staatsfonds: Zum ersten Mal seit seiner Gründung hat er den Wert von 1 Billion US-$ geknackt. Umgerechnet pro Kopf der Bevölkerung sind dies mehr als 157.000 € für jeden der rund 5,3 Millionen Einwohner des skandinavischen Landes. So bezeichnete der Chef des Pensionsfonds, Yngve Slyngstad, das Erreichen des magischen Grenzwerts als Meilenstein. Darüber hinaus sei „das Wachstum des Marktwerts des Fonds atemberaubend“.

Der norwegische Staatsfonds ist der größte seines Typs weltweit. 1 Billion US-$ entsprechen dem 2,5-fachen des jährlichen Bruttosozialprodukt des Landes. Nach Ansicht seiner Betreiber hat der Fonds den Sprung über die symbolträchtige Marke neben dem vergleichsweise schwachen US-$ der guten Verfassung der internationalen Börsen zu verdanken.

Norwegischer Staatsfonds – eiserne Reserve schlechte Zeiten

Der norwegische Staatsfonds besteht seit den 1990er-Jahren und legt einen Teil der Öl-Einnahmen des Landes für künftige Generationen an. Er gilt als eiserne Reserve für die Zeit nach dem Öl. Die Förderung von Öl und Gas ist der dominierende Wirtschaftssektor. Dennoch wissen auch die Norweger: Die Reserven an fossilen Brennstoffen sind nicht unendlich.

Darüber hinaus ist eine zu große Abhängigkeit von Einnahmen aus dem Ölgeschäft auf lange Sicht auch vor dem Hintergrund stark schwankender Preise auf dem Weltmarkt riskant. Daher hatte sich das skandinavische Land im Jahr 1990 dazu entschieden, Erträge aus der Förderung des Ölreichtums in einen Staatsfonds zu bunkern.

Die Rücklage dient zur Finanzierung des sicherlich zwingenden Strukturwandels der Wirtschaft Norwegens für die Zeit nach der Beendigung der Öl-Förderung. Bislang waren 60 % seines Volumens in Aktien angelegt, 35 % in (Staats)-Anleihen und 5 % in Immobilien. Allerdings könnte in Zukunft der Aktienanteil aufgrund der nach wie vor niedrigen Zinsen von Staatsanleihen steigen.

So lautete vergangenen Jahres zumindest die Empfehlung der dafür zuständigen Expertenkommission. Der Fonds ist weltweit an mehr als 9.000 Gesellschaften beteiligt und hält rund 1,3 % aller gehandelten Aktien auf der Erde. Unter anderem ist der Staatsfonds in der britischen Supermarktkette Tesco und dem deutschen Volkswagen-Konzern investiert.

Staatsfonds nach ethischen Aspekten zusammengesetzt

Die Fondsmanager orientieren sich bei ihren Entscheidungen an ethischen Richtlinien. Beispielsweise werden keine Aktien von Rüstungskonzernen erworben. Ebenso tabu sind Energieversorger, die allzu stark auf Kohle setzen. Von 2006 bis 2016 habe diese Selbstbeschränkung etwa 1,3 Mrd. € weniger Einnahmen verursacht. Norwegens oberste Finanzhüter haben ebenfalls verfügt, dass das Vermögen des Staatsfonds nicht angetastet werden darf. Was aber nicht für dessen Erträge wie etwa Dividendenzahlungen gilt.

Im ersten Moment klingt ein solcher Staatsfonds nach einem sinnvollen Konzept auch für andere Staaten  wie Deutschland. Ein Staatsfonds wie der norwegische ließe sich jedoch nicht so ohne Weiteres auf einen Industriestaat wie Deutschland übertragen. Denn einerseits fehlen hierzulande die Einnahmen aus der Ölförderung oder anderen Rohstoffen und zum anderen sollte zunächst einmal die immense Verschuldung der öffentlichen Hand abgebaut werden.

12. Oktober 2017

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Peter Hermann
Von: Peter Hermann. Über den Autor

Peter Hermann ist studierter Germanist und Sozialwissenschaftler und arbeitet seit vielen Jahren im Wirtschafts- und Finanzjournalismus. Sein Spezialgebiet sind die Offenen Investmentfonds. Darüber hinaus besitzt er die Zulassung zum Anlageberater nach § 34 f.

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