Norwegischer Staatsfonds: Öl-Konzerne bleiben im Depot

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Dass sich der norwegische Staatsfonds von Öl trennt, stimmt nur teilweise. Es trifft kleinere Upstream-Firmen, Konzerne bleiben im Depot. (Foto: Ken Wolter / shutterstock.com)

Dieser Tage wurden Anleger durch eine Meldung hellhörig, der zufolge sich der Norwegische Staatsfonds von Öl-Investments trennt. Naturgemäß verkündeten auch einige Umweltverbände ihre Freude über diesen Schritt. Notierungen in der Branche gaben kurzfristig leicht nach, erholten sich aber sofort wieder. Denn die verkürzte Nachricht führte in die Irre.

Weltgrößter Vorbild-Fonds trennt sich von Risiken

Erwähnenswert ist der Vorgang schon wegen der Bedeutung des Norwegischen Staatsfonds, oder besser: Ölfonds. Der ist neben der Verwaltung von Pensions- und Rentenansprüchen sozusagen die echte staatliche Investmenthälfte, da hier klassischerweise die Einnahmen aus Norwegens Ölreichtum angelegt werden. Auch andere Förderländer wie Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate oder gar China haben derartige Fonds.

Doch der Norwegische Staatsfonds ist mit einem Vermögen von rund 950 Mrd. US-Dollar der größte. Er halt 1,4 % aller Aktien weltweit, ist zu mehr als 4 % am Dax beteiligt, gehört zu den größten Anteilseignern von VW und verfügt über zahllose Gewerbeimmobilien rund um den Globus. Die jährlichen Renditen liegen langfristig im Schnitt bei 5,8 %. Und das obwohl der Fonds weder in Aktien von Rüstungskonzernen noch Tabakfirmen steckt, auch verzichtet er auf spekulative Termingeschäfte.

Der Norwegische Staatsfonds gibt sich ethisch, nachhaltig, transparent und vorbildlich. Schon deswegen würde ein Vermeiden von Öl- und Gas-Aktien spontan ins Bild passen. Tatsächlich aber handelt es sich eher um einen Nebeneffekt, den Umweltaktivisten als Plus verbuchen. Der eigentliche Anlass ist weniger ethisch als vielmehr rechnerischer Natur. Das Fondsmanagement will das Portfolio von einigen Risiken zu befreien und die teils erheblichen Schwankungen des Ölpreises herausnehmen.

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Kleinere Öl-Firmen beim norwegischen Staatsfonds ausgemustert

Gestrichen werden vorwiegend Beteiligungen an Upstream-Unternehmen, die hauptsächlich mit der Exploration von Ölfeldern beschäftigt sind. Insgesamt sind es 134, zumeist kleinere Firmen. Ihr Wert im Portfolio macht 6,82 Mrd. Euro aus. Der Gesamtwert aller Investments des Norwegischen Staatsfonds in Öl- und Gaskonzerne beläuft sich auf 33,7 Mrd. Euro. Dass der Ölfonds nach wie vor in Öl investiert, liegt nicht nur in der Natur der Sache, es ist auch insofern mit den ethischen Richtlinien vereinbar, als die großen Konzerne längst auch mit nachhaltigen Energieformen beschäftigt sind.

Deshalb bleiben Aktien von BP, Chevron, Exxon oder Shell genauso im Depot wie Anteilsscheine von Total, Eni, Lukoil, Gazprom, Petrobras und anderen. Zur Größenordnung: An Shell hält der Staatsfonds über 2 %, an Chevron ca. 1 %, ebenso an Exxon. Und bei Norwegens Ölkonzern selbst sind es 67 %. Der hat sich letztes Jahr übrigens umbenannt. Im Bemühen, sich schon verbal vom Fokus Öl zu trennen, wurde aus Statoil nun Equinor, das besser zum diversifizierten Energieunternehmen passen soll.

Das Ganze muss eben auch in der Darstellung den neuen Ansprüchen im gesellschaftlichen Wertewandel entgegenkommen. Unterm Strich ändert sich für Anleger so gut wie nichts. Auch wenn sie ihre frühere Dominanz verlieren, so bleiben Öl und Gas von unveränderter Bedeutung für die Wirtschaft.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.