Novo Nordisk Aktie – langfristige Gewinnziele in Gefahr?

Novo Nordisk steht offenbar vor einer Entlassungswelle, Anleger fürchten um das langfristige Gewinnziel. (Foto: Casimiro PT / shutterstock.com)

Die Novo Nordisk Aktie stand im Juni unter Druck und rutschte wieder deutlich unter die Marke von 40 Euro. Hintergrund war ein Bericht der dänischen Zeitung Borsen, wonach der dänische Insulin-Marktführer den Abbau von 3.000 Stellen plant.

Hintergrund ist der schwierige US-Insulinmarkt, wo sich Novo Nordisk nach wie vor einem anhaltenden Preisdruck ausgesetzt sieht, der die Aktien des dänischen Biotech-Unternehmens schon seit 2016 belastet. Anleger müssen wissen, dass Novo Nordisk zuletzt weiter rund 50 % seiner Einnahmen in Nordamerika erzielt – daher ist das Geschäft in Übersee nach wie vor sehr wichtig für die Dänen.

Investoren fürchten nun, dass Novo Nordisk nicht nur einen Teil seiner weltweit rund 42.000 Mitarbeiter entlässt, sondern auch seine langfristigen Gewinnziele zusammenstreicht.

Novo Nordisk Aktie: Was passiert mit den Gewinnzielen?

Trotz der Probleme im US-Insulinmarkt hatte Novo Nordisk bislang an seinem langfristigen Gewinnziel festgehalten. Der operative Gewinn soll jährlich um 5 % gesteigert werden – so die bisherige Marschrichtung.

Doch dieses Ziel scheint zunehmend in Gefahr. Im Mai hatte Novo Nordisk ein Gewinnwachstumsziel von 2 bis 5 % in lokaler Währung ausgegeben, die Umsätze sollen in diesem Jahr um 3 bis 5 % in lokaler Währung wachsen. Novo Nordisk tut sich also schwer, die obere Bandbreite von 5 % zu erreichen.

Einige Analysten fürchten nun, dass Novo Nordisk in 2019 weitere Abstriche beim Gewinnziel machen muss. Der Grund ist der US-Gesetzgeber, der kostenintensive Änderungen im US-Gesundheitssystem vorgenommen hat.

US-Gesetzgeber nimmt Pharmahersteller stärker in die Pflicht

Dabei geht es insbesondere um das staatliche Krankenversicherungsprogramm Medicare (Medicare Part D Programm). Erreicht ein US-Patient die Schwelle von 3.750 US-$ für verschreibungspflichtige Medikamente im Jahr, tritt eine Art Kostenbremse in Kraft, die Hersteller dazu verpflichtet, durch Preisnachlässe einen Teil der Kosten zu übernehmen, bis die Ausgaben des Patienten wieder 8.400 US-$ erreicht haben (sog. Donut Hole).

Novo Nordisk: Warum der Diabetes-Platzhirsch außergewöhnliche Gewinne ermöglichtDie Dänen können ihren Anspruch als Weltmarktführer im Diabetesgeschäft auch 2015 behaupten und sogar ausbauen. Das liegt nicht zuletzt an schwächelnden Konkurrenten. › mehr lesen

Bislang mussten die Pharmahersteller mit 50 % Preisnachlässen aushelfen, dieser Prozentsatz steigt künftig auf 70 %. Diese zusätzlichen 20 % werden den Gruppen-Umsatz von Novo Nordisk im Jahr 2019 um 1 bis 2 % schmälern, so das dänische Unternehmen.

Novo Nordisk blickt in die Zukunft

Doch noch will Novo Nordisk sein langfristiges Gewinnziel (5 % Gewinnwachstum) nicht aufgeben, wie Novo-Sprecherin Katrine Sperling gegenüber der Pharmazeitung FiercePharma zu Protokoll gibt. Welche Kostenmaßnahmen Novo Nordisk im Detail ergreift, bleibt abzuwarten.

Fest steht aber, dass Novo Nordisk mit Semaglutid (Handelsname: Ozempic) ein weiteres Medikament zur Behandlung von Diabetes in der Pipeline hat, das in jüngsten klinischen Tests nicht nur das eigene Novo-Medikament Victoza, sondern auch das Konkurrenzprodukt von Merck (Januvia) und Dulaglutid von Eli Lilly in Sachen Wirksamkeit zum Teil deutlich geschlagen hat. Aus diesem Grund gestehen die Analysten der Deutschen Bank Semaglutid mittelweile auch ein Umsatzpotenzial von rund 5 Mrd. US-$ zu.

Fazit: Novo Nordisk trotz Preisdruck in den USA weiter gut aufgestellt

Keine Frage, die Gesetzesanpassungen in den USA könnten die Gewinnziele von Novo Nordisk kurzfristig belasten, langfristig ist Novo Nordisk dank Semaglutid weiter gut aufgestellt.

Denn Semaglutid ist eine kleine Revolution bei der Behandlung von Diabetes, denn damit kommt der erste sogenannte GLP-1-Rezeptoragonist in Tablettenform auf den Markt – bislang waren Diabetes-Patienten in der Regel auf Spritzen bzw. Injektionen angewiesen. Ein weiterer Pluspunkt: Semaglutid ist auch zur Gewichtsabnahme geeignet, womit sich Novo Nordisk noch nebenbei einen weiteren Markt erschließt.

Kurzum: Novo Nordisk bleibt trotz der Rückschläge in den letzten Jahren für langfristig orientierte Anleger eine interessante Aktie, die einen soliden Wert aus dem wachsenden Gesundheitsmarkt im Depot haben wollen.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands