Null-Risiko-Land: Das ist der Stabilitätsweltmeister

Deutschland gilt als stabilstes Land der Welt. Unter den Staaten mit der besten Bonitätsnote AAA hat es die anderen inzwischen überholt. (Foto: MR.LIGHTMAN1975 / Shutterstock.com)

Solide, finanzstark, berechenbar – an den Finanzmärkten wird Deutschland so zuverlässig bewertet wie kein anderer Staat. Aus Sicht der großen Ratingagenturen trifft der Begriff einer risikofreien Anlage gerade auf Bundesanleihen zu. Die Bestnote AAA wurde erst im Oktober erneuert, mit dem Ausblick auf „stabil“.

Deutschland ist jetzt stabilstes Land der Welt

Mit dieser Bestnote glänzen zwar auch die Schweiz, Schweden, Norwegen, Dänemark, Luxemburg und Australien. Im September allerdings wurde Deutschland das stabilste Land der Welt. In der Detailbewertung der Kreditversicherungen zog es erstmals an allen anderen vorbei.

Die Bonitätsnoten der führenden Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s oder Fitch sind nämlich nur ein Kriterium. Sie geben einen Überblick über die Kreditwürdigkeit von Schuldnern wie Staaten, Banken oder Unternehmen. Wer sein Geld in Anleihen investieren will, hat damit schon mal einen Anhaltspunkt. Großinvestoren jedoch gehen einen Schritt weiter und verlassen sich nicht allein auf die in gewissen Abständen vergebenen Bewertungen.

Sie schauen auf die Preise der Versicherungen, die gegen einen möglichen Kreditausfall im Interbankenmarkt fortlaufend gehandelt werden. Die Preise bzw. Spreads dieser Credit Default Swaps (CDS) reagieren zeitnah auf die Markteinschätzung und werden in der Regel in Basispunkten ausgedrückt. Je günstiger die Absicherung, desto geringer ist die daraus errechnete Wahrscheinlichkeit einer Pleite.

Geringste Pleitewahrscheinlichkeit

Mit einer auf 1,03 % gesunkenen Ausfallwahrscheinlichkeit für die kommenden fünf Jahre ging Anfang September der Titel „stabilstes Land der Welt“ an Deutschland. Norwegen kam auf ein Zahlungsausfallrisiko von 1,04 % und Dänemark auf 1,08 %. Der Abstand zu den anderen Top-Schuldnern ist noch größer.

Dabei ist das Ganze keine Eintagsfliege. Seit Anfang des Jahres gehen die CDS-Spreads für Deutschland kontinuierlich nach unten, zuletzt auf 8,93 Punkte, noch im September waren es 13,3 Punkte. Entsprechend liegt die Pleitewahrscheinlichkeit mittlerweile unter 1 %. Mit diesem Wert steht Deutschland allein auf weiter Flur. Und das obwohl die Schuldenquote von 68 % zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) über dem 41 %-Mittelwert der anderen AAA-Länder liegt.

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Der Grund liegt darin, dass die Agenturen von einem kontinuierlich sinkenden Schuldenstand ausgehen. Mit den erwarteten Überschüssen im Bundeshaushalt wird bis 2026 von einer Verschuldung unter 50 % ausgegangen. Was weiterhin zählt, ist die breit gefächerte Wirtschaft mit hoher Wertschöpfung und bester Zahlungsmoral bei gleichzeitig geringem Insolvenzrisiko ihrer Firmen.

USA vier Mal riskanter

Allerdings wäre der Stabilitätsweltmeister-Titel nicht ohne eine Beruhigung der Euro-Krise möglich geworden, die Deutschlands Finanzen stark getroffen hätte. Gleiches gilt für die abgewendete Gefahr einer Rettung der Deutschen Bank. Der deutsche Branchenführer hat sich wieder stabilisiert. Zur Bewertung beigetragen hat zudem, dass Deutschland seit der Wahl von Donald Trump eine größere Rolle als verlässliche Konstante in der Weltpolitik zugerechnet wird.

Gemessen an den Kreditversicherungspreisen ist die Pleitewahrscheinlichkeit der USA übrigens gut vier Mal so hoch wie die Deutschlands. Anleiheanlegern bringt der Status als Null-Risiko-Land mit Blick auf die Zinsen natürlich weniger. Dafür kann der Staat seine billiger gewordenen Schulden leichter abbauen.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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