nVidia will mit Turing die Grafikindustrie revolutionieren

nVidia hat mit Turing seine neueste Grafikchip-Plattform vorgestellt. Märkte und Analysten sind begeistert - Was steckt dahinter? (Foto: katjen / Shutterstock.com)

nVidia ist zwar aus dem Geschäft mit Hardware für das „Schürfen“ von Kryptowährungen ausgestiegen, dennoch liebt die Wall Street den US-Grafikchip-Hersteller.

Sowohl die Analysten bei der Bank of America Merrill Lynch als auch Wells Fargo sehen Kursziele jenseits der 300-Dollar-Marke. Dabei verweisen Marktbeobachter und Analysten immer wieder gerne auf nVidias neue Turing Architektur. Dabei handelt es sich um eine neue Grafikchip-Generation, die für einen Umsatzsprung bei nVidia sorgen soll. Anleger fragen sich natürlich, was steckt hinter dem neuen nVidia-Projekt und wie groß ist das Potenzial von nVidia Turing wirklich?

Was ist nVidia Turing und warum ist das neue Produkt so wichtig?

nVidia-Chef und Mitgründer Jensen Huang bezeichnet Turing als die „wichtigste Innovation im Bereich Computergrafik seit mehr als einem Jahrzehnt“.

Der Grund: Mit nVidia Turing hält Echtzeit-Raytracing Einzug in die Spiele- und Filmindustrie. Bei Raytracing handelt es sich um eine Technik, um naturgetreu Licht- und Schatteneffekte in einer Szene darzustellen. Dies ist nicht nur bei Computerspielen wichtig, sondern auch in der Filmindustrie, wo immer mehr Szenen durch Computertechnik animiert werden. Kommt Echtzeit-Raytracing zum Einsatz, wirken die Szenen noch realer und damit wirkungsvoller.

Der Nachteil: Um Echtzeit-Raytracing zu realisieren, waren bislang große Serverfarmen und viel Rechenleistung erforderlich, um die Grafiken zu rendern. Bei interaktiven Computerspielen, in der Handlungen in Echtzeit ablaufen, war dies bislang kaum umsetzbar – genau dies könnte sich künftig mit den neuen Grafikchips aus dem Hause nVidia mit der Turing Architektur ändern.

Der heilige Gral in der Spieleindustrie

Denn die neuen Turing-basierten Grafikkarten von nVidia wie die Quadro RTX sind die ersten Raytracing Grafikchips in der Industrie, welche die Arbeit von 50 Mio. Game-Designer und CGI-Spezialisten rund um den Globus revolutionieren soll.

Der nVidia Turing TU102 Grafikchip, der die RTX 2080 TI Grafikkarten antreibt, kommt mit 18,6 Mrd. Transistoren daher. Mit 4.352 Cuda Cores kann die Top-Grafikkarte 13,4 Teraflops bzw. 13,4 Billionen Berechnungen pro Sekunde durchführen.

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Für den Profi-Bereich (Workstations, Film-Industrie etc.) bietet nVidia Quadro RTX Produkte an, die nochmal deutlich schneller, aber teurer sind. Zum Beispiel kostet die Quadro RTX 8000 rund 10.000 US-Dollar, schafft aber 16 Teraflops und damit 16 Billionen Berechnungen pro Sekunde.

nVidia versucht daher, mit seinen neuen Quadro RTX Produkten den heiligen Gral in der Grafikchip-Industrie zu erobern – Echtzeit-Raytracing soll endlich Realität werden.

Turing-Grafikkarten sollen künstliche Intelligenz (KI) beschleunigen

Aber nicht nur in der Spieleindustrie sollen die neuen Turing-basierten Grafikkarten von nVidia zum Einsatz kommen. Auch Anwendungen rund um künstliche Intelligenz (KI) und maschinelles Lernen sollen von der höheren Rechenleistung profitieren. Hierfür sorgen die in der Turing Architektur integrierten Tensor Cores. Das sind Prozessoren, die maschinelles Lernen enorm beschleunigen und zwar mit bis zu 500 Billionen Tensor-Operationen pro Sekunde.

Fazit: nVidia vor weiterem Technologiesprung

Keine Frage, nVidias neue Turing-Architektur ist ein weiterer großer Schritt nach vorne, wenn es um mehr Rechenleistung für die Spiele-, Film- und KI-Industrie geht. Analysten sind daher zuversichtlich, dass Turing und dessen Raytracing-Funktionen gleich mehrere Industriezweige umkrempeln werden.

Anleger müssen sich allerdings noch gedulden. Die neuen Turing-basierten Grafikkarten werden erst im dritten bzw. vierten Quartal 2018 auf den Markt kommen. Wie hoch die Nachfrage nach den neuen nVidia-Produkten tatsächlich ist, wird sich daher erst im Jahr 2019 zeigen. Analysten sind jedenfalls zuversichtlich und erwarten durch Turing einen wesentlichen Umsatzschub in den nächsten 12 bis 18 Monaten.

Kurzum: Die nVidia-Aktie zählte in den vergangenen 2 Jahren mit einem Kursplus von ca. 800% bereits zu den besten Investments im Hardware-Segment. Die Chancen sind gegeben, dass nVidia seinen Wachstumskurs auch in den kommenden 2 Jahren weiter fortführen kann. Daher ist die nVidia-Aktie auch weiterhin für risikobewusste Anleger interessant, die einen wachstumsstarken Wert im Depot haben wollen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands