Ökostrom-Aktien: langfristig gute Chancen?

Ökostrom-Aktien gelten langfristig als aussichtsreich - allerdings kämpft die Branche kurzfristig mit vielen Herausforderungen. (Foto: fokke baarssen / shutterstock.com)

Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien ist im ersten Halbjahr 2018 in Deutschland auf ein neues Rekordniveau geklettert. Insgesamt kamen im ersten Halbjahr 104 Mrd. Kilowattstunden (kWh) aus erneuerbaren Energieträgern wie Wind-, Solar-, Wasserkraft- und Biomasse-Anlagen.

Allein Windkraftanlagen steuerten in den ersten 6 Monaten 55 Mrd. kWh bei, während Solaranlagen 21 Mrd. kWh sauberen Strom generierten. Hier stellt sich natürlich die Frage, welche Aktien können vom weltweiten Ökostrom-Boom profitieren?

Siemens AG – die neue Nummer 1 auf dem Windmarkt

Dank der Übernahme des spanischen Gamesa ist Siemens mit seiner Sparte Gamesa Renewable Energy SA (SGRE) inzwischen die Nummer 1 unter den Windturbinen-Herstellern und hat damit den langjährigen Spitzenreiter Vestas Wind von der Spitze verdrängt. Im Vorjahr installierte die Siemens-Tochter eine Windleistung von 9,43 Gigawatt (GW).

Zwar konnte Siemens Gamesa zuletzt einen Großauftrag (über 400 Mio. Euro) in Brasilien einstreichen, in Deutschland sollen allerdings 200 Stellen gestrichen werden. Anleger konnten in den letzten 5 Jahren vom Kursanstieg der Siemens-Aktie (+40 %) profitieren, auf 1-Jahressicht notiert die Siemens-Aktie nahezu unverändert.

JinkoSolar – der weltgrößte Solarmodul-Hersteller

Der in Shanghai ansässige Solarmodul-Hersteller JinkoSolar ist in den letzten 5 Jahren zum weltweit führenden Solarhersteller avanciert, nachdem das Unternehmen im Jahr 2017 Solarmodule mit einer Leistung von knapp 10 Gigawatt (GW) zur Auslieferung gebracht hat. In 2018 hofft JinkoSolar auf einen weiteren Rekord – Module mit einer Leistung von 11,5 bis 12 GW sollen weltweit verkauft werden.

Bislang konnten Anleger vom Wachstum des chinesischen Solarherstellers nur bedingt profitieren, denn die Netto-Gewinnmargen in diesem Markt sind sehr gering (0,1 bis 1,0 %). Unter dem Strich liegt die JinkoSolar-Aktie auf Jahressicht deutlich im Minus (-40 %), während sich auf 5-Jahressicht ein Kursplus von rund 15 % ergibt.

Vestas Wind Systems AG – die Nummer 2 im Windmarkt

Der Rekord beim Auftragsbestand für Windturbinen und Services in Höhe von 21,6 Mrd. Euro im ersten Quartal 2018 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Konkurrenzkampf auch in der Windkraftbranche intensiver wird – so musste auch die dänische Vestas Wind im ersten Quartal 2018 einen Umsatzrückgang vermelden. Dennoch geht Vestas für 2018 von einem leichten Umsatzwachstum auf über 10 bis 11 Mrd. Euro aus. Um seinen Technikvorsprung zu halten, will Vestas stärker in Technik und Innovationen investieren.

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Anleger hatten bisweilen das Nachsehen. Die Vestas-Aktie sank auf Jahressicht um rund 36 %, auf 5-Jahressicht liegt die Vestas-Aktie allerdings immerhin noch um rund 300 % im Plus.

Innogy SE – Ökostromanbieter wartet noch auf den großen Durchbruch

Der Ökostromanbieter innogy SE hat sich jüngst erst durch die Übernahme von BTC Power, einem Anbieter von Ladeinfrastrukturen für Elektroautos verstärkt. Innogy war erst im Oktober 2016 an die Börse gegangen, für Anleger war die kurze Börsenhistorie bisher ein Wechselbad der Gefühle.

Nach einer Gewinnwarnung in 2017, sorgte der Rücktritt des Firmenchefs Peter Terium Ende 2017 für Schlagzeilen. Im Frühjahr 2018 wurde bekannt, dass innogy an den Stromkonzern E.ON verkauft wird. Den Innogy-Minderheitsaktionären hat Eon ein Übernahmeangebot in Höhe von 40 Euro je Aktie gemacht. Auf Jahressicht notiert die Innogy-Aktie nahezu unverändert bei rund 36,5 Euro.

Nordex: Windkraftspezialist leidet unter veränderten Marktbedingungen

Windenergie gilt zwar nach wie vor als Zukunftsmarkt, doch in Deutschland weht der Branche zunehmend Gegenwind ins Gesicht. Durch neue Abstandsregelungen (in Bayern dürfen Windkraftanlagen z.B. nur im Abstand von 2 km zu Wohnhäusern errichtet werden) und ein verändertes Ausschreibungsverfahren wird der Windenergiemarkt hierzulande zunehmend ausgebremst.

Bei Windturbinen-Herstellern wie Nordex, die stark in Deutschland und Europa engagiert sind, machte sich der schwierige Markt bereits in Form von Umsatz- und Gewinnrückgängen negativ in der Bilanz bemerkbar. Auch Anleger bekamen die Flaute zu spüren. Die Nordex-Aktie verlor auf Jahressicht rund 16 %, auf 5-Jahressicht steht allerdings noch ein Kursplus von mehr als 70 % zu Buche.

Fazit: Ökostrom-Aktien leiden unter veränderten Marktbedingungen

Für Anleger, die sich in den letzten Jahren in Ökostrom-Aktien engagierten, war der Markt kein Zuckerschlecken. Im Bereich Windenergie werden die Subventionen für Windkraft weltweit nach und nach gekappt. Zudem sehen sich Windkraftanlagen-Hersteller und Betreiber einem geänderten Ausschreibungsverfahren gegenüber. Statt gesetzlich fixierter Fördergelder müssen Anbieter an Auktionsverfahren teilnehmen. Der damit verbundene Wettbewerb um Projekte drückt die Preise.

Im Solarmarkt sorgen Strafzölle für schlechte Stimmung in der Branche, was vor allem chinesische und amerikanische Hersteller betrifft. Kurzum: Ökostrom-Aktien bieten zwar durchaus langfristig Chancen, doch Anleger müssen einen langen Atem haben, wenn sie von der Energiewende und dem Siegeszug erneuerbarer Energien profitieren wollen.


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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands