Öl: Ein neuer Preisverfall scheint unvermeidlich

Nach den OPEC-Beschlüssen Ende letzten Jahres sah es so aus, als würde Öl wieder attraktiver. War es unter den Rohstoffen seit Mitte 2014 der Abwärtskandidat schlechthin, kam Hoffnung auf. Verglichen mit dem Stand vor 12 Monaten legte der Preis sogar um gut die Hälfte zu. Das Ziel von 60 US-$ wurde aber bisher nicht erreicht.

Öl: Preisverfall mit Ansage

Vielmehr zeichnet sich ab, dass der Preisverfall bei Öl künftig zum Dauerthema wird. Die Kurse gehen wieder auf Talfahrt. Aktueller Anlass sind hohe Lagerbestände in den USA. Und wie geht es weiter? Im Juni wollen sich die OPEC-Mitglieder samt Mitstreiter erneut treffen, um ihre Aktion zu verlängern. Ob damit Öl vorm Preisverfall bewahrt wird, ist jedoch fraglich.

Zum einen müssten alle Partner Geschlossenheit zeigen. Offenbar aber hat Russland nach den letzten Förderkürzungsbeschlüssen die Gunst der Stunde genutzt und Saudi-Arabien als größten Öl-Lieferanten Chinas abgelöst. Der Druck durch die anhaltenden Sanktionen wegen des erneut aufgeflammten Ukraine-Konflikts tut sein Übriges. Einigkeit sieht anders aus.

Zum anderen setzt die neue amerikanische Regierung massiv auf die fossile Brennstoffe, inklusive Öl und Fracking. Damit machen sich die USA unabhängiger von Importen und bauen ihre Marktstellung als Top-Öllieferant aus. Noch wird ein Viertel des Energiebedarfs durch Importe gedeckt. Sobald aber Trump seine geplanten Importsteuern einführt, wird amerikanisches Öl von jetzt auf nachher gut 25 % billiger als die Konkurrenz aus dem Ausland.

Ölschwemme und neue Energieformen im Anmarsch

Das Ganze läuft unter dem Begriff Big Oil und ist große Faktor in der Außenpolitik unter Rex Tillerson. Der Ex-Exxon-Chef bietet Putin nun eine Kooperation an. Der Ansatz: Russland hat enorme Ölreserven, die USA liefern Technologie und Kapital. Wenn daraus ein Duopol entsteht, bei dem Russland aus den OPEC-Reihen ausbricht, wird sich der Rest des Kartells genötigt sehen, seine Förderung wieder auszuweiten. Eine neue Ölschwemme ist dann unvermeidlich.

Mittel- bis langfristig wird der Öl-Preisverfall obendrein durch eine andere Entwicklung beschleunigt: neben einer insgesamt höheren Energieeffizienz ist es anstehende Durchbruch bei Brennstoffzellen. Der französische Energieversorger Engie ist überzeugt, dass der Ölpreis in weniger als 10 Jahren auf 10 US-$ fällt. Öl, so die Vorhersage, werde durch Wasserstoff verdrängt.

Und Wasserstoff ist der entscheidende Teil im Konzept erneuerbarer Energien. Bislang hat er gefehlt, weil die Technik noch daran arbeitete, Wasserstoff so zur Verfügung zu stellen, dass er zusammen mit Sauerstoff von Brennstoffzellen reibungslos in Strom umgewandelt wird. In Kürze wird dies in Serie gelingen, was die bislang teure und teils anfällige Technologie billiger und alltagstauglich macht.

Damit werden Brennstoffzellen viel wichtiger als Batterien. Sie sind keine Energiespeicher, sie erzeugen selbst Energie. Als kleine, dezentrale Kraftwerke können sie Fahrzeuge antreiben oder Häuser mit Strom und Wärme versorgen. Um die Entwicklung voranzutreiben, wurde auf dem  jüngsten Wirtschaftsgipfel in Davos der Hydrogen Council gegründet.

Alles bereitet sich auf Brennstoffzellen vor

Der Wasserstoffrat besteht aus führenden Köpfen von 13 Unternehmen. Darunter Air Liquide, Alstom, Linde, Engie sowie BMW, Daimler, Honda oder Toyota. Dass auch Shell und Total mit von der Partie sind, zeigt, wie ernst selbst die Ölkonzerne das Thema nehmen.

Als führend in der Schlüsseltechnologie gilt Ballard Power. Der kanadische Brennstoffzellen-Entwickler kooperiert mit einigen Fahrzeugherstellern und zeigt Erfolge bei Tests. In China laufen bereits Busse als Hybrid-Version. Auch VW nutzt Ballard-Patente. Prototypen wie der Audi H-Tron sollen den Weg in die neue Zukunft ebnen. Die Technik macht auch bei Flugzeugen oder Schiffen Fortschritte. Und schon gibt es kleine Brennstoffzellen für Elektrogeräte, darunter Smartphones.

Angesichts der Perspektiven, sollte man sich als Anleger weniger an Phantasien einer Trump getriebenen Öl-Renaissance orientieren, bei der Höhen und Tiefen vorgezeichnet sind. Das Potenzial liegt in der Brennstoffzelle. Umwelt- und Klimaschutz sind nur eine Sache. Sie macht zudem unabhängiger von politischen Ränkespielen der Ölförderer.

9. Februar 2017

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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