Ölpreis 2017: stabiler auf etwas höherem Niveau

Ab Mitte 2014 ging der Ölpreis auf Talfahrt. Seitdem haben wir uns an das niedrige Niveau gewöhnt. Der Tiefpunkt lag im Januar 2016 bei fast 30 US-$ pro Fass und erreichte danach nur einmal die 50-Dollar-Marke. Bei der Frage wie es mit dem Ölpreis 2017 weitergeht, überboten sich die Experten neulich noch mit Vorhersagen. In der Vergangenheit lagen sie oft daneben.

Förderkürzung – Schulterschluss gegen den Absturz

Klar war nur, dass der Trend irgendwann umkehren musste, unklar aber der Auslöser. Auf Beschlüsse der 14 OPEC-Förderländer war rückblickend kaum Verlass. Erstens sind sie untereinander zerstritten. Zweitens: Selbst wenn ein Beschluss gefasst wird, halten sich nicht alle dran.

Und drittens machen sie höchstens 40% der Weltförderung aus, weshalb sich andere Produzenten wie Russland einer Drosselung anschließen müssten. Daran war auch der letzte Anlauf im April gescheitert.

Der zweite Advent brachte die Heilsbotschaft für Ölanleger: Die OPEC beschließt erstmals seit zehn Jahren eine Drosselung und alle wollen mitmachen, auch Russland und andere der elf Förderländer außerhalb des Kartells. Diesmal war allen Beteiligten klar: Ohne eine Einigung wäre der Ölpreis 2017 nicht mehr zu halten. Nach der Meldung stieg er binnen 48 Stunden von 45 US-$ auf über 57 US-$.

Alle sprachen nun vom Durchbruch und der Wende. 2017, so hieß es, werde der Ölpreis neue Höhen erklimmen. Viele Charttechniker sahen das mittelfristige Kursziel bei bis zu 70 US-$ pro Barrel. Die Weltbank verkündete ähnliche Prognosen. Doch kaum vermeldet, ging es wieder bergab. War alles nur ein Strohfeuer?

Ölpreis 2017 unter gegenläufigen Einflüssen

Es kommt darauf an, welche Einflüsse überwiegen werden. Insgesamt kommen mehrere, teils gegenläufige Effekte zum Tragen. Zunächst war der jüngste Schulterschluss in Sachen Förderkürzung ein wichtiges Signal, das Auftrieb gibt. Entscheidend wird sein, wie dies bei einem anderen wichtigen Player ankommt. Die USA verfolgen eigene Interessen und Trump setzt auf die Ölindustrie.

Steigt der Anreiz für die heimischen Schieferölproduzenten, mit politischem Rückenwind und höheren Preisen mehr zu fördern, wird sich das Angebot erhöhen. Immerhin sind die USA dank Fracking mit einer täglichen Fördermenge von 12 Mio. Barrel (2015) größter Produzent vor Russland und Saudi-Arabien. Danach folgt schon Kanada, dessen Ölsandindustrie ebenfalls auf rentablere Preise wartet. Jüngsten Meldungen zufolge ist die Produktion in Nordamerika wieder deutlich gestiegen.

Freiwillige Vereinbarung als Wackelfaktor

Hinzu kommt: Die angekündigte OPEC-Förderkürzung von 1,2 Mio. Barrel entspricht nur ca. 1,3% der Weltförderung. Zwar kommt Russland mit einer Kürzung um 300.000 Mio. Barrel hinzu. Doch Zusagen sind eine Sache, die Tatsachen sehen oft anders aus. Wichtiges und vielfach übersehenes Detail des Beschlusses: Es gibt keine Vertragstrafen bei Nichteinhaltung.

So geht etwa der gut unterrichtete Länder-Analyse-Dienst Business Monitor International (BMI) in London davon aus, dass die Kürzungsquoten unter den OPEC-Staaten bestenfalls zu 70% eingehalten werden. In dem Fall würde die Drosselung weniger als 1% der Weltförderung ausmachen. Bleibt noch die große Unbekannte: Russland, das noch kürzlich auf hohen Fördermengen bestand. Schon zuvor hatte es sich nicht an derartige Vereinbarungen gehalten.

Stabilisierung statt Verteuerung

Die Zurückhaltung Russlands zeigt sich schon darin, dass seine Kürzung um 300.000 Mio. Barrel lediglich eine Zielmarke ist, die erst im Juni 2017 erreicht werden soll, wenn die aktuelle Vereinbarung mit der OPEC sowie deren Mitglieder untereinander ausläuft. Ob dann alle Beteiligten die Verlängerungsoption wahrnehmen, steht in den Sternen.

Laut Energieminister Alexander Nowak kam es auf ein Signal an, mit dem vor allem ein weiteres Abrutschen der Preise verhindert werden soll. Ziel sei eine Stabilisierung, jedoch keine Rückkehr zum hohen Preisniveau von über 100 US-$. Ob nach dieser Lesart 2017 Preise um die 60 US-$ realistisch sind, bleibt offen.

Während die eine Hälfte der Auguren davon ausgeht, erwarten die anderen wegen des vermutlichen Mehrangebots der USA ab Mitte nächsten Jahres einen erneuten Rückgang auf 48 US-$. Insgesamt spricht vieles für eine Stabilisierung, nicht aber für einen dramatischen Anstieg. Letztlich wird man erst nach dem nächsten Treffen von OPEC & Co. Ende Juni mehr wissen.

27. Dezember 2016

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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