Invest Messe Stuttgart, von 05. bis 06. April 2019

Ölpreis 2018: Verzweifeltes Aufbäumen der Opec

Erdöl Symbolbild Miniaturmodell_shutterstock_1066809551_William Potter

Der Ölpreis stieg 2018 bis auf 85 US-Dollar und landete zuletzt ungefähr da, wo er begann. Die jüngste Opec-Kürzung dürfte wenig ändern. (Foto: William Potter / shutterstock.com)

Eine echte Preiserholung sieht anders aus. Als Ende  der ersten Dezemberwoche die Opec-Staaten zusammen mit Russland eine Kürzung der Fördermengen beschlossen, stieg der Ölpreis zunächst um 6,8 %, drehte dann aber schon wieder zurück. Mit einer Notierung um die 62 US-Dollar für die Sorte Brent liegt im Vergleich zum 1. Januar 2018 der Ölpreis sogar leicht im Minus.

Rapider Absturz im Herbst

Aber er liegt leicht über den Prognosen. Kurz vor Weihnachten letzten Jahres hatten die meisten Analysten und Investmenthäuser für 2018 einen Ölpreis von höchstens 60 US-Dollar erwartet. Und zwölf Monate später notierte er nur knapp darüber. Dennoch lagen die Vorhersagen erheblich daneben, denn sie bezogen sich auf den Durchschnittspreis. Allein zwischen April und November rangierte er über der Marke von 70 US-Dollar.

Anfang Oktober wurden sogar gut 85 US-Dollar erreicht. Danach folgte ein Absturz von über 30 %. Auch Donald Trump versuchte niedrige Preise durchzudrücken, um US-Unternehmen zu entlasten, deren Aktienkurse seit September in den Abwärtssog gerieten. Die großen Airlines sind nur ein Beispiel. Gestiegene Treibstoffkosten hatten die Bilanzen gedrückt – auch bei der Lufthansa.

Bedrohte Weltwirtschaft wirft Schatten voraus

Da kam der Preisverfall von Öl nur recht. Doch bei dem rapiden Tempo war absehbar, dass die Opec-Staaten nicht länger zuschauen würden. Wie viel ihre jüngste Kürzungsrunde letztlich bewirkt, bleibt abzuwarten. Wie sehr man mit Prognosen daneben liegen kann, hat nicht nur das vergangene Jahr gezeigt. Förderkürzungen sind nur eine Sache. Entscheidend ist die Nachfrage. Die dürfte angesichts einer rückläufigen Weltwirtschaft eher abnehmen.

Erdöl Symbolbild Miniaturmodell_shutterstock_1066809551_William Potter

Energiebranche: Gestiegener Ölpreis facht Übernahme-Lust anDie Energiebranche wird von Elite-Investoren 2018 favorisiert und ist ist auch für Übernahme-Jäger höchst attraktiv. › mehr lesen

Dass die Opec beim Ölpreis 2018 noch schnell gegensteuern musste, ist nachvollziehbar. Immerhin mehren sich sogar Befürchtungen, die USA könnten in eine Rezession geraten. Indikator ist die Zinsstrukturkurve, die dann verkippt, wenn kurzfristige Anleihen besser rentieren als Langläufer. Was die Opec angeht, so kommt ein weiterer Aspekt hinzu: Anfang Dezember zeigten Daten des US-Energieministeriums, dass die USA nicht mehr nur Selbstversorger sind.

Ölpreis 2018 weit unter Langzeitprognosen

Erstmals seit 1948 ist das nationale Öl-Handelssaldo positiv. Amerika ist Exporteur und somit Konkurrent zum Ölkartell, dessen Einfluss schwindet. Mit Blick auf nächstes Jahr sollte ein echter Anstieg des Ölpreises wundern. Derzeit spricht wenig dafür.

Insgesamt ist es immer wieder aufschlussreich, das Preisniveau im langjährigen Rückspiegel abzugleichen. Nach der Finanzkrise lag der Ölpreis für Brent ab Mitte 2009 bis Ende 2014 dauerhaft über 65 US-Dollar. Dieses Niveau wurde danach trotz boomender Weltwirtschaft erst wieder 2018 erreicht. Ganze acht Monate hat es gehalten. Damit wurden auch frühere vorsichtige Langzeitprognosen widerlegt. So hatte vor zehn Jahren das Wirtschaftsforschungsinstitut DIW bis heute einen Preisanstieg auf über 200 US-Dollar pro Barrel erwartet. Es kam anders.


© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.