Online Handel Aktien: Es muss nicht immer Amazon sein

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Auf der Suche nach Aktien im Online Handel gibt es mehr als Amazon & Co. Hierzulande haben einige Anbieter ein hohes Aufholpotenzial. (Foto: cybrain / Shutterstock.com)

Es war eher eine mediale Randnotiz als kürzlich das Ende des beliebten Otto-Katalogs verkündet wurde. Nach 68 Jahren wird er demnächst eingestellt. Dabei geht es dem Versandhaus gut. Beim Einkaufen läuft eben nichts mehr ohne Mattscheibe. Wie sehr der Online-Handel zulegt, führt das Sterben der Shopping Malls in Amerika besonders krass vor Augen.

Dass der Megatrend für Anleger Chancen bietet, zeigt nicht nur die unvermeidliche Amazon Aktie. Im Online Handel der Internet-Marktplätze glänzt Ebay unverändert. Und wenig überraschend generiert Apple seine enormen Umsätze zum Großteil über eigene Vertriebskanäle im Internet.

Zweistelliges Wachstum

Da weltweit immer mehr Hersteller ihre digitalen Vertriebswege nutzen, gerät die Suche nach vielversprechenden Online-Handel-Aktien zum Endlosspiel. Wer sich nicht allein für die globalen Riesen interessiert, die längst auch in China aufkommen, kann sich am heimischen Markt orientieren. Hierzulande sind die Kaufgewohnheiten noch etwas traditioneller, entsprechend kommt der Online-Handel erst in Schwung.

Immerhin: Das Wachstum ist zweistellig. Im letzten Jahr wurde bereits jeder achte Euro im Einzelhandel übers Internet verdient. Die umsatzstärksten Unternehmen auf dem deutschen Markt finden sich im Ranking des Euro Handels Instituts (EHI). Unter den 15 größten rangieren nach Platzhirsch Amazon Namen wie Otto, Notebooksbilliger, Conrad oder Tchibo. Die Palette spiegelt die Tatsache, dass die größten Umsätze im Bereich Kleidung, Schuhe und Elektronik gemacht werden.

Weil über die Hälfte der Unternehmen nicht als Aktiengesellschaft firmieren, beschränkt sich dieser Bereich der Online-Handel Aktien nach Abzug von Amazon und Apple auf Media Markt und Saturn – sprich Ceconomy – sowie Zalando, H&M und Doc Morris.

Online Handel-Aktien am heimischen Markt

Die Internet-Apotheke Doc Morris boomt weiter. Letztes Jahr sind die Umsätze um 18 % auf 435 Mio. Euro gewachsen. Dabei gehört Doc Morris zum Schweizer Medizin-Lieferanten ZurRose, der vor einem Jahr in Zürich an die Börse ging. Weil die Übernahme der Online-Apotheke zunächst den Ertrag belastete, ist die ZurRose Aktie eine Investition in die Zukunft. Der Kurs zieht kräftig an, der Einstieg ist günstig.

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Amazon nimmt die nächste Branche ins VisierAmazon erweitert ständig sein Produkt-Angebot. Nach Lebensmitteln soll es jetzt eine eigene Marke für Sportbekleidung sein. Hier mehr dazu: › mehr lesen

Für Umsätze sorgen Elektronik und Rechner. Die vor einem Jahr von der Metro abgespaltete Ceconomy generiert von ihren insgesamt 10,58 Mrd. Umsatz 11,7 % übers Internet. Das entspricht ca. 1,24 Mrd. Euro, die über MediaMarkt.de und Saturn.de kommen. Im Vorjahreszeitraum lag der Online-Anteil noch bei 10,5 %. Ein Jahr nach Börsengang zeigt sich die Aktie allerdings in schlechter Verfassung. Der Margendruck ist extrem. Dennoch: Ceconomy hat Chancen auf einen Turnaround. Bis dahin jedoch könnte die Aktie vorübergehend aus dem MDax verschwinden.

H&M kommt auf rund 3 Mrd. Euro, die im Online-Handel umgesetzt werden. Das Bekleidungshaus kämpft gegen zunehmende Konkurrenten wie Zalando, will aber bis 2022 den digitalen Umsatz auf 7,25 Mrd. Euro steigern. Sollte dies gelingen, so wäre die bislang gebeutelte Aktie derzeit eine günstige Gelegenheit.

Bereits gut gelaufen ist das Papier von Zalando. Mit Modemarken schaffte der deutsche Online-Händler 2017 einen Umsatz von 4,49 Mrd. Euro. Im laufenden Jahr soll der Umsatz erneut zwischen 20 % und 25 % steigen. Zalando hat Zukunft.

Zusteller Deutsche Post holt wieder auf

Wer vom generellen Trend zu Online-Bestellungen profitiert, ist die Deutsche Post. Schließlich wird das Gros der Pakete von DHL ins Haus geliefert. Was das Bild trübt: Die Aktie hat seit ihren Höchstständen zu Beginn der Jahres gut ein Drittel verloren. Aktuell scheint sie den Boden erreicht zu haben. Das Papier bietet enormes Erholungspotenzial.

Zum Schluss dann doch noch ein Blick in die USA: Dort entwickelt sich der Online-Flohmarkt Etsy mit atemberaubender Geschwindigkeit. Als Marktplatz kommt die einzigartige Marke ohne Versandkosten und Preisabgleiche aus. Nach einigen Jahren Vorlauf werden seit letztem Jahr Gewinne gemacht. Die Umsätze steigen kontinuierlich im hohen zweistelligen Bereich.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.