Optionsscheine – eine aussterbende Gattung?

Der Derivatenmarkt in Deutschland wächst und wächst. Zertifikate und ETFs laufen Optionsscheinen den Rang ab. Eine Frage der Zeit?

Optionsscheine galten Anfang der Jahrtausendwende als die Produkte schlechthin, wenn es um schnelle Gewinne und spekulative Anlagen ging.

Dieses Thema beherrschte die öffentliche (Börsen-)Diskussion. Optionsscheine waren anders und für viele spannender als „nur“ Aktien zu handeln.

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Mittlerweile aber werden Optionsscheine immer weniger gehandelt. Dies hat mehrere Gründe.

Transparenz und Nachvollziehbarkeit

Eine „Spezialität“ von Optionsscheinen ist ihre Volatilität. Der Volatilität ist es zu verdanken, dass die Kursbewegung eines Optionsscheins teilweise konträr zu dem Basiswert verläuft.

Die Erklärung dafür: Sobald die Schwankungsintensität eines Basiswertes abnimmt, sinkt die Wahrscheinlichkeit einer positiven Kursentwicklung in die entsprechende Richtung. Also wird der Schein weniger wert.

In welchem Ausmaß die Volatilität jedoch Einfluss auf die Preisbildung nimmt, ist für den normalen Anleger nicht ersichtlich.

Ähnlich sieht es bei der Restlaufzeit aus. Je näher sich ein Optionsschein seinem Fälligkeitsdatum nähert, umso weniger wird er wert.

Auch hier steckt eine einfache Logik dahinter. Wenn der Schein weniger Zeit hat, in die positive bzw. erwartete Richtung zu laufen (analog zum Basiswert), so nimmt dieser ebenfalls an Wert ab.

Optionsscheine: Anleger lernen dazu

Durch anhaltende Kritik an intransparenten Finanzprodukten sowie aufgrund des Drucks der Emittenten, sich ständig selber neu zu erfinden und neue Märkte zu schaffen, rückten Zertifikate in den Fokus der Öffentlichkeit.

Erst recht nach der Finanzkrise und den zahlreichen Medienberichten über den Verkauf von unsachgemäßen Anlageprodukten durch Banken und Versicherungen haben die Anleger dazugelernt.

Kann man Optionsscheine jederzeit verkaufen?Optionsscheine lassen sich stets verkaufen, denn Banken stellen täglich An- und Verkaufskurse und nehmen Optionsscheine jederzeit zurück. › mehr lesen

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Die Transparenz des Produkts sowie des Emittenten ist mittlerweile mindestens genauso wichtig wie der mögliche Gewinn, der mit einem Zertifikat erzielt werden kann.

Der Anleger möchte selber nachvollziehen können, wie sich sein Derivat entwickelt, um mehr Kontrolle bei seinen Entscheidungen zu besitzen.

Optionsscheine verlieren an Sympathien – Zertifikate legen zu

Genau das ist auch der Grund, warum sich immer mehr Optionsscheinkäufer auf dem Weg zum Zertifikatemarkt befinden. Ebenfalls auf einschlägigen Finanzmessen steckt neben den CFD-Brokern und ETF Anbietern das Potential eindeutig in Zertifikaten.

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Hierbei ist aber nicht einfach nur die Rede von Zertifikaten, deren Basiswert eine bestimmte Aktie oder ein bestimmter Index ist.

Beispielsweise die Commerzbank, HSBC Trinkaus, die Royal Bank of Scotland oder die UBS bieten Zertifikate ganz unterschiedlicher Natur an.

Es werden mittlerweile zum Beispiel Produkte auf die Performance der 3D-Drucker-Industrie begeben oder aber Dividendentitel in einem Zertifikat gebündelt.

Die Kreativität ist hierbei nahezu unbegrenzt. Viele Anleger möchten für verschiedene Szenarien in allen möglichen Branchen investieren und das können Zertifikate deutlich besser abbilden als Optionsscheine.

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Von: Christian Klein. Über den Autor

Christian Klein hat durch eine Ausbildung in der Finanzbranche und ein anschließendes Studium mit Schwerpunkt BWL weitreichende Erfahrungen im Wertpapierhandel sammeln können. Aus persönlichem Interesse setzt er sich weiterhin mit Finanzpolitischen Themen sowie detaillierten Analysen auseinander. Als privater Anleger mit mehr als zehn Jahren Erfahrung befasst er sich mit technischer Analyse und deren Zusammenhang im täglichen Marktgeschehen.