Optionsscheine: So können Sie damit betrogen werden

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Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie Banken die Kurse von Optionsscheinen manipulieren können? Vielleicht haben Sie schon einmal […] (Foto: Trismegist san / Shutterstock.com)

Haben Sie sich auch schon einmal gefragt, wie Banken die Kurse von Optionsscheinen manipulieren können?

Vielleicht haben Sie schon einmal gelesen oder gehört, dass der Emittent an der “Vola-Schraube” gedreht hat?

Ich möchte Ihnen an dieser Stelle einmal zeigen, wie einfach ein Emittent Sie „über den Tisch ziehen“ kann.

Bitte beachten Sie: Es geht um von Banken emittierte Optionsscheine und nicht um Optionen, die transparent an Terminbörsen gehandelt werden.

3 wichtige Einfluss-Faktoren bei der Berechnung von Optionsscheinen

  1. Kurs des Basiswertes

Die Kursentwicklung des Basiswertes ist ein entscheidender Faktor für die Entwicklung des Optionsschein-Preises.

  1. Laufzeit des Optionsscheins

Je länger die Restlaufzeit eines Optionsscheins ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs des Basiswertes den erwarteten Kurs erreicht. Entsprechend sind Optionsscheine mit langer Laufzeit teuerer als die mit kurzer Laufzeit, bei ansonsten gleicher Ausstattung. Die Restlaufzeit des Optionsscheines ist also wichtig.

  1. Implizite Volatilität

Die für die Zukunft erwartete Volatilität (Schwankungs-Breite) wird „implizite Volatilität“ genannt. Diese lässt sich nur schätzen. Je höher diese geschätzt wird, desto teurer sind Optionsscheine. Umgekehrt gilt: Je niedriger die „implizite Volatilität“ geschätzt wird, desto billiger sind Optionsscheine. Hier kann der Emittent an der sogenannten “Vola-Schraube” drehen.

Weitere Einfluss-Faktoren

Es gibt weitere Einfluss-Faktoren für die Berechnung von Optionsscheins-Kursen, wie z. B. Dividenden und Zinsen. Diese führe ich nicht weiter aus, denn sie haben keinen großen Einfluss.

Beispiel für die Berechnung von Optionsscheinen

Ich möchte Ihnen nun anhand eines Beispiels zeigen, wie gravierend sich eine veränderte „implizite Volatilität“ auf den Optionsschein-Preis auswirkt.

Dazu wähle ich einen Call auf eine Muster-Aktie. Für einen Put gelten die hier gemachten Angaben entsprechend. Die Kurse habe ich mit einem Optionsrechner errechnet.

Berechnung Optionsschein:

  • Basiswert: Muster-Aktie
  • Aktueller Kurs der Aktie: 67 €
  • Optionstyp: Call
  • Laufzeit bis zum Verfallstag des Calls: 200 Tage
  • Basispreis des Calls: 72 €

Bei den folgenden Kursen des Calls sind alle obigen Angaben völlig unverändert. Ich verändere nur die „implizite Volatilität“.

  • Berechnung Optionsschein: Implizite Volatilität = 15% – Kurs des Calls: 1,30 €
  • Berechnung Optionsschein: Implizite Volatilität = 25% – Kurs des Calls: 3,15 €
  • Berechnung Optionsschein: Implizite Volatilität = 50% – Kurs des Calls: 8,00 €

Ein Call, gekauft bei einer impliziten Volatilität von 15%, legt um 515% zu, wenn die implizite Volatilität von 15% auf 50% steigt, ohne dass sich der Kurs des Basiswertes verändert.

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Optionsschein Bewertungstag Uhrzeit – zu diesem Zeitpunkt wird abgerechnetSollte man aus Versehen oder absichtlich allerdings einmal den Bewertungstag seines Optionsscheins erleben, kommen viele Fragen auf. › mehr lesen

Umgekehrt gilt aber auch, dass der Kurs eines Optionsschein ebenso deutlich fällt, wenn die implizite Volatilität stark rückläufig ist.

Berechnung der Optionsscheine erfolgt durch Schätzung

Bei Optionsscheinen wird die implizite Volatilität vom Emittenten geschätzt.

Berechnung von Optionsscheinen: Manipulations-Möglichkeiten

Bei dieser Schätzung sind die Emittenten an keine Richtlinien, Vorgaben oder gar Vorschriften gebunden.

D. h.: Mittels ihrer Schätzung der impliziten Volatilität können sie die Kurse von Optionsscheinen beliebig nach oben oder unten treiben.

Plakatives Beispiel für Manipulation

Die Bank emittiert 100.000 Optionsscheine. 0 sind verkauft. Alle sollen von Anlegern gekauft werden. Also schätzt der Emittent die implizite Volatilität auf 50%.

  • Verkaufspreis = 8,00 €.

Nach kurzer Zeit sind alle 100.000 Optionsscheine verkauft. Der Kurs des Basiswertes (Aktie) hat sich nicht verändert. Der Emittent schätzt die implizite Volatilität auf 15%.

  • Rücknahmepreis = 1,30 €.

So auffällig, wie gerade aufgezeigt, läuft es natürlich nicht ab. Die Banker sind ja nicht dumm.

Aber sagen wir einfach einmal: Die implizite Volatilität wird so geschätzt, dass die Optionsscheine beim Verkauf 3% teurer sind als bei der Rücknahme – das merkt kaum jemand.

Und für die Banken ist es ein absolut sicheres Geschäft; die Bank hat zum Nachteil des Anlegers an der Vola-Schraube gedreht.

Bei Optionen gibt es keine Manipulation

Bei den manipulations-geschützten Optionen (im Unterschied zu Optionsscheinen) hat die implizite Volatilität vergleichbaren Einfluss auf den Preis der Option.

Aber sie wird aus Umsätzen an der Terminbörse berechnet und nicht einseitig durch einen Emittenten und zum Nachteil der Anleger festgelegt.

Damit gibt es folglich auch keine Manipulations-Möglichkeit. Hinzu kommt außerdem noch ein weiterer Faktor:

Wäre der Preis einer Option zu hoch, sorgten Stillhalter (die verkaufen Optionen, die sie nicht im Depot haben) sofort für entsprechende Verkaufs-Umsätze.

D. h.: Eine theoretisch zu teure Option würde durch Angebot und Nachfrage sofort wieder auf einen fairen Kurs gebracht.

Meine Empfehlung ist ganz einfach: Handeln Sie die manipulationsgeschützten Originale, die Optionen, statt der manipulierbaren Optionsscheine!


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Rainer Heißmann
Von: Rainer Heißmann. Über den Autor

Rainer Heißmann ist Autor für Wirtschafts- und Börsenfachpublikationen. Mit Heißmanns Börsenkommentar bringt er wochentäglich die Börse auf den Punkt. Seine Stärke: Komplexe Sachverhalte so zu erklären, dass sie jedem verständlich und nachvollziehbar werden.