Oracle-Aktie: Amazon wendet sich ab

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Auch die jüngsten Zahlen vormochten Oracle-Skeptiker nicht zu überzeugen. Woran liegt das? (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Der führende Datenbank-Spezialist Oracle konnte im jüngsten Quartal mit guten Zahlen überzeugen – zumindest auf den ersten Blick. Nach einer starken Eröffnung zu Handelsbeginn verzeichnete die Oracle-Aktie aber nur ein kleines Kursplus. Doch warum sind Investoren bei der Oracle-Aktie weiter skeptisch? Ein näherer Blick auf die Ergebnisse im jüngsten Quartal:

Der US-Softwarespezialist hatte mit 0,80 US-$ je Anteil (+19 % gegenüber dem Vorjahr) die Gewinnerwartungen (78 US-Cent) leicht übertroffen und den Nettogewinn um 5,4 % auf 3,33 Mrd. US-$ gesteigert, doch das Umsatzwachstum ließ erneut zu wünschen übrig.

Oracle konnte mit 9,56 Mrd. US-$ gerademal ein Nullwachstum melden, während die Erlöse in konstanter Währung um 2 % zugelegt hätten. Aber nicht nur das schleppende Umsatzwachstum sollte Anleger stutzig machen.

Oracle gibt Rekordsummen für den Rückkauf eigener Anteile aus

Auch der Umstand, dass die positive Gewinnentwicklung auch begünstig durch ein massives Aktienrückkaufprogramm war, sollte Anleger hellhörig werden lassen.

Oracle hatte im jüngsten Quartal 10 Mrd. US-$ für den Rückkauf eigener Aktien ausgegeben, insgesamt flossen in den letzten 12 Monaten nahezu 29 Mrd. US-$ in den Aufkauf eigener Aktien – ein Rekord. Zum Verständnis für Anleger: Je mehr Oracle in den Rückkauf eigener Aktien investiert, desto höher fällt tendenziell der Nettogewinn pro Aktie aus, da die Anzahl der ausstehenden Aktien sinkt.

Oracle Aktie – So schlägt sich das Unternehmen in der Cloud

Das gesamte Cloud Service- und Softwarelizenz-Geschäft kletterte um 1 % auf 7,9 Mrd. US-$. Das Cloud-Servicegeschäft inklusive Support-Erlöse steuerte allein 6,6 Mrd. US-$ bei.

Laut Oracle zogen nahezu 100 Enterprise Resource Planning (ERP) Kunden in die Cloud um. Oracle hält eigenen Angaben zufolge etwa einen Marktanteil von 50 % im Datenbankmarkt und will alle Oracle Datenbankkunden in die Oracle Cloud migrieren.

Amazon kehr Oracle den Rücken und setzt auf eigene Datenbank

Doch offenbar machen nicht alle Oracle-Kunden mit. Der weltgrößte Online-Händler Amazon hatte in Form von AWS-Chef Andy Jassy jüngst öffentlichkeitswirksam mitgeteilt, dass sich Amazon von Oracle-Datenbanken verabschieden wird.

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Schon bis Ende 2019 will Amazon mit 97 % aller unternehmenskritischen Datenbanken auf die eigene Lösung Amazon DynamoDB bzw. Amazon Aurora umgezogen sein, so Jassy. Derzeit laufen noch etwa 88 % der Amazon-Datenbanken auf Oracle.

Schon am 1. November war Amazon mit seinen Daten (Data Warehousing) von Oracle auf seinen eigenen Service (Redshift) umgezogen. Amazon nennt als Grund für diesen Schritt Kosteneinsparungen, zudem will man sich mehr Unabhängigkeit von Oracle verschaffen.

Fazit: Es gibt wohl bessere Alternativen zur Oracle-Aktie

Oracle-Mitgründer und Cheftechniker Larry Ellison widerspricht der These von Amazon, wonach der Umzug auf Amazon Datenbanken zu Kosteneinsparungen führt. Vielmehr bezeichnete der Oracle-Manager Amazons Aurora und Redshift als „sehr alte Systeme“.

Allerdings ist auch klar, dass der Oracle-Manager sein Unternehmen und dessen Produkte naturgemäß verteidigt. Macht das Beispiel von Amazon Schule, drohen Oracle nämlich Marktanteilsverluste.

Allerdings dürfen Anleger ein wichtiges Detail nicht übersehen. Zwar rechnen die wenigsten Marktbeobachter damit, dass viele Kunden Oracle-Datenbanken komplett den Rücken kehren. Dennoch besteht die Wahrscheinlichkeit, dass viele Kunden ihre Abhängigkeit von Oracle weiter reduzieren werden. Doch warum?

Weil Oracle für Cloud-Anwendungen nicht die erste Wahl ist, da Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und Google Cloud ein sehr viel größeres Angebot an Cloud-Services bieten. Hier geht es vor allem um das Stichwort vertikale Skalierung, ein Thema, das für Unternehmen in einer technisierten Welt immer wichtiger wird.

Kurzum: Es gibt in der Cloud bessere Alternativen als die Oracle-Aktie. Als interessante Aktien sind hier neben Microsoft insbesondere Salesforce und Workday zu nennen, die zuletzt mit deutlich stärkeren Wachstumsraten aufwarten konnten als Oracle.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands