Oracle Aktie: Warum der Datenbankriese alles auf die Cloud setzt

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Oracle geht in der Cloud in die Offensive. Das ist auch notwendig, denn die Konkurrenz schläft nicht. (Foto: josefkubes / shutterstock.com)

Das US-Softwarehaus Oracle musste zuletzt einen Rückschlag einstecken, nachdem Co-Chef Mark Hurd mit 62 Jahren verstarb. Der ehemalige HP-Boss war seit September 2014 gemeinsam mit Safra Catz in der Führungsposition bei Oracle. Seit dem Vormonat führen Catz und Oracle-Gründer Larry Ellison den Datenbankspezialisten.

Oracle kämpft seit einiger Zeit mit einer Wachstumsschwäche, nachdem immer mehr Unternehmen Arbeitsprozesse in die Cloud verlagern. Zwar hat Oracle nach wie vor einen großen Marktanteil bei relationalen Datenbanken, doch neue Cloud-Datenbanken von Amazon und MongoDB setzen Oracle unter Druck.

Die Oracle Aktie legte zwar auf 1-Jahressicht um 15 % zu, doch kein Vergleich zu der Entwicklung von MongoDB, dessen Aktien aufgrund des starken Wachstums um über 75 % zulegen konnten.

Warum Oracle jetzt alles auf die Cloud setzt

Daher verwundert es nicht, dass Oracle jetzt reagiert und die Flucht nach vorn antritt. Um sein Cloud-Infrastrukturgeschäft zu stärken, will Oracle 2.000 Mitarbeiter weltweit einstellen.

Unter dem Strich sollen 20 neue Cloud Datenzentren bis Ende 2020 entstehen, um Kunden vor Ort besser zu betreuen. Die neuen Cloud-Zentren erhöhen die Präsenz Oracles dann auf insgesamt 36 Regionen. Mit diesem Schachzug will Oracle seine Position in dem auf 40 Mrd. US-$ taxierten Markt für Cloud Computing und Datenspeicher verbessern.

Oracle kann ersetzt werden

Datenbanken sind wichtig, benötigt heute fast jede große Anwendung eine derartige Lösung, um auf wichtige Daten zugreifen zu können. War Oracle im On-Premise-Zeitalter (Datenbanken liefen auf lokalen Rechnern) nur schwer angreifbar, hat sich das mit dem Cloud-Zeitalter dramatisch geändert.

Bestes Beispiel ist der Online-Händler Amazon. Die Consumer-Sparte (Amazon Prime, Alexa, Kindle, Audible etc.) hat nach Jahrzehnten vor wenigen Tagen die letzte Oracle Datenbank abgeschaltet. Stattdessen setzt Amazon auf seine eigene Cloud-Datenbank, welche die Infrastruktur der Tochter Amazon Web Services (AWS) nutzt.

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Ergebnis der Umstellung: Nach der Mitgration von 7.500 Oracle Datenbanken auf verschiedene AWS-Datenbanken konnte Amazon die Datenbank-Kosten um mehr als 60 % drücken. Die Verzögerungszeiten (Latenzen) von Anwendungen haben sich um 40 % reduziert und waren damit schneller aufrufbar.

Gleichzeitig hat der Wechsel dazu geführt, dass der Personalüberhang im Zusammenhang mit der Verwaltung von Datenbanken (Administratoren) um bis zu 70 % reduziert werden konnte.

Realisiert wurde dies über Datenbank-Services wie Amazon DynamoDB, Amazon Aurora, Amazon RDS und Amazon RedShift. Diese Produkte bietet der Online-Händler auch anderen Unternehmen an und ist damit zu einem ernsthaften Konkurrenten zu Oracle avanciert.

Fazit: Oracle ist unter den Cloud-Aktien nur die zweite Wahl

Die Zahlen für das letzte August-Quartal zeigen einmal mehr, dass Oracle weiter Wachstumsprobleme hat. Während der Gesamtumsatz nur um 1 % auf 9,2 Mrd. US-$ wuchs, zog das Cloud-Geschäft inklusive Support-Erlöse gerade einmal um 4 % auf 6,8 Mrd. US-$ an.

Andere Cloud-Spezialisten wie Microsoft, Amazon und direkte Konkurrenten wie MongoDB wachsen deutlich schneller als Oracle. Die von Oracle angekündigte Investitionsoffensive in der Datenwolke kommt vermeintlich spät. Gleiches gilt für die Vereinheitlichung der Oracle Cloud Produkte. Ob sich Oracle im Datenbank-Markt behaupten kann, wird sich in den nächsten Jahren zeigen.

Anleger dürften mit innovativeren Cloud-Spezialisten wie Amazon und Microsoft langfristig besser fahren. Für spekulativ orientierte Anleger mit Mut zum Risiko ist auch die MongoDB Aktie einen näheren Blick wert.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands