OTC-Handel – Definition, Arten & Ablauf

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Der OTC Handel bezeichnet den außerbörslichen Handel von Wertpapieren und bietet auch für den Privatanleger viele Vorteile. (Foto: lassedesignen)


OTC-Handel in der Übersicht

Definition: Außerbörslicher Handel mit Wertpapieren

Unterschiede zur Börse: Weniger gesetzliche Regulierungen als an der Börse, kaum Aufsicht der Behörden

Arten: Handel von börsennotierten Wertpapieren, Handel von außerbörslichen Finanzderivaten

Ablauf: Anfrage des Käufers beim Online-Broker, Kurs Weitergabe, Order beim Verkäufer, Annahme oder Ablehnung

Gesetzeslage: Neue gesetzliche Vorgaben in der EU nach Schock der Finanzkrise


Das Umsatzvolumen der OTC-Geschäfte hat sich seit Anfang der 1990er Jahre vervielfacht. Die steigende Beliebtheit des OTC-Handels führt der Finanzwelt deutlich vor Augen, dass außerbörsliche Geschäfte für viele Käufer und Verkäufer eine attraktive Alternative zur Börse darstellen. Doch worum genau handelt es sich beim OTC-Handel und was unterscheidet ihn vom regulären Handel an der Börse? Welche Vorgänge sind mit dem direkten Handel verbunden und welche Rollen nehmen Käufer, Verkäufer und Online-Broker ein?

Für potenzielle Anleger lohnt es sich außerdem, Vor- und Nachteile des OTC-Handels abzuwägen und die dazugehörigen gesetzlichen Richtlinien zu kennen. All diese Fragen gilt es für Privatanleger zu beantworten, um herauszufinden, ob der OTC-Handel eine sinnvolle Alternative zum Börsenhandel darstellen kann.

Definition: Was ist der OTC-Handel?

Der OTC-Handel wird in Deutschland auch als Freiverkehrshandel oder Direkthandel bezeichnet. Das Kürzel OTC steht für „Over the Counter” („über den Tresen”). Gemeint ist damit der außerbörsliche Wertpapierhandel. Grundsätzlich existieren zwei verschiedene Möglichkeiten, Wertpapiere zu handeln, zwischen denen unterschieden wird. Hierbei handelt es sich auf der einen Seite um den börslichen Handel und auf der anderen Seite um den außerbörslichen Handel.

Der Unterschied des OTC-Handels zum traditionellen Börsenhandel besteht darin, dass der Anleger und beispielsweise der Broker als Gegenpartei „unter sich” sind. Aus diesem Grund werden diese Geschäfte auch als Direktgeschäfte (passend zu “over the counter”) bezeichnet. Der Umgang mit dem OTC-Handel, vor allem die fehlende Kontrolle sowie mangelnde Markttransparenz, stand in den letzten Jahren oft unter Kritik. Dies führte zu gesetzlichen Regulierungen innerhalb der EU.

Definition: Was sind Dark Pools?

Unter Dark Pools versteht man interne Handelsplattformen von Börsen oder Banken, auf denen Finanzinstrumente anonym gehandelt und abgewickelt werden. Es handelt sich um einen Handel mit Finanzprodukten, der außerhalb der Börse stattfindet.

Dementsprechend unterliegen Dark Pools nicht den Regeln, die an europäischen Handelsgeschäften der Börsen gelten. Dies macht sich vor allem in einer fehlenden Transparenz der Vorgänge und Preise bemerkbar. Aus diesem Grund ist es für Händler schwierig, einen vergleichenden Blick über verschiedene Kosten zu bekommen. Diese stammen in der Regel aus dem Spread, also der Differenz zwischen Geldkurs und Briefkurs. Vor allem Großbanken setzen bei Handelsaufträgen großer Investoren und beim Hochfrequenz-Handel von Finanzinstrumenten oftmals auf eine Order-Erfüllung in einem internen Dark Pool.

Zahlen & Fakten

Dark Pools machen im Jahre 2019 einen substanziellen Anteil am weltweiten Handelsvolumen aus. Seriöse Untersuchungen und Schätzungen kommen zu dem Schluss, dass etwa 15 % des US-amerikanischen und 6 % des europäischen täglichen Handelsvolumens über Dark Pools abgewickelt werden. Die Europäische Zentralbank EZB veröffentlichte in einem Bericht im Juli 2017, dass unter 10 % des europäischen Handelsvolumens über Dark Pools läuft.

Abgrenzung von außerbörslichen Handelsplätzen

Um Wertpapiere und vor allem Derivate over the counter zu handeln, gibt es zusätzlich die Option, auf außerbörsliche Handelsplätze zurückzugreifen. Auf ihnen werden den Anlegern ähnliche Konditionen wie beim OTC-Handel geboten.

Es sollte allerdings beachtet werden, dass diese Handelsplätze nicht dem klassischen Direkthandel zuzuordnen sind, da es sich streng genommen laut Definition um eine Art von Börse mit Börsengebühren und Markttransparenz handelt. Aus diesem Grund werden sie wie Börsen beaufsichtigt und bieten nicht die gleichen Vorteile wie der OTC-Handel.

Unterschiede vom OTC-Handel zur Börse

Beim OTC-Handel gelten nicht die Regeln, die an der Börse geläufig sind. Obwohl die gesetzlichen Bestimmungen zum Handel mit Wertpapieren gelten, herrscht keine Aufsicht der Börsen- oder Finanzaufsichtsbehörde. Das Ausmaß der Kontrolle ist dementsprechend beim OTC-Handel deutlich geringer als an der Börse. Des Weiteren stehen Anleger und Vermittler beim OTC-Handel, anders als beim Börsenhandel, in direkter Beziehung.

Ein entsprechendes Kaufgesuch wird direkt mit der Verkaufsorder eines anderen Marktteilnehmers als Handelspartner zusammengebracht. Dies bedeutet, dass genügend Liquidität vorherrschen muss, damit der Direkthandel vonstattengehen kann. Dies ist einer der Gründe, warum Banken vermehrt auf Dark Pools setzen, um die unterschiedlichen Kauf- und Verkaufsorders miteinander abzurechnen.

Allgemein gibt es beim OTC-Handel deutlich weniger Beschränkungen in Bezug auf die jeweiligen Finanzprodukte. Als Folge fallen zwar auf der einen Seite geringere Börsengebühren als beim Handel an der Börse an, auf der anderen Seite geht der Marktteilnehmer einhöheres Risiko ein. Dies beruht vor allem auf der fehlenden Transparenz des OTC-Handels. Des Weiteren fallen die Handelszeiten beim OTC-Handel generell länger als beim Börsenhandel aus.

Hinweis

Beim außerbörslichen Handel sind die Marktteilnehmer nicht auf die Beschränkung der Börsenzeiten angewiesen. In Abhängigkeit der gewählten Plattform steht mindestens die Handelsmöglichkeit von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr zur Verfügung. Es gibt ebenfalls OTC-Handel, der am Wochenende stattfinden kann.

Arten des OTC-Handels

Der OTC-Handel teilt sich in mehrere verschiedenen Arten des Handels auf. Zunächst gibt es den außerbörslichen Handel mit regulären börsennotierten Wertpapieren. Dies wird zum einen dann vermehrt genutzt, wenn die beteiligten Handelspartner das Geschäft nicht der Öffentlichkeit preisgeben wollen. Zum anderen bietet sich der OTC-Handel mit börsennotierten Wertpapieren an, wenn derHandel außerhalb der offiziellen Börsenzeiten, das bedeutet vor 9:00 Uhr oder nach 17:30 Uhr durchgeführt werden soll. Die Beteiligten können sich zusätzlich die Börsenspesen sparen. Meist finden diese Geschäfte in Dark Pools statt.

Daneben wird der außerbörsliche Handel für Finanzderivate genutzt, die nicht dem Standard entsprechen. Darunter fallen zum Beispiel exotische Optionsscheine. Investment-Beteiligungen von Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind, gehören zum OTC-Handel. Zuletzt bietet sich die Möglichkeit, Wertpapiere zu handeln, die keine Börsenzulassung erhalten haben.

OTC Handel Arten

Was kann außerbörslich gehandelt werden?

Der Direkthandel betrifft vor allem börsennotierte Wertpapiere, die außerbörslich gehandelt werden. Eine weitere Form des Handels findet mit Finanzderivaten, welche nicht über eine standardisierte Spezifikation verfügen, statt. Darunter fallen verschiedene OTC-Optionen. Des Weiteren betrifft der Direkthandel die Wertpapiere, welche an der Börse nicht gehandelt werden, da sie hierfürnicht zugelassen sind.

Ein Beispiel für den außerbörslichen Handel betrifftZertifikate. Diese werden aus dem Grund bevorzugt direkt gehandelt, dass eine Absicherung des Zinsänderungsrisikos beim OTC-Handel deutlich einfacher zu erlangen ist als an der Börse. Die wichtigsten Derivatformen, die außerbörslich gehandelt werden, sind Forwards, Swaps und OTC-Optionen.

Zahlen & Fakten

Derivate zählen zu den relevantesten Finanzprodukten weltweit. Laut dem Deutschen Derivate Verband DDV betrug alleine das Marktvolumen für Zertifikate in Deutschland zum Juni 2019 73,5 Mrd. €. Knock-Out Produkte und Optionsscheine machen dabei über 80 % der Hebelprodukte aus.

Ablauf beim OTC-Handel

OTC Handel Ablauf

Die Vorgänge des OTC-Handels zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass sie kostengünstig und schnell durch eine direkte Vermittlung ablaufen. Eine Voraussetzung für den Zugriff auf den direkten Handel ist für Privatanleger ein Online-Broker. Dieser nimmt die Position des Vermittlers ein. Zunächst stellt der Anleger eineAnfrage zu einem Finanzprodukt bei einem OTC-Broker. Ob es sich um eine Long- oder eine Short-Position handelt, ist hierfür irrelevant. In der Regel findet die Anfrage über das digitale Portal des Online-Brokers statt. In seltenen Ausnahmefällen bieten Broker Telefonhandel noch an.

Daraufhin stellt der Broker den jeweiligen Kurs fest und leitet die jeweiligen Informationen an den Käufer weiter. Ist der Käufer zufrieden mit dem Kurs und willigt in den Handel ein, erhält der Broker von ihm die passende Order. Diese wird vom Broker an den Verkäufer weitergeleitet. Der Verkäufer kann in diesem Fall Emittent von Wertpapieren, Privatanleger oder gewöhnlicher Händler sein.

Bei Kursänderungen am Finanzmarkt zu Ungunsten des Verkäufers bleibt diesem bis zu diesem Zeitpunkt die Option, den Handel nicht einzugehen. Da sich die Kurse innerhalb von wenigen Sekunden verändern können, ist dies schnell der Fall. Ist er mit der Order einverstanden, erfolgt sie daraufhin in einer sehr kurzen Zeitspanne. In der Regel dauert die Abwicklung der Order ein paar Sekunden bzw. Minuten.

Hinweis

Bei vielen OTC-Brokern ist es üblich, dass diese bei kleineren Positionen den Gegenpart zum Anleger einnehmen. Um eine genügend große Liquidität zu gewährleisten, fungieren viele Broker ebenfalls als Market Maker und damit als Gegenpartei.

Was sind OTC-Broker?

OTC-Broker agieren als Vermittler im OTC-Handel. Ohne Online-Broker ist der OTC-Handelfür Privatanleger nicht möglich. Sie ermöglichen Privatanlegern die Option, direkte Geschäfte mit Maklern oder Emittenten zu machen. Dieser Prozess läuft primär online ab. Anfragen des Anlegers gehen beim OTC-Broker ein, welcher daraufhin den Preis, den der Emittent angibt, an den Anleger weitergibt.

Nicht alle Broker bieten den OTC-Service an. Im Zweifelsfall sollte geklärt werden, ob der Broker einen direkten Handel mit Marktteilnehmern ermöglichen kann. Im Internet bieten mehrere Websites die Möglichkeit, sich über verschiedene Online-Broker zu informieren und stellen Vergleiche zwischen Brokern an.

Vorteile & Nachteile des OTC-Handels für Privatanleger

Inzwischen bieten viele Online-Broker Privatanlegern die Möglichkeit, Wertpapiere außerbörslich zu handeln. Dies hat für Privatanlieger sowohl Vor- wie auch Nachteile. Um zu entscheiden, ob der OTC-Handel eine geeignete Alternative zum Börsenhandel darstellt, sollten Privatanlieger diese Vor- und Nachteile bewusst abwägen.

OTC Handel Pro und Contra

Vorteile vom OTC-Handel:

  • Neben einem schnellen Direkthandel von Aktien, Optionen, Zertifikaten, Fonds und Anleihen profitiert der Anleger zusätzlich durchfehlende Gebühren, die beim traditionellen Handel normalerweise anfallen würden. Besonders für aktive Händler ist dies ein wichtiger Vorteil, da Trader oft mehrmals am Tag Wertpapiere kaufen oder verkaufen.
  • Grundsätzlich sind wegen der geringen Nebenkosten Handelsgeschäfte im OTC-Bereich kostengünstiger als traditionelle Börsengeschäfte. Rein finanziell scheint der OTC-Handel für Privatanleger dementsprechend äußerst attraktiv.
  • Ein weiterer Vorteil des außerbörslichen Handels ist, dass das gehandelte Produkt gemäß individueller Absprachen modifiziert oder angepasst werden kann.
  • Darüber hinaus stehen für Privatanleger im OTC-Handel längere Handelszeiten zur Verfügung. In der Regel können die meisten Wertpapiere von 8:00 Uhr bis 22:00 Uhr gehandelt werden.

OTC-Handel Nachteile:

  • Wenngleich der OTC-Handel viele Vorteile für den Privatanleger bietet, sind die Nachteile nicht zu unterschätzen. Ein Nachteil gegenüber dem traditionellen Börsenhandel besteht darin, dass die festgelegten Kurse kaum einer Kontrolle unterliegen. Diese geringe Kontrolle und fehlende Aufsicht kann in einigen Fällen als riskant angesehen werden.
  • DieTransparenz leidet ebenfalls, da Privatanleger die Aufträge nicht in einemOrderbuch nachverfolgen können.
  • Des Weiteren sindLimit-Orders bei manchen Brokern eingeschränkt möglich und die Liquidität ist oft geringer als beim traditionellen Börsenhandel. Inzwischen bieten einige Broker die verschiedensten Limitvarianten im OTC-Handel an. Angefangen von Stopp-Loss Aufträgen und Trailing Stopps bis hin zu komplexen verbundenen Orderketten.

Gesetzeslage zum OTC-Handel in der EU

Um die gesetzlichen Richtlinien des OTC-Handels gab es in der Vergangenheit einige Diskussionen. Ausgelöst durch die Finanzkrise und die damit verbundenen negativen Erfahrungen sollten die Überwachung und die Transparenz des OTC-Handels verbessert werden. Um dieses Ziel zu verwirklichen, einigten sich die europäischen Staaten auf verschiedene gesetzliche Vorgaben. Die EU entwickelte als Pendant zum US-amerikanischen Dodd-Frank-Act (DTA) die European-Market-Infrastructure-Regulation-Verordnung (EMIR).

Inhalt der EMIR:

  • Es herrscht eine Meldepflicht aller Transaktionen mit Derivaten an legitimierte Register.
  • OTC-Derivate, die als standardisiert und für ein zentrales Clearing qualifiziert angesehen werden, müssen auf geregelten Handelsplattformen gehandelt werden. Die Abwicklung muss als Clearingmitglied oder indirekt als Klient eines Clearingmitglieds über einen zentralen Kontrahenten (CCP) erfolgen.
  • Festgelegte Risikominderungstechniken und bestimmte Margin-Regelungen müssen als Grundlagen des Risikomanagements gelten.

Zur Einhaltung dieser Regulierungen bieten verschiedene Firmen den betroffenen Unternehmen Beratung und Unterstützung an. Seriöse Online-Broker lassen sich daran identifizieren, dass sie diese Punkte transparent nach außen umsetzen.

Hinweis

Seit der ESMA-Regulierung in 2018 sind insbesondere für den Handel von Contracts for Difference (kurz: CFD) detaillierte Margin-Regeln erlassen worden. Privatanleger erhalten auf viele typische Indexwerte wie den DAX30 einen Maximalhebel von 1:20. Dies dient dem Schutz der Anleger.

Fazit zum OTC-Handel

Der OTC-Handel führte zu einer Verlagerung des Handels dahin, dass er mehr und mehr abseits der Börsen stattfindet. Weder Vor- noch Nachteile des OTC-Handels überwiegen stark, ob der OTC-Handel für einen Privatanleger sinnvoll ist, entscheidet sich stark nachindividuellen Präferenzen. Wenn man zum Beispiel großen Wert auf Transparenz legt, ist der OTC-Handel nicht die ideale Wahl. Trotz der zweifellos vorhandenen Nachteile ist der OTC-Handel für Privatanleger interessant. Dies gilt vor allem füraktive Trader, die außerhalb der Börsenzeiten flexibel Handel betreiben möchten.

Ob der OTC-Handel eine gute Option für einen Anleger ist, hängt also von mehreren Faktoren ab. Bei Interesse am OTC-Handel sollten sich Privatanleger am besten bei ihrem Broker über angebotene Möglichkeiten informieren. Da es Online-Broker wie Sand am Meer gibt, lohnt es sich, Vergleiche zwischen ihnen anzustellen, um den passenden Broker zu finden. Beachtet man all dies, steht dem erfolgreichen OTC-Handel nichts mehr im Wege.

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Von: David Gerginov. Über den Autor

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