Papiere von Pleiteunternehmen: Was macht man mit Insolvenz-Aktien?

Die Pleite von Air Berlin ist ein Trauerspiel. Am Ende hatte die Airline gerade noch 20.000 € Bargeld. Vom Verschwinden des Mitbewerbers profitiert vor allem die Lufthansa. Innerhalb Deutschlands werden Flüge deutlich teuerer.

Schlimm hat es auch Aktionäre erwischt. Wer vor fünf Jahren einstieg, hat mit 97,6 % fast alles verloren. Fast, denn bei einer Insolvenz sind Aktien nicht automatisch komplett vom Fenster.

Auch Aktien von insolventen Unternehmen kosten Börsengebühren

Praktiker, Holzmann, Walther Bau – Unternehmenszusammenbrüche gab und gibt es immer wieder. Doch wie geht es nach einer Insolvenz mit Aktien weiter? Zunächst: Eine Insolvenz ist noch keine Schlussliquidation. Solange Geld vorhanden ist, um die Kosten für eine Börsenlistung zu bezahlen, muss in der Insolvenz die Aktie nicht gleich vom Kurszettel verschwinden. Air Berlin jedenfalls hat noch kein Delisting vorgenommen.

Ob es reicht, die gut 12.700 € im Jahr allein für die Börse Frankfurt zu tragen, bleibt abzuwarten. Wenn nicht, wird die Börse von selbst aktiv und trägt die Aktie sozusagen von Amts wegen aus: das „kalte Delisting“. Es sei denn, sie befreit das Unternehmen ausnahmsweise von den Gebühren, weil die Kasse der Liquidations-AG vorübergehend leer ist.

Doch auch wenn eine AG den Rückzug, sprich Widerruf der Börsenzulassung beantragt, weil schon die Publikationsverpflichtungen zur Last werden, lebt das zerfetzte Papier noch eine Weile weiter. Einige Monate können bis zur Suspendierung vergehen. Was dann aber nicht automatisch ein Delisting an weiteren Regionalbörsen bedeutet.

Beispiel: Holzmann-Papier noch immer aktiv

Planbar ist eigentlich nichts. Je nachdem wie der Insolvenzverwalter verfährt und welche Ansprüche bzw. Verpflichtungen vorhanden sind oder auftauchen, kann eine Aktie noch Jahre als lebende Leiche an der Börse weiterleben. Bei der Baumarktkette Praktiker etwa hat es vom Insolvenzantrag 2013 bis zum Mai dieses Jahres gedauert. Die Aktie der Bremer Vulkan-Werft war noch zehn Jahre nach der Pleite gelistet. Und die Aktie des einst größten Bauunternehmens Holzmann wird seit der Insolvenz 2002 nach wie vor gehandelt.

Und das erstaunlich rege. Im Pennystock-Bereich gibt es neben Altaktionären genügend Trader, die zusteigen, auf die große Wende spekulieren oder immer wieder den Kurs treiben. Entsprechend zackig sieht der Kursverlauf aus. Die Ausschläge sind mitunter extrem.

Die Holzmann-Aktie etwa notierte am 2. Januar dieses Jahres bei 0,015 €, zwei Tage darauf waren es mit 0,060 € vier Mal so viel. Stunden später war wieder das alte Niveau erreicht. Wer ruhig blieb, machte nichts falsch. Immerhin brachte das Zombie Papier auf Fünfjahressicht 450 % Plus. Auch von Praktiker wurden noch vor fünf Jahren täglich rund 5 Mio. Aktien gehandelt.

Zocken mit Zombies

Der kleine Einsatz lockt Zocker an. Auf Online-Foren wird mehr über Pennystocks gesprochen als über reguläre Aktien wie Daimler, Infineon oder andere. Viele der „heißen Tipps“ dienen aber nur dazu, Käufer anzulocken, den Kurs zu pushen und dann schnell Kasse zu machen. Als unbedarfter Anleger lässt man besser die Finger davon. Hartgesottenen Glücksrittern indes kann das Spiel Spaß machen.

Übrigens: Wer auf eine Vorwarnung der Bank zum bevorstehenden Delisting wartet, tut dies vergebens. Das früher übliche „faire Kaufangebot“, das die AG ihren Aktionären vorab unterbreiten musste, ist nach einem entsprechenden BGH-Urteil 2014 entfallen. Eine Ad-Hoc-Mitteilung des Vorstands genügt seitdem. Um alle Informationen muss sich ein Anleger selbst kümmern. Die Bank informiert, wenn es zu spät ist und der Depotauszug einen Kurs von Null anzeigt: „Ausbuchung wegen Wertlosigkeit“.


Aktienstudie
Zum Jahresstart in diese 3 Werte investieren

Wer 2017 noch nicht zugeschlagen hat, sollte diese Werte spätestens zum Jahresstart 2018 ins Depot überführen. Wir erklären, welche 3 Werte Sie jetzt brauchen, um erfolgreich ins neue Jahr zu starten und satte Gewinne zu realisieren.

Klicken Sie jetzt hier, um sich "3 Top-Aktien 2018" GRATIS zu sichern! ➜


28. November 2017

© Verlag für die Deutsche Wirtschaft AG, alle Rechte vorbehalten
Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

10 Dividendenaktien, deren Dividende IMMER steigt