PayPal: Was bedeutet die iZettle-Übernahme?

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PayPal geht mit der iZettle-Übernahme in die Offensive – Was ist der Grund und was bedeutet das für Anleger? (Foto: BigTunaOnline / Shutterstock.com)

Der Fintech-Markt ist in Bewegung. Das Beste Beispiel ist die aktuelle Übernahme des schwedischen Fintech-Start-ups iZettle durch den Online-Zahlungsriesen PayPal. Die ehemalige eBay-Tochter legt 2,2 Mrd. US-$ auf den Tisch, um iZettle zu übernehmen.

Doch warum zahlt PayPal mehr als 2 Mrd. US-$ für ein kleines Start-up aus Europa? Und vor allem: Was sind die Auswirkungen auf die PayPal-Aktie? Dazu ein näherer Blick auf iZettle.

iZettle – Was steckt hinter dem Unternehmen?

iZettle wurde im Jahr 2010 gegründet und hat seinen Hauptsitz in Stockholm/Schweden. Das Start-up bietet mit iZettle Go ein mobiles Kassensystem an, mit denen kleine und mittlere Unternehmen ihr Smartphone oder Tablet im Handumdrehen in ein Kassensystem verwandeln und damit einfach und bequem Zahlungen (bar, per Karte, auf Rechnung) annehmen können.

Geschäfte können aber auch den Kartenleser iZettle Reader erwerben und sind somit in der Lage, kontaktlose Zahlungen oder EC- und Kreditkarten anzunehmen. Ergänzt wird das Kassensystem und der iZettle Reader durch iZettle E-Commerce, eine einfache Online-Verkaufsplattform, die sich auf der eigenen Webseite oder auf Facebook integrieren lässt.

iZettle ist mit seinen Produkten bereits stark in Europa und Südamerika vertreten und betreut dort rund 500.000 Läden in insgesamt elf Ländern (Frankreich, Deutschland, Brasilien, Mexiko etc.).

PayPal kauft iZettle – Die Gründe für die Übernahme

Der 2,2 Mrd. US-Dollar teure Zukauf von iZettle ist die bislang größte Übernahme in der Firmengeschichte von PayPal und soll im dritten Quartal 2018 abgeschlossen werden.

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Die Gründe für die Übernahme von iZettle liegen auf der Hand. PayPal will durch den Zukauf zum einen seinen Einfluss im stationären Handel erweitern und zum anderen mehr kleine und mittelgroße Firmenkunden ansprechen. Auf diese Weise will PayPal dem US-Konkurrenten Square den Wind aus den Segeln nehmen – Square ist zuletzt kräftig gewachsen und bietet ähnliche Lösungen wie iZettle an.

Darüber hinaus will sich PayPal mit der Übernahme von iZettle zu einem sogenannten One-Stop-Shop für Online-Zahlungslösungen entwickeln – also zu einem Haus, bei dem Unternehmen alles aus einer Hand erwerben können, was zur Zahlungsabwicklung benötigt wird.

Der Grund: Die Grenzen zwischen Online- und Offline-Handel verschwinden zunehmend, sogenannte Omnichannel-Lösungen sind mehr und mehr gefragt. Dies bedeutet, dass Firmen mit einer Lösung sowohl Online-, Mobile- und Offline-Vertrieb abdecken können.

Fazit: PayPal will sich breiter aufstellen

Mit der Übernahme von iZettle rüstet sich PayPal für die Zukunft und will dabei gleichzeitig den Rivalen Square auf Distanz halten. Der kleine US-Konkurrent ist zuletzt ebenfalls stark gewachsen und hat dabei auch von den Bedürfnissen von kleineren und mittleren Firmen nach einfachen Bezahllösungen profitiert. PayPal will in diesem Markt mit iZettle ebenfalls stärker Fuß fassen.

iZettle und PayPal ergänzen sich sowohl auf der Produkt- als auch auf der Vertriebsseite (Regionen), denn iZettle ermöglicht PayPal erstmals eine Präsenz im stationären Handel in elf neuen Märkten. Für 2018 rechnet PayPal mit einem zusätzlichen Umsatz von 165 Mio. US-$ durch den iZettle-Zukauf bei einem Zahlungsvolumen von rund 6 Mrd. US-$ – langfristig dürfte sogar ein noch höherer Umsatzbeitrag möglich sein.

Kurzum: Langfristig betrachtet stellt sich PayPal durch den iZettle-Zukauf breiter auf und versucht die aktuelle Fintech-Bewegung zu nutzen, um sein eigenes Ökosystem (PayPal One Touch etc.) zu kleinen und mittleren Firmen zu bringen. Damit bleibt die PayPal-Aktie auch weiter eine interessante Alternative für Anleger, die eine Aktie aus dem wachstumsstarken Fintech- und Zahlungsmarkt im Depot haben wollen.


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Mittermeier neu
Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands