Peugeot Aktie: Peugeot greift nach den Sternen

Die Peugeot Aktie ist auf dem Weg zu neuen Höhen wie seit Jahren nicht. Nach überwundener Krise beflügelt der Opel-Kauf. (Foto: dominic8 / Shutterstock.com)

Bei Firmenübernahmen wird es für Aktionäre spannend. In der Automobilbranche werden seit Februar die Karten wieder neu gemischt. Peugeot hat sich mit General Motors geeinigt: Die Amerikaner trennen sich nach fast 90 Jahren von der deutschen Tochter Opel. Peugeot kauft sie inklusive Finanzsparte  für 2,2 Mrd. €. Bis Jahresende soll der Deal abgeschlossen sein.

Peugeot Aktie seit vier Jahren vervierfacht

Ab Jahresbeginn stieg die Peugeot Aktie bis Anfang März um gut 25 % auf fast 20 €, so viel wie seit sechs Jahren nicht mehr. Völlig überraschend ist der Kauf eigentlich nicht. Peugeot und Opel hatten bereits vor Jahren eine Allianz angestrebt, von der die gemeinsame Produktion einiger Modelle übrig blieb. 2012 war VW an Opel interessiert, was aber an der Preisvorstellung von GM scheiterte.

Schon im Januar 2013 berichtete die Zeitung Le Monde, Peugeot verhandele mit GM, und zwar mit Rückendeckung durch die Regierung. Zuvor war GM im Rahmen einer strategischen Allianz mit 7% bei den Franzosen eingestiegen. Damals ging es schlecht bei Peugeot. Die Aktie notierte zeitweise unter 5 €. Peugeot richtete sich neu aus und begann unter dem neuen Chef Carlos Tavares, seine angeschlagene Traditionsmarke Citroën umzukrempeln.

Danach hielt sich die Aktie 2014 um die 10 €. Im Rahmen der Sanierung beteiligte sich 2015 der Staat mit 14 %. Citroën bekam eine neue Marke: DS. Die vormalige Produktlinie richtete sich eigenständig an eine anspruchsvollere Klientel. Die Verkaufszahlen zogen mit dem Premium-Segment unerwartet an, der Kurs sprang auf 19 €. Peugeot machte wieder Gewinne.

Vom Abgrund zur lang ersehnten Dividende

Tavares hatte Frankreichs Autobauer Nummer eins wieder auf Vordermann gebracht. Die Aktie lief besser als Daimler und VW. Ganz zur Freude der Aktionäre, zu denen neben dem französischen Staat der chinesische Autokonzern Dongfeng mit 14 % Beteiligung ebenso gehört wie die Familie Peugeot, die einen gleich hohen Anteil hält. Die restlichen 58 % befinden sich in der Hand von Mitarbeitern und im Streubesitz.

Dass PSA Peugeot Citroën, so die genaue Bezeichnung des Konzerns, nach Milliardenverlusten seine Krise bewältigen konnte, geht wesentlich auf zwei Faktoren zurück: der strategischen Arbeit der neuen Geschäftsführung unter Carlos Tavares und der Kapitalerhöhung beim Einstieg des Staates sowie Dongfeng. Zähneknirschend hatte die zerstrittene Peugeot Familie nach 200 Jahren ihre Kontrolle über das Unternehmen aufgeben müssen.

Dafür besorgten die Chinesen zudem in ihrem Heimatland ein Umsatzplus von 33 %. Seitdem ist China neben Europa der Hauptabsatzmarkt. 2016 stieg der Konzernabsatz insgesamt um 6 % auf 3,15 Mio. Fahrzeuge. Der höchste Wert seit 2010. Der positive Verlauf ließ die Aktie Mitte letzten Jahres anspringen. Als sich dann zeigte, dass der Gewinn nahezu verdoppelt werden konnte, kündigte Peugeot im Februar nach sechs Jahren Pause erstmals wieder eine Dividende an: 48 Cent je Aktie.

Aufstieg zur Nummer zwei in Europa

Netto verfügt der Konzern nun über 6,8 Mrd. €, was den Kauf von Opel mit dessen Tochter Vauxhall ermöglicht. Ob der Preis unter dem damaligen Angebot an VW liegt, ist unbekannt. Doch GM will eine Baustelle loswerden. Opel hatte es zuletzt nicht geschafft, seit 1999 wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Als Grund werden Währungsturbulenzen nach dem Brexit-Referendum genannt.

Für Peugeot ist Opel ein Baustein in der Strategie, die auf Wachstum ausgelegt ist. Anders als bei GM sieht der Konzern größere Einsparpotenziale. Bisher hatte Tavares, der zuvor schon bei Nissan als Sanierer erfolgreich war, Recht behalten. Mit Opel steigt Peugeot nach VW zur Nummer zwei in Europa auf. Derweil hat der französische Staat seine Beteiligung von 12,7 % verkauft.

Die Peugeot Aktie scheint derzeit leicht unterbewertet und bietet längerfristig Potenzial auch jenseits von 20 €, so wie zuletzt 2011. Aber der Spielraum für neue Überraschungen ist weitgehend ausgereizt. Bislang fällt der Autobauer zudem durch eines auf: So ziemlich als einziger hat er noch kein Problem wegen der Manipulation von Abgaswerten.

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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.

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