Peugeot kauft Opel – Was die Übernahme für Anleger bedeutet

Nach dem zweiten Weltkrieg war die Marke Opel Marktführer in Deutschland – davon ist heute nicht mehr viel übrig. Seit 1999 schreibt die Tochter von General Motors (GM) rote Zahlen, der europäische Marktanteil der Marke Opel/Vauxhall stagniert inzwischen bei 6,6 %, in Deutschland waren es zuletzt noch 7,3 % Marktanteil.

Übernahme: Opel geht für 1,3 Mrd. € an Peugeot und Citroën

Nun zieht der Mutterkonzern General Motors (GM) einen Schlussstrich unter das Abenteuer Opel und verkauft die Marke für 1,3 Mrd. € an den französischen PSA-Konzern mit den Marken Peugeot, Citroën und DS.

Zudem wird der PSA-Konzern 900 Mio. € für das europäische Finanzierungsgeschäft rund um die Autobank GM Financial zahlen. Im Gegenzug übernimmt General Motors (GM) Pensionsverpflichtungen von rund 3,0 Mrd. €, wodurch der gesamte Deal für den amerikanischen Autobauer ein Minusgeschäft (800 Mio. €) ist.

Autoexperten erwarten Stellenabbau bei Opel

Doch warum nimmt General Motors (GM) bei diesem Geschäft einen Verlust in Kauf? Dazu ein Blick auf die aktuellen Opel-Zahlen. Es ist kein Geheimnis, dass Opel seit Jahren rote Zahlen schreibt. Allein in 2016 stand bei der GM-Tochter ein operatives Minus von umgerechnet rund 240 Mio. € in der Bilanz.

PSA-Chef Carlos Tavares deutet daher bereits Sanierungsmaßnahmen an, auch wenn die Schließung von Opel-Werken zunächst nicht zur Debatte steht. Vielmehr soll sich Opel aus eigener Kraft aus der Krise befreien, so Tavares.

Autoexperten wie Professor Ferdinand Dudenhöffer rechnen dennoch mit einem Stellenabbau, rund ein Drittel der Opel-Jobs (38.000 Mitarbeiter europaweit, 18.000 in Deutschland) könnten in Gefahr sein, glaubt Duddenhöffer.

Peugeot will hinter VW zur Nummer Zwei in Europa avancieren

Die Beweggründe von Peugeot für die Übernahme von Opel sind klar. Mit dem Kauf von Opel will der PSA-Konzern mit einem Marktanteil von 17 % zur Nummer Zwei hinter dem VW-Konzern in Europa aufsteigen.

Zudem hoffen Peugeot und Citroën durch den Opel-Kauf auf Synergieeffekte von rund 1,7 Mrd. € jährlich, die beim Einkauf, in der Produktion und im Bereich Forschung und Entwicklung erzielt werden sollen. Zudem haben Peugeot und Citroën im Elektroautomarkt bislang kaum was zu bieten, hier hoffen die Franzosen auf die Marke Opel.

Opel könnte Peugeot beim Thema Elektroautos helfen

Der Grund: Der PSA-Konzern hat in den vergangenen Jahren deutlich weniger Geld für Forschung und Entwicklung ausgegeben als seine Rivalen. Opel könnte Peugeot nun aus der Patsche helfen, denn das Fabrikat mit dem Blitz hat bereits mit dem Ampera-e ein interessantes Elektroauto mit hoher Reichweite (ca. 350 Kilometer) am Start.

Der Opel Ampera-e basiert auf dem Elektroauto Chevy Bolt von GM, der bereits in den USA verkauft wird. Opel soll den Ampera-e in Lizenz produzieren dürfen. Ob dies ausreicht, die Marke Opel in die Gewinnzone zu führen, bleibt abzuwarten.

Fazit: Opel ist für Peugeot eine Chance, für GM ein Risiko weniger

Autoexperten wie Ferdinand Dudenhöffer sehen Opel als den großen Verlierer in dem Deal. Die Marke droht sogar langfristig vom Markt zu verschwinden, wenn es der Traditionsmarke nicht aus eigener Kraft gelingt, die Verlustzone zu verlassen.

Dennoch sieht Peugeot die Opel-Übernahme als große Chance, seine Position in Europa zu stärken. Auch die anvisierten Synergieeffekte scheinen für den PSA-Konzern erreichbar, arbeiten Opel und PSA bereits seit geraumer Zeit zusammen. Der Citroen C3 Picasso und der Peugeot 2008 werden zum Beispiel im Opel-Werk Saragossa gebaut.

Für Peugeot und dessen Anleger dürfte der Opel-Zukauf eine Chance sein, winken nicht nur Synergieeffekte, sondern auch die Möglichkeit auf einen Befreiungsschlag in Sachen Elektromobilität, denn hier hat Peugeot bislang kaum was zu bieten.

Aber auch VW-Anleger müssen sich nicht vor Peugeot und dem PSA-Konzern fürchten, bleiben die Wolfsburger mit rund 24 % Marktführer in Europa. Auch im wichtigen China-Geschäft dürfte der Kauf von Opel durch Peugeot kaum Auswirkungen auf die VW-Absatzzahlen haben.

Die Gewinner des Deals dürften aber General Motors (GM) und seine Anleger sein, hat sich der amerikanische Autobauer so eines Verlustbringers entledigt. Damit kann sich GM auf die Einführung weiterer Elektroauto-Modelle und das wichtige US-Geschäft konzentrieren.

22. März 2017

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands

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