Pflegeheimkosten steuerlich absetzbar: Bis zu 4.000 € sparen

Pflegekosten steuerlich absetzbar: Bis zu 20 Prozent der Pflegekosten können Sie direkt von der Einkommenssteuer absetzen. (Foto: PeJo / Shutterstock.com)

Jeder wird irgendwann in die Situation kommen, die täglichen Aufgaben des Haushalts und des Lebens nicht mehr eigenständig erledigen zu können. Mit steigendem Alter muss die Absicherung für die ältere Generation stehen. Wer nicht die Hilfe von Familienmitgliedern in Anspruch nehmen kann und Hilfe von außen benötigt, hat eine zusätzliche finanzielle Belastung die das Budget belastet. Wie ein Hilfebedürftiger diese Kosten von der Steuer absetzen kann, erklären wir Ihnen in folgenden Artikel.

Wieviel von der Steuer abgesetzt werden kann hängt, wie fast immer im Steuerrecht, von der genauen Situation ab in der sich der Pflegebedürftige befindet: Benötigt der Pflegebedürftige Hilfe, besitzt er einen Pflegegrad und wenn ja welchen? In diesem Zusammenhang sind haushaltsnahe Dienstleitungen zu nennen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen geltend machen

Zu den haushaltnahen Dienstleistungen zählen nach § 35a Abs. 2 Satz 1 Alt. 2 EStG Tätigkeiten, die nicht zu den handwerklichen Leistungen nach § 35a Abs. 3 EStG gehören. Haushaltsnahe Dienstleistungen entstehen aus Beschäftigungsverhältnissen. Die Voraussetzungen sind erfüllt, wenn Pflichtbeiträge zur gesetzlichen Sozialversicherung entrichtet werden und die Beschäftigung nicht als Minijob gilt. Zu den Dienstleistungen gehören neben Duschen und Kochen auch der tägliche Gang zum Supermarkt. Bei einer Person die nicht als Pflegebedürftig eingestuft wurde, liegt der Betrag der jährlich abgesetzt werden darf, bei 20 % der Aufwendungen: maximal 4.000€. Für den Nachweis benötigt das Finanzamt eine Rechnung und einen Überweisungsträger der Bank.

Besonderheiten der Absetzbarkeit von Kosten für die Pflege

Wenn der Haushalt von einem Minijobber geführt wird bzw. eine Unterstützung stattfindet, können 20 Prozent der Aufwendungen angesetzt werden. Allerdings ist hier der Höchstsatz von 520 € im Jahr zu beachten. Diese Leistungen werden Pflegebedürftigen gutgeschrieben, die in einem eigenen Haus, der eigenen Wohnung oder im Pflegeheimen wohnen. Die haushaltsnahen Dienstleistungen in Pflegeheimen werden dabei gezahlt, wenn dort ein eigener Haushalt besteht.

Zu unterscheiden sind Pflegeheimen von Altenheimen. Bei Altenheimen handelt es sich um Einrichtungen, in denen alte Menschen, die nicht pflegebedürftig sind, aber zur Führung eines eigenen Haushaltes nicht in der Lage sind, leben. Hier wird den Menschen die Unterkunft, Verpflegung und die Betreuung gestellt. Bei Altenwohnheimen handelt es sich um Einrichtungen in denen alte Menschen, die noch in der Lage sind einen eigenen Haushalt zu führen, allerdings Unterstützung benötigen, in voneinander abgetrennten Wohnungen betreut werden.

Bei diesen beiden Formen ist eine Erstattung der Steuer möglich. Eine Inanspruchnahme der Steuerermäßigung nach nach § 35a Abs. 1 bis 3 EStG kann erfolgen, wenn es sich um einen eigenständigen und abgeschlossenen Haushalt handelt. Dies ist gegeben, wenn der Haushalt für eine Haushaltsführung geeignet ist und mit Bad, Küche und einem Wohn- und Schlafbereich ausgestattet ist. Des weiteren muss eine eigene Wirtschaftsführung des Steuerpflichtigen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden.

Um diese Steuerermäßigung zu erhalten, ist es nach § 35a Abs. 4 Satz 2 EStG notwendig, dass der Ort der Pflege in der EU oder EW-Raum liegt. Eine Steuerermäßigung, welche für haushaltsnahe Dienstleistungen in Anspruch genommen werden können, wurde in verschiedenen Urteilen geklärt.

Für jede Steuerermäßigung die nach § 35a EStG in Anspruch genommen werden kann, muss eine Rechnung bestehen. Aus dieser muss ersichtlich sein, wer der Empfänger und wer der Erbringer ist. Zudem sind Art der Leistung, der Zeitpunkt der erbrachten Leistung und der Inhalt mit dem Betrag der Leistung wichtig.

Wann können außergewöhnliche Belastungen abgesetzt werden?

Kosten, die für eine altersbedingte Heimunterbringung aufgebracht werden müssen, zählen zu den regulären Aufwendungen für die Lebensführung. Diese werden mit dem Grundfreibetrag, im Jahr 2018 mit 9.000€ abgegolten.

Bei einer krankheitsbedingten Unterbringung gilt dies eventuell als außergewöhnliche Belastung. Abziehbare Kosten sind Zuwendungen der Pflegeversicherung sowie mögliche Gelder der Pflegeversicherung und Beihilfe Zahlungen. Auf Grundlage der Haushaltsersparnis und eine vom Finanzamt zumutbare Belastung für den Heimbewohner wird ein Betrag festgesetzt.

Von dem Gesamtbetrag der Einkünfte wird der Teil der Aufwendungen abgezogen, welcher die zumutbaren Belastungen übersteigt. Zu den zumutbaren Belastungen zählen unter anderem folgende:

  • Krankheitskosten
  • Künstliche Befruchtung
  • Kurkosten
  • Pflege-Pauschbetrag
  • Pflegekosten

Nur wenn diese Aufwendungen den zumutbaren Teil übersteigen, werden diese steuerlich berücksichtigt. Eine Reduzierung der Steuerlast findet nur statt, wenn die gesetzlichen Regelungen des §33 EStG beachtet werden.

Bis 15.340 € der Gesamteinkünfte ohne Kinder

  • 32 a Absatz 1 mit 5% des Gesamtbetrages der Einkünfte
  • 32 a Absatz 5 oder 6 mit 4 % des Gesamtbetrages der Einkünfte.

Bis 15.340 € der Gesamteinkünfte mit Kindern

  • bei einen oder zwei Kindern mit 2 % des Gesamtbetrages der Einkünfte
  • bei drei oder mehr Kindern mit 1 % des Gesamtbetrages der Einkünfte.

Über 15340 € bis 51.130 € der Gesamteinkünfte ohne Kinder

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  • 32 a Absatz 1 mit 6% des Gesamtbetrages der Einkünfte
  • 32 a Absatz 5 oder 6 mit 5 % des Gesamtbetrages der Einkünfte.

Über 15340 € bis 51.130 € der Gesamteinkünfte mit Kindern

  • bei einen oder zwei Kindern mit 3 % des Gesamtbetrages der Einkünfte
  • bei drei oder mehr Kindern mit 1 % des Gesamtbetrages der Einkünfte.

Über 51.130 € der Gesamteinkünfte ohne Kinder

  • 32 a Absatz 1 mit 7% des Gesamtbetrages der Einkünfte
  • 32 a Absatz 5 oder 6 mit 6 % des Gesamtbetrages der Einkünfte.

Über 51.130 € der Gesamteinkünfte mit Kindern

  • bei einen oder zwei Kindern mit 4 % des Gesamtbetrages der Einkünfte
  • bei drei oder mehr Kindern mit 2 % des Gesamtbetrages der Einkünfte

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Tino Hahn
Von: Tino Hahn.