Porsche bringt die Blockchain ins Auto

Neben VW und BMW beschäftigt sich auch Porsche mit der Blockchain - aus wichtigem Grund. (Foto: Christopher Lyzcen / Shutterstock.com)

Während Volkswagen mit IOTA zusammenarbeitet, um dezentrale Technologien ins vernetzte Auto der Zukunft zu bringen, setzt die Volkswagen-Tochter Porsche auf das Berliner Start-up XAIN AG.

Gemeinsam mit dem Berlinern will Porsche die Blockchain in das Auto bringen. Um 150 Mio. € auf insgesamt 450 Mio. € will Porsche sein jährliches IT-Budget aufstocken, um ganz vorne mitzufahren, wenn es um das vernetzte Auto der Zukunft geht. Dabei soll auch die Blockchain eine wichtige Rolle spielen.

Doch was hat die Blockchain mit der Automobiltechnik zu tun, fragen sich viele Anleger. Denn die Technik wird bislang eher mit Kryptowährungen wie Bitcoin & Co in Verbindung gebracht.

Warum Porsche auf die Blockchain setzt

Dazu müssen Anleger wissen, dass es sich bei der Blockchain um eine dezentrale, digitale Speichertechnik handelt, auf der Transaktionen kryptografisch verschlüsselt abgelegt werden. Die in der Blockchain gespeicherten Daten sind damit nicht manipulierbar und können auch nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Was im Finanzbereich eine große Hilfe ist, lässt sich auch in der Automobilindustrie anwenden, wenn es zum Beispiel um das Auf- und Zusperren eines Autos geht. Das Smartphone könnte künftig den Autoschlüssel ersetzen, der Vorgang (Berichtigungsprüfung) könnte damit sechs Mal schneller ablaufen als mit der heutigen Technik, verweist man bei Porsche.

Der Grund liegt in dem dezentralen Aufbau der Blockchain, die ohne Server auskommt. Dadurch lassen sich auch vorrübergehende Zugangsberichtigungen einrichten, zum Beispiel für einen Zustelldienst, der mal eben ein Paket in den Kofferraum ablegt.

Blockchain und das Autonome Fahren

Auch beim Autonomen Fahren könnte die Blockchain in der Zukunft unverzichtbar werden. Dies gilt zum einen für die Kommunikation der selbstfahrenden Autos untereinander, wodurch sichergestellt werden kann, dass die Daten tatsächlich von einem realen Fahrzeug kommen und nicht durch Hacker oder andere Dritte manipuliert wurden. Zum anderen gilt das auch für die Bezahlung von Servicediensten (Maut etc).

So könnte mithilfe der Blockchain und Smart Contracts auch das Problem gelöst werden, wenn autonom fahrende Autos selbst an die Elektroladestation fahren und Strom tanken. Die Maschine bezahlt die Maschine für den geladenen Strom mittels Kryptowährung auf der Blockchain.

Der Kunde soll Herr über die Daten bleiben

Doch auch bei einem weiteren sehr sensiblen Thema, das die Menschen beschäftigt, kann die Blockchain helfen. Viele Konsumenten haben noch gewisse Vorbehalte gegenüber dem vernetzten Auto, das autonom unterwegs ist. Hackerangriffe, Datendiebstahldelikte, kaum eine Woche vergeht, in denen diese Themen nicht in den Medien aufgegriffen werden.

Die Blockchain kann sicherstellen, dass Daten nicht manipuliert werden und der Autobesitzer auch Herr über seine Daten bleibt. Über die Blockchain bzw. Smart Contract kann der Fahrzeughalter festlegen, wer Zugriff auf die Daten bekommt und diese nutzen darf. Somit kann das Fahrzeug selbst eines Tages via Datengenerator als Einnahmequelle dienen.

Fazit: Porsche will bei der Digitalisierung ganz vorne dabei sein

Neben der Anhebung des IT-Budgets will Porsche in die Elektromobilität in den nächsten 5 Jahren nicht weniger als 6 Mrd. € investieren – doppelt so viel, wie ursprünglich geplant.

Auch mit dem Vorstoß in Sachen Blockchain macht Porsche klar, dass man bei der Digitalisierung ganz vorne dabei sein will. Im Zuge der zunehmenden Fahrzeugvernetzung wird dieses Thema immer wichtiger, wobei Software in der Wertschöpfungskette beim Auto der Zukunft eine noch größere Rolle spielen dürfte als heute.

Die Automobilindustrie steht in den nächsten Jahren vor dem größten Umbruch in seiner mehr als 125-jährigen Geschichte. Wer diesen Umbruch verschläft, läuft Gefahr den Anschluss zu verlieren. Anleger sollten daher bei den Automobil-Aktien Vorsicht walten lassen und genau hinsehen, welcher Autobauer wirklich gut für die Zukunft vorbereitet ist.

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Von: Alexander Mittermeier. Über den Autor

Als Gründungsmitglied einer der größten Finanz-Communitys in Deutschland schreibt Alexander Mittermeier heute nicht nur über Aktien und Hightech-Unternehmen, sondern auch über Geld- und Wirtschaftsthemen. Im Mittelpunkt stehen dabei Hintergrundberichte und Bewertung wirtschaftlicher Themen unter Berücksichtigung technologischer Gesichtspunkte für eine der größten Banken Deutschlands