Porsches Diesel-Abschied: eine Imagekorrektur

Porsches Diesel-Ausstieg ist kein Auftakt für die deutschen Hersteller. Der Selbstzünder hat noch nie so recht zum Sportcharakter gepasst. (Foto: Christopher Lyzcen / Shutterstock.com)

Im nahezu surrealen Schauspiel um Fahrverbote und Verteufelung scheint es fast zum guten Ton zu gehören, den Diesel pauschal als Auslaufmodell zu behandeln. Als erster deutscher Hersteller verabschiedet sich nun Porsche vom Diesel. Ende September verkündete Porsche-Chef Oliver Blume, man werde künftig keine Selbstzünder-Modelle mehr anbieten und habe seit der Diesel-Krise mit herbem Imageverlust und Ärger zu kämpfen.

Mit dem Diesel begräbt Porsche eine Übergangsära

Die Botschaft sorgte bei vielen Autofahrern und Anlegern für Verunsicherung: Ist Porsches Diesel-Ausstieg etwa der Auftakt im VW-Konzern und ein generelles Signal für die deutschen Hersteller wie BMW und Daimler?

Vermutlich nein. Für Porsche selbst ist es letztlich die Rückkehr zur alten Tradition und der Abschied von einer kurzen Ära. Denn Dieselantriebe gibt es erst seit 2009. Galten sie bis dahin als völlig unpassend zum edlen Sportimage, so machten die anfänglich überschweren Cayenne SUVs leistungsstarke und sparsame Dieselmotoren unvermeidlich. Zu dem Zeitpunkt wurde der Diesel auch für die Sport- und Oberklasse salonfähig.

Die neueren Modelle kommen gut mit Benzinern oder Hybridantrieben aus. Die Dieselmotoren stammten ohnehin von Audi. Waren Dieselfahrzeuge noch nie eine tragende Säule im Konzern, ist mit der rückläufigen Nachfrage der Ausstieg kein Problem. Im Gegenteil, er war nebenbei eine willkommene Gelegenheit, auf negative Schlagzeilen wegen „Manipulationsvorwürfen“ zu reagieren.

Passen denn E-Schnurrer zum Porschegefühl?

Dass es dabei nicht um Abgase sondern um einen zugeschalteten Motorsound-Effekt ging, spielt nun keine wirkliche Rolle mehr. Als Problem könnten sich viel eher die Erwartungen erweisen, die in künftige Modelle rein mit Elektroantrieb geweckt wurden. Schließlich stehen noch nicht einmal alle Anlagen zur Produktion. Auch verharrt das angekündigte E-Modell Taycan unverändert im Stadium als Prototyp.

Bleibt auch abzuwarten, ob E-Antriebe auf Dauer von der typischen Porsche-Kundschaft angenommen werden. Hatte es vor zehn Jahren noch geheißen, Dieselmotoren passten nicht zum Charakter eines Porsche, bei dem man ein unverwechselbares Fahrgefühl mit einem ganz bestimmten Klang erwartet, so stellt sich nun die Frage, wie Elektro-Schnurrer dem gerecht werden sollen.

Die anderen deutschen Hersteller indes sind wesentlich abhängiger vom Diesel. Der ist zwar in Verruf geraten, doch erstens gibt es noch immer keinen Antrieb, der in seiner Gesamtbilanz so effektiv und leistungsstark ist. Und zweitens wird in der Öffentlichkeit kaum mehr wahrgenommen, dass die neuen Motoren in Sachen Abgase um Längen besser sind – und Benzinern beim CO2 Ausstoß überlegen.

Comeback neuer Dieselmotoren nicht ausgeschlossen

Spätestens wenn sich nach dem ersten Elektro-Hype die in Massen anstehenden Umweltprobleme bei der Herstellung und Entsorgung überschwerer Batterien samt der Abhängigkeit von begrenzt verfügbaren Rohstoffen zeigen, könnten neue Diesel ein Comeback erleben. Bis dahin dürften auch synthetische Diesel-Kraftstoffe wie Nordic Blue Crude serienreif sein, die sich nahezu schadstofffrei verwenden lassen.

In der völlig verengten öffentlichen Diskussion haben derweil nach Volvo nun auch Nissan und Renault öffentlichkeitswirksam den Rückzug vom Diesel verkündet. Der Ausstieg bei Subaru fällt hierzulande kaum auf. Und Toyota will den Selbstzünderantrieb auf schwerere Modelle beschränken, ansonsten sei der Diesel „tot“. Für die deutschen Hersteller ist dies eine Chance am Ball zu bleiben. Totgesagte leben eben manchmal länger.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.