Powertrain: Börsengang noch in diesem Jahr

Mit dem Börsengang von Powertrain will sich Continental für die Zukunft neu aufstellen. Der Antriebsbereich soll noch 2018 an die Börse. (Foto: Nils Versemann / Shutterstock.com)

Mangels Alternativen wartet nach wie vor viel Anlegergeld auf Gelegenheiten am Aktienmarkt. Umso verwunderlicher, dass letztes Jahr lediglich zwölf Unternehmen den Sprung aufs Parkett gewagt haben. Im internationalen Vergleich gibt Deutschland bei IPOs ein schwaches Bild ab. Noch ist das Börsenklima günstig. Deshalb nutzen einige Konzerne das Umfeld und bringen Ableger an die Börse.

Powertrain: Börsengang in Sicht

Siemens bescherte dem Markt die Medizinsparte Healthineers, die Deutsche Bank trennte sich von der Vermögensverwaltung DWS, und in den kommenden Monaten stehen Autozulieferer auf dem Programm. Nachdem sich Knorr-Bremse endlich entschieden hat, plant nun auch Continental den Börsengang. Powertrain heißt der Kandidat, die Antriebs-Division des Dax Konzerns.

Noch ist der Börsengang von Powertrain nicht endgültig beschlossen. Der Grund liegt in Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Aufsichtsrat und der Großaktionärin Scheffler, die lange für den Verkauf der Sparte plädierte. Diese Lösung ist aber nun wohl vom Tisch. Damit sollte alles auf einen Börsengang von Powertrain hinauslaufen und Gerüchten, die zur Sache seit Anfang des Jahres kursieren ein Ende bereiten. Der IPO wurde zwar noch nicht offiziell bestätigt, aber – und das ist wichtiger – auch nicht dementiert.

Entsprechende Meldungen hatten der Continental Aktie nach den Verlusten der letzten drei Monate einen leichten Aufrieb beschert. Die Option auf einen Börsengang ist Teil des umfassenden Konzernumbaus. Davon abgesehen: Mit dem eingesammelten Anlegergeld lassen sich Investitionen in Wachstumsbereiche wie Elektroautos und selbstfahrende Funktionen stemmen.

Zahl der Gewinnwarnungen steigt deutlich anIm ersten Halbjahr 2018 mussten deutlich mehr börsennotierte Unternehmen in Deutschland ihre Prognosen nach unten anpassen. › mehr lesen

Powertrain selbst stellt neben Komponenten für Elektro- und Hybridantriebe auf solche für klassische Verbrennungsmotoren her. Die Abspaltung würde die Konzernstruktur übersichtlicher gestalten. Großinvestoren drängen schon länger auf solche Lösungen.

Einzelteile sind mehr wert als der Konzern

Grundsätzlich ist der Ansatz, traditionelle Großkonzerne in wendigere und selbständige Einheiten aufzugliedern schon angesichts der grundlegenden Veränderungen durch neue Antriebe und die Digitalisierung sinnvoll. Eine Garantie, dass es dann auf allen Seiten gleich reibungslos bergauf geht, ist dies jedoch nicht.

Zur Größenordnung: Continental beschäftigt über 235.000 Mitarbeiter und macht einen Umsatz von zuletzt 44 Mrd. Euro. Auf Powertrain entfallen 44.000 Beschäftigte und ein Umsatzanteil von 7,7 Mrd. Euro. In Sachen Profitabilität ist nach Konzernangaben eine Umsatzrendite von 10 % in Sicht. Dabei ist allerdings der Bereich Elektro- und Hybridantriebe (HEV) ausgeklammert. Der soll bis in drei Jahren aus der Verlustzone kommen.

Aus Anlegersicht ist ein Börsengang von Powertrain der richtige Schritt, allein schon wegen des Kalküls, dass die Einzelteile von Continental zusammen mehr wert sind als der Konzern im Ganzen. Nach diesem Gedanken überlegen sich auch VW oder Daimler neue Holdingstrukturen – als Antwort auf neue Herausforderungen im Automotive-Bereich.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.