Private Equity Fonds sind für Privatanleger kaum geeignet

Private Equity steht Privatanlegern nur ab Millioneneinlagen offen. Darunter leidet die Rendite. Alternativen sind Zertifikate und ETFs. (Foto: sdecoret / Shutterstock.com)

Sie werben mit Renditen, die weit über denen von Aktien liegen und sind wieder im Kommen. Private Equity Fonds, die um die Jahrtausendwende besonders aktiv waren, sammeln immer mehr Investorengelder ein und kommen in Europa auf ein verwaltetes Vermögen von rund 640 Mrd. €.

Private Equity: für Privatanleger hohe Hürden

Angesichts von Niedrigzinsen und zunehmend schwankenden Aktienmärkten suchen Profiinvestoren vermehrt Erträge durch Beteiligungskapital. Für die meisten Privatanleger ist Private Equity weniger geeignet. Die Mindestanlagesummen liegen in der Regel im Millionenbereich. Dennoch, es gibt alternative Zugänge für weniger Geld. Allerdings ist fraglich, ob solche Investments wirklich lohnen.

Normalerweise tummeln sich im Bereich Private Equity Privatanleger mit viel Vermögen sowie Stiftungen oder auch Versicherungen. Ein Investorenkreis also, der auf fundiertes Fachwissen zurückgreifen kann. Dies ist auch nötig, wenn es darum geht, dass Private Equity-Anbieter Unternehmen mit hohen Summen auf Vordermann bringen, um sie später mit Gewinn zu verkaufen.

Das gelingt zwar in den meisten Fällen, oft genug läuft es aber auch nicht wie gewünscht. Wenn Einsätze zwischen fünf und 20 Mio. € auf dem Spiel stehen, sind die Erwartungen entsprechend hoch. Die Investoren kaufen sich entweder direkt in Unternehmen ein oder über Fonds, die von Private Equity-Gesellschaften gemanagt werden.

Firmen sanieren und verkaufen

Hier gibt es zwei Grundtypen: Venture Capital Fonds konzentrieren sich auf erfolgversprechende Startups, die noch schlecht an Bankkredite kommen. Buyout Fonds übernehmen Beteiligungen an etablierten Firmen. Meist solche, die unter ihren Potenzialen bleiben bzw. in Schwierigkeiten stecken. Gewiefte Private Equity Manager bringen dann die Geschäftsführung auf Linie, optimieren die Struktur und suchen Wege aus der Krise.

Landläufig bekannt sind große Gesellschaften wie Permira, KKR oder Blackstone, das etwa 2007 die angeschlagene Hotelkette Hilton für 26 Mrd. US-$ übernahm, umkrempelte und Ende 2013 an die Börse brachte. Ebenso 2007 wurde das US-Telekommunikationsunternehmen Alltel von der Atlantis Holding LLC Übernommen und zwei Jahre später an den Konkurrenten Verizon verkauft.

Flops einkalkulieren

Private Equity-Investoren wurden mit teils zweistelligen Renditen belohnt. Dafür aber hatten sie solange keinen Zugriff auf ihr Geld bis der Deal perfekt war. Zwischen vier und sechs Jahren sind üblich. Doch nicht immer lohnt sich das Warten. Vor zwei Jahren kassierte etwa KKR mit dem US-Ölförderer Samson eine Pleite. Das Unternehmen lief wegen niedriger Ölpreise in die Insolvenz.

Das Risiko von Totalverlusten besteht also auch bei renommierten Private Equity-Anbietern. Gemildert wird es bei den Fondskonstrukten durch Investitionen in mehrere Unternehmen. Trotz Streuung reichen schon ein paar Flops aus, und die Rendite liegt am Ende mit viel Glück auf dem Niveau eines ETF auf den Dax oder S&P 500.

Die Indexfonds kosten wenigstens kaum Geld. Anders bei Private Equity Gesellschaften, die teils horrende Kosten für Management und Vertrieb verlangen. Die machen sich umso mehr bemerkbar, je geringer die Investmentsumme ist. Etliche Gesellschaften bieten Privatanlegern Private Equity-Anlagen bereits ab 100.000 € an, darunter normalerweise über Dachfonds.

Intransparente Konstruktionen

Doch die sind oft extrem intransparent. Dass allein Provisionen von bis zu 10 % die beworbenen Renditen fressen, merken viele Anleger zu spät. Auch ist nicht jedem auf Anhieb klar, dass er, je nach Konstellation, als stiller Gesellschafter oder Kommanditist an Verlusten voll beteiligt ist. Private Equity beschäftigt zahllose Anwälte.

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Gerade im erschwinglichen Einstiegsbereich sind Klagen über unseriöse und dubiose Methoden verbreitet. In einigen Fällen ging mitunter ein Viertel der eingezahlten Summe für Agio, Vertrieb und Management drauf. Schließlich investieren Dachfonds in andere Fonds bzw. Private Equity-Anbieter, die alle ihre Gebühren verlangen – eine Kostenkaskade, die schlecht absehbar ist.

Genauso wenig ist jedem bekannt, was sich bei den Renditeangaben unter dem Zusatz IRR versteckt. Internal Rate of Return ist eine Berechnungsmethode mit internem Zinsfuß, bei der sich grob gesagt die Renditen auf das zu einem bestimmten Zeitpunkt im Fonds gebundene Kapital beziehen. Nicht aber auf das ursprünglich angelegte Geld. Schon kleinere Verschiebungen im Anlagegefüge ergeben dann völlig andere Renditen.

Privatanleger, die sich einigermaßen berechenbar am Erfolg der großen seriösen Private Equity-Gesellschaften beteiligen wollen, können dies auch mit überschaubaren Beträgen tun. Da Blackstone, KKR & Co. an der Börse notiert sind, gibt es Zertifikate oder ETFs auf spezielle Private Equity-Indizes. Alternativ kann man deren Aktien direkt kaufen.


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Ralf Hartmann
Von: Ralf Hartmann. Über den Autor

Ralf Hartmann arbeitet seit vielen Jahren im Bereich Wirtschaft und Finanzen und hat dabei stets besonders das Wohl des Lesers im Blick. Sein Ziel: Aufklären über Anlagemöglichkeiten und Chancen für interessierte Anleger.