Private Überschuldung: Wenn nichts mehr geht

Im Wahljahr zeichnen Politiker naturgemäß ein schönes Bild von Deutschland, so auch im Bundestags-Wahljahr 2017. Alles ist doch so super: […] (Foto: Watchara Ritjan / Shutterstock.com)

Im Wahljahr zeichnen Politiker naturgemäß ein schönes Bild von Deutschland, so auch im Bundestags-Wahljahr 2017.

Alles ist doch so super:

  • wenige Arbeitslose,
  • stattdessen Rekord-Beschäftigung,
  • die Konjunktur boomt,
  • die Steuer-Einnahmen sprudeln,
  • und so weiter.

Sie kennen das ja; es ist immer dasselbe – und immer wieder in vielen Belangen falsch.

Negative Entwicklungen werden politisch ausgeblendet

Die Schattenseiten der Politik werden normalerweise nicht thematisiert, da natürlich v. a. die Regierungs-Parteien daran Schuld haben.

Wer denn auch sonst?! – Schließlich hocken doch sie am Hebel der Macht.

Nur 2 Bespiele dazu: Die Armut nimmt nicht nur in der EU, sondern auch in Deutschland immer mehr zu, genauso die horrende Überschuldung der Privat-Haushalte.

Nicht nur die Staatsverschuldung, sondern auch Privat-Verschuldung nimmt zu

Schon des Öfteren haben wir Sie auf die Überschuldung von Staaten, z. B. solchen in der Europäischen Union, hingewiesen.

Ein solches Desaster gibt es jedoch auch bei den Privat-Haushalten hierzulande.

So liegt zum Stichtag 1. Oktober 2016 die Überschuldungs-Quote für Gesamt-Deutschland bei 10,06%.

Seit 2013 steigt die Anzahl der überschuldeten Privatpersonen an. Und auch davor sah es nicht viel besser aus (in Mio.):

  • 2009 = 6,19
  • 2010 = 6,49
  • 2011 = 6,41
  • 2012 = 6,59
  • 2013 = 6,58
  • 2014 = 6,67
  • 2015 = 6,72
  • 2016 = 6,85

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Anders ausgedrückt: Fast 7 Mio. Deutsche über 18 Jahre sind verschuldet. Überwiegend betroffen ist die Mittelschicht, die immer weiter in die Miesen abdriftet.

Damoklesschwert Überschuldung

Eine Überschuldung liegt dann vor,

Vor allen Dingen steigen die Fälle mit hoher Überschuldungs-Intensität. Damit gemeint sind gerichtliche Sachverhalte.

Deren Zahl nahm im letzten Jahr um 220.000 Fälle zu. Das entspricht einer Steigerung von 5,6%.

Überschuldungs-Hochburg Westdeutschland

In Westdeutschland sind rund 5,73 Mio. Menschen überschuldet, in Ostdeutschland etwa 1,12 Mio. (Stand: Juli 2017).

Sie sehen selbst, dass sich die Überschuldungs-Spirale in den alten Bundesländern viel schneller dreht, als in den neuen.

Und wissen Sie, was noch verrückt ist?

Dass gerade im Jahr 2016 die Überschuldungs-Zahlen in den wohlhabenden Bundesländern Baden-Württemberg und Bayern gestiegen sind.

Konkret: Baden-Württemberg (8,34%; + 0,25 Punkte), Bayern (7,35%. Hinzu kommt noch Sachsen (9,89%; beide + 0,24 Punkte).

Nur in 3 Bundesländern ist ein Rückgang von Überschuldungs-Fällen zu verzeichnen:

  1. Berlin (12,74%; – 0,24 Punkte).
  2. Bremen (14,01%; – 0,07 Punkte)
  3. Saarland (11,31%; – 0,02 Punkte).

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Von: Guido Grandt. Über den Autor

Der Autor, Jahrgang 1963, war viele Jahre lang als Manager in verschiedenen großen Unternehmen tätig. Lernte das unternehmerische Handwerk sozusagen von der "Pike" auf, bevor er sich ganz dem wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Geschehens Deutschlands publizistisch widmete.